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Nachrichten aus Kultur und Medien

Sind Bilder stillender Mütter obszön?

31.12.2008

Facebook: Protest gegen Zensur von Nuckel-Fotos, die entblößte Brüste zeigen

Nuckeln an der Mutterbrust sorgt im Normalfall für die Wiederkehr von Ruhe in jener kleinen Welt, die noch Momente zuvor vom nervenzerrüttenden Geschrei eines Säuglings in helle Aufruhr gebracht wurde. Die Bezeichnung "Stillen" kündet von der segensreichen Wirkung dieser innigen Nahrungsaufnahme.

Doch Stillen kann auch ziemlichen Lärm machen, wie das soziale Netzwerk Facebook diese Tage erfährt. Mehr als 90.000 Frauen protestieren in einer Online-Petitionsgruppe gegen Facebook, weil dessen Administration Fotos von stillenden Frauen von seinen Seiten entfernt hat. Die Petition und weitere Aktionen, wie ein "live-nurse-in" vor dem Facebook-Hauptquartier in Palo Alto und ein begeleitendes "online-nurse-in", bescheren der Protestwelle mittlerweile größere Aufmerksamkeit in den Medien.

Auch für den Facebook-Sprecher Barry Schnitt ist Stillen im Allgemeinen ein "natürlicher und schöner Akt". Er freue sich, so erklärt Schnitt, dass es "für Mütter so wichtig ist, die Erfahrung des Stillens mit anderen auf Facebookseiten zu teilen". Allerdings hat die Freude der Facebookadmins ihre Grenzen. Dort nämlich, wo die Ablichtung laut hausinterner Richtlinien pornografisch werden kann. Schnitt:

"Fotos, die eine völlig entblößte Brust zeigen - nach der Definition heißt das, dass sie Nippel zeigen und Brustwarzenhöfe -, verletzen Richtlinien von Facebook, die das Veröffentlichen von obszönen, pornografischen oder eindeutig sexuellen Inhalten verbieten."

Man habe Fotos vom Netz genommen, weil sie gegen diese Richtlinien verstoßen. Facebook habe dabei in den allermeisten Fällen nicht auf eigene Initiative agiert, so fügt Sprecher Schnitt hinzu, sondern auf Hinweise von anderen Usern, die sich an jenen Fotos gestoßen hätten.

Für die Mütter geht die Reaktion von Facebook zu weit. Das innige Stillen, das seit Jahrhunderten Künstler zu Bildern inspiriert habe, sei nicht obszön, so der Titel der Online-Protest-Gruppe auf Facebook, die wohl bald 100.000 Unterzeichner haben wird: Hey, Facebook, breastfeeding is not obscene!. Die Gruppe gibt es übrigens schon seit 2007. Die damalige Protestwelle nahm ihren Anfang, als die Kanadierin Karen Speed nach eigenen Angaben von Facebook benachrichtigt wurde, sie habe ein Foto hochgeladen, das gegen die Nutzungsbedingungen verstieß.

Den aktuellen Protest hat eine Frau ins Rollen gebracht, deren Still-Foto im Herbst dieses Jahres von Facebook-Admins aus dem Netz entfernt wurde. Als die Frau ein weiteres solches Foto auf ihre Facebook-Seite setzen wollte, bekam sie einen Brief, in dem ihr mit der Sperrung ihres Accounts gedroht wurde. Für die Frau eine "Schikane"; sie entschloss sich, an die Öffentlichkeit zu gehen. Offensichtlich ziemlich erfolgreich.

Und was lernen wir daraus? Ein neues Wort: "lactaphobe".

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