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Nachrichten aus Kultur und Medien

TagesWoche: "Das Publikum weiß mehr als wir"

18.12.2014

Schweizer Zeitung stellt 5 Thesen zum Misstrauen gegen Medien auf

Mediennutzer gegen die Medien, Medien gegen die Mediennutzer: Schon seit Monaten findet eine Art offener Schlagabtausch zwischen beiden Seiten statt, der wenig konstruktiv ist.

Die Schweizer TagesWoche hat den Konflikt zwischen den Medien und ihren Rezipienten aufgenommen und ein interessantes Projekt umgesetzt: "5 Thesen zum Misstrauen gegen die Medien“ hat die Redaktion aufgestellt, anhand derer der Versucht unternommen wird, das "Vertrauensproblem auszuloten".

Das Interessante dabei: Die TagesWoche redet nicht über die Leser hinweg, sie sucht den Dialog mit ihnen. Die Redaktion fordert den Leser auf, sich der Thesen anzunehmen und seine Meinung dazu zu sagen. Nach neun Tagen stellt die Redaktion die Ergebnisse vor und sie kommt zu einer aufschlussreichen Erkenntnis:

Die zahlreichen, ausgesprochen differenziert dargebrachten Voten haben unsere eigene Sicht auf das Thema deutlich erweitert und bilden damit eine hervorragende Ergänzung zu unserer Analyse.

Die Redaktion hebt das Konzept des Open Journalism hervor und beabsichtigt nun, die vorgenommene Analyse aus der Leserbeteiligung in Form eines Essays zu veröffentlichen.

Zuvor hatte die Zeitung am Montag vergangener Woche eingestanden, dass auch ihre Redaktion bisweilen mit dem Misstrauen der Leserschaft konfrontiert wurde. Dies sei vor allem bei den großen politischen Themen wie die Krise in der Ukraine oder dem IS-Terror der Fall gewesen.

Die TagesWoche teilte ihren Lesern mit, dass es auch für die Redakteure nicht einfach sei, mit der Ambivalenz der Medienkritik, wie sie derzeit von den unterschiedlichen Medienkritikern angebracht wird, umzugehen. Und so legte die Redaktion auch durch ihre Offenheit den Grundstein für einen anscheinend fruchtbaren und konstruktiven Dialog mit ihren Lesern.

Die Zeitung bezieht sich bei ihrem Vorgehen auf den Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, der vor kurzem in der deutschen Wochenzeitung Die Zeit die Ansicht äußerte, "die Aufgabe des Qualitätsjournalismus wird es sein, auf die Ad-hoc-Attacken, die Einsprüche und die Ideen der Leser und Zuschauer dialogisch und im Sinne einer kritischen Partnerschaft zu reagieren".

Die Thesen, die die TagesWoche aufstellte, lauten:

These 1: Wer nicht zweifelt, ist unglaubwürdig
These 2: Medien üben den Konsens
These 3: Verschwörungstheorien füllen Lücken in der Berichterstattung
These 4: Zweifler finden sich im Netz und bestärken sich gegenseitig
These 5: Transparenz verstärkt paradoxerweise das Misstrauen

Zur ersten These stellte die Redaktion fest, dass viele Leser die strukturellen Probleme der Medien angesprochen haben.

Zusammenfassend schreibt die TagesWoche im Hinblick auf die von den Lesern geäußerten Meinungen:

So erscheint die Berichterstattung in weiten Teilen von einigen wenigen Agenturen abhängig, was ein Einfallstor für Manipulationsversuche darstellt. Dazu kommt, dass Fehlleistungen in einem Fachgebiet, in dem der Leser große Expertise besitzt und diese folgerichtig als solche erkennt, zu Zweifeln an der gesamten Berichterstattung eines Mediums führen.

Konsequenterweise und zugleich mutig, hat die Redaktion die Überschrift zu dem Artikel, der sich mit den Reaktionen der Leser befasst, mit der Überschrift versehen: "Das Publikum weiß mehr als wir."

Alle Reaktionen der Leser, die an dem Projekt teilgenommen haben, finden sich hier.

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