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The Interview: Viel Lärm um wenig

25.12.2014

Politsatire um Mordkomplott an Kim Jong Un ist nur Durchschnitt

Die US-Politsatire The Interview, die am Weihnachtstag via Filesharing auch ihre Europa-Premiere feierte, ist eine stellenweise ganze nette, aber nicht wirklich große Komödie. Die Höhepunkte liegen eher am Anfang, wenn US-Stars wie Eminem in Cameo-Auftritten Talkshowmoderator Dave Skylark Quote liefern. Handlung, Dramaturgie und analer Humor orientieren sich insgesamt jedoch eher an den Bedürfnissen von 14-Jährigen; auch die beiden Hauptdarsteller James Franco und Seth Rogen bieten nur Klamauk, nicht aber eine spannende Story.

Beeindruckend allerdings verkörpert Randall Park einen anfangs erstaunlich sympathisch gespielten Kim Jong Un, der mit Skylark sehr amerikanisch Party macht. Die zwischen beiden geschlossene Freundschaft gefährdet die Pläne der CIA, die Skylark mit einem Giftmord am nordkoreanischen Staatschef beauftragt hat. Die Story erinnert an die unbeholfenen Versuche der CIA, Castro etwa mit Gift zu ermorden, wozu sie sogar dessen Geliebte Marita Lorenz anheuerte. Die jedoch scheiterte wie der Slapstick-Killer Skylark an ihrer Sympathie für das Mordopfer. Die von der CIA in den 1950er Jahren ersonnenen Mord-Tricks waren allerdings subtiler als das Kontaktgift im Film.

Das TV-Interview verläuft überraschend, dennoch endet der Films weder originell noch witzig. Einem europäischen Drehbuchautor wäre aus der Interviewszene mit dem furzenden Diktator vermutlich ein versöhnliches Finale gelungen; das patriotisch gestimmte US-Publikum erwartet jedoch offenbar die Bestätigung des amerikanischen Traums, außenpolitische Probleme mit militärischer Gewalt zu lösen. Bereits Vater Kim Jong Il war vom Team America erledigt worden. Ein Beitrag zur Völkerverständigung war offensichtlich nicht intendiert.

Im Gegenteil wollte die US-Regierung durch den Film sogar bewusst provozieren. So wurde durch den Sony-Hack bekannt, dass das U.S. State Department den Streifen gebilligt hat - inklusive der Todesszene Kim Jong Uns. Die Strategen hofften, dass der Film nach Nordkorea einsickert und einen Umsturz begünstigt. Dazu passt die Musikauswahl am Ende, das kitschig mit dem durch die Wende-Jahre gebrandeten Skorpions-Titel “Wind of Change“ unterlegt ist. Aus den geleakten E-Mails folgt, dass man bei Sony die am Ende dargestellte Tötung des Diktators eigentlich entschärfen wollte. In die nunmehr verbreitete Endfassung gelangte jedoch die ursprüngliche Version, in welcher Kim Jong Un in Zeitlupe seinen Tod erlebt, inklusive Verbrennen und Explodieren des Kopfes.

Eine Pointe des Films liegt ausgerechnet in Skylarks Erkenntnis, einer Propaganda-Inszenierung aufgesessen zu sein. Bei den inzwischen bezweifelten Vorwürfen über den Sony-Hack scheint es sich ebenfalls um Propaganda zu handeln, die zur Legitimation von Cyberattacken auf Nordkorea herhält. Beim Zielpublikum des patriotischen Films könnte das funktionieren.

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Stanislaw Lem war einer der bekanntesten SF-Autoren, der lange vor seinem Tod der Literatur abgeschworen hatte und sich essayistisch mit unserer Zukunft auseinandersetzte.

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