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Studentenproteste in Lateinamerika weiten sich aus

13.09.2011

Nach Chile gehen nun auch in Kolumbien Studierende und Lehrkräfte gegen die fortschreitende Privatisierung der Bildung auf die Straße

Die Proteste gegen die Privatisierung des Bildungssystems durch neoliberal orientierte Regierungen in Lateinamerika weiten sich aus. Während sich Studierende und Lehrkräfte in Chile seit fast vier Monaten mit Demonstrationen und anderen politischen Aktionen für eine freie und qualitativ hochwertige staatliche Bildung einsetzen, hat die Protestwelle nun auch Kolumbien erfasst. Die Mobilisierungen in den letzten rechts regierten Staaten der Region werfen ein Schlaglicht auf das neue Selbstbewusstsein sozialer Bewegungen und eine politisierte Jugend, die sich aktiv für soziale Verbesserungen einsetzt.

Nachdem in Chile am Sonntag, dem Jahrestag des Putsches gegen die Regierung von Salvador Allende am 11. September 1973, erneut tausende Menschen auf die Straßen gingen, kündigten die Studierenden- und Lehrerverbände neue Gespräche mit der Regierung von Sebastián Piñera an. Ein Schlichtungsangebot der Staatsführung war zwar nicht zurückgewiesen worden, allerdings gaben Studierende und Lehrkräfte bekannt, zu Beginn der Woche einen Gegenvorschlag zu unterbreiten. Vor allem drängen sie darauf, dass ein Gesetz gestoppt wird, mit dem der weiteren Privatisierung der Bildung des südamerikanischen Landes Vorschub geleistet würde. Auch verlangten Vertreter der Studierenden und Oberstufenschüler vor Verhandlungen mit der Regierung Garantien und verbindliche Zusagen.

In Kolumbien waren bereits Mitte vergangener Woche alleine in der Hauptstadt Bogotá rund 20.000 Lehrkräfte, Studenten und Studentinnen auf die Straße gegangen. Auch dort forderten die Protestteilnehmer von der konservativen Regierung unter Juan Manuel Santos mehr Gelder für das staatliche Bildungssystem. Angeheizt hatte die Stimmung in Kolumbien vor allem das Vorhaben der Regierung, staatliche Unterstützung für die Gesundheitsversorgung der Lehrkräfte einzustellen. Zudem wandten sich die Demonstranten in Bogotá und anderen Städten des Landes gegen die geplante Übernahme von Bildungseinrichtungen durch private oder kirchliche Betreiber, wie dies von der Santos-Führung geplant ist.

Thematisiert wurde in Kolumbien unter der Losung "Mehr Bildung, weniger Krieg" auch der hohe Rüstungsetat des Landes, dessen Führungen seit Jahren versuchen, die bestehenden Rebellenorganisationen militärisch zu besiegen. Nach Angaben des lateinamerikanischen Fernsehsenders Telesur beträgt der Etat für Bildung mit 4,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes deutlich weniger als die gesamten Rüstungsausgaben. Auch spielte die Gewalt gegen soziale Aktivisten eine Rolle: Nach Angaben der Lehrervereinigung Fecode wurden alleine seit Beginn dieses Jahres in Kolumbien 16 gewerkschaftlich organisierte Lehrkräfte ermordet.

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