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Staatsfeind Wissenschaftler

27.10.2014

Britischer Inlandsgeheimdienst spionierte über Jahrzehnte prominente Historiker aus

Wie der Guardian berichtet, hat der britische Inlandsgeheimdienst MI5 am Freitag umfangreiche Akten zur Überwachung von prominenten Akademikern freigegeben.

In das Visier des Geheimdienstes geriet bereits 1942 der Historiker Eric Hobsbawm (1917-2012), der damals der Mitgliedschaft in der komunistischen Partei verdächtigt wurde, was zutraf. Obwohl sich keine Anzeichen für kommunistische Agitation zeigten, verhinderten die Chefs von MI5 und MI6 während des Kriegs eine Verwendung von Hobsbawn in der Abteilung des Außenministeriums für politischen Geheimdienst. Da Hobsbawm in Wien und Berlin aufgewachsen war, wäre er insoweit ein qualifizierter Berater gewesen.

Auch nach dem Krieg rechtfertigte man die Überwachung von Hobsbawms privater Korrespondenz wegen seiner Kontakte zu Kommunisten, etwa zum Physiker Alan Nunn May, der tatsächlich für Moskau gearbeitet und hierfür zwischen 1946 und 1952 eine Haftstrafe abgesessen hatte. Das MI5 konnte sich jedoch aus erster Hand davon überzeugen, dass Hobsbawn mit der Parteiführung haderte. 1956 kritisierte er auch öffentlich deren unkritische Einstellung gegenüber der Niederschlagung des Ungarn-Aufstands. Dennoch verhinderte der Geheimdienst die Berufung nach Camebridge und verfolgte Hobsbawms Wirken über Jahrzehnte hinweg mit Argwohn. Die Fachwelt hat ihn als brillanten wie gefeierten Historiker in Erinnerung. Lediglich an der Erforschung seiner eigenen Geschichte scheiterte Hobsbawm, weil er zeitlebens kein Akteneinsichtsrecht beim MI5 erhielt.

Sein Kollege Christopher Hill (1912-2003) zog sich die Aufmerksamkeit des Geheimdienstes seiner Majestät 1935 durch einen Moskau-Besuch zu, bei dem Hill in die Kommunistische Partei eintrat. Auch Marxist Hill teilte Hobsbawms Kritik an der Partei, verließ diese 1957 und sprach von "Stalins Verbrechen". Hill gelang eine glänzende Karriere in Oxford, er ließ es sich allerdings nicht nehmen, vehement die Ächtung der Atombombe zu fordern. Dieses Engagement brachte widerum den Mitunterzeichnern dieses Aufrufs wie dem Historiker AJP Taylor, der Autorin Iris Murdoch und der Philosophin Mary Warnock ebenfalls Überwachung ein.

Wie den Akten zu entnehmen ist, fürchtete das FBI 1954 ein Überlaufen des Vaters der Atombombe, Robert Oppenheimer. So sollte der britische Geheimdienst auf Wunsch des FBI verhindern, dass Oppenheimer sich während eines Besuchs in Frankreich in den Osten absetzte. Der Verdacht erwies sich jedoch als unbegründet.

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