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Tod am Stadion in Madrid

02.12.2014

Rechtsradikale Fans von Atlético Madrid sind erneut in einen Todesfall verwickelt. Der Verein duldet die Neonazi-Fans

Erneut sind Fans von Atletico Madrid, derzeit spanischer Meister, mutmaßlich für den Tod eines Anhängers eines gegnerischen Clubs verantworltich. Am gestrigen Sonntag kam es zu einer Straßenschlacht am Stadion Vicente Calderón in der Hauptstadt. Dabei wurde der 43-jährige Francisco José Romero Taboada (Jimmy), Vater von zwei Kindern, zusammengeschlagen und in den Fluss Manzanares geworfen . Die Polizei schritt bei der Straßenschlacht mit Anhängern des Clubs Deportiva La Coruna aus Galicien lange nicht ein. Nach Angaben von Zeugen hätte sie nichts zur Rettung unternommen. Das verletzte Opfer habe eine halbe Stunde aus dem Wasser um Hilfe gerufen.

Neu sind die Übergriffe von rechtsradikalen Fans des Clubs Atlético Madrid nicht. Eine blutige Spur zieht sich durch die Geschichte. Doch weder beim Club noch bei der Polizei wurden Konsequenzen aus früheren Vorgängen gezogen. Vor fast genau 16 Jahren ermordeten Mitglieder des rechtsradikalen Fanclubs "Bastion" den Basken Aitor Zabaleta.

Verurteilt wurde für die im Voraus geplante Aktion nur Ricardo Guerra. Dabei hatten Zeugen mehrere Bastion-Mitglieder ausgemacht und es wurde im Prozess festgestellt, dass Bastion-Mitglieder gezielt Jagd auf Fans des baskischen Clubs Real Sociedad gemacht haben. Und vier Jahre zuvor hatte ein Atlético-Anhänger in einer Kneipe den Studenten Emiliano López Prada erstochen, nachdem er ein Tor des katalanischen Clubs FC Barcelona gegen Atlético bejubelt hatte.

Die rechtsradikalen Fans werden im Stadion und vom Club des Meisters bisher geduldet. Und aus ihrer Sympathie für den Mörder Guerra machen Atleticó-Fans keinen Hehl. Wie Videos zeigen, sind weiter Hakenkreuz-Flaggen zu sehen und Fans fordern die Freiheit von Guerra. Mit ihm und seiner Tat solidarisieren sich auch mit folgende Gesänge: "Basken, Basken, wir sind gekommen, um euch abzustechen, das Ergebnis ist uns egal."

Ähnlich war das auch lange bei Real Madrid üblich, wo auf den Rängen von "Ultra Sur" immer wieder Hakenkreuzflaggen und der Hitlergruß gezeigt wurden. Der Real-Manager Pedro Duarte hatte sogar im Rahmen eines Generalstreiks über Twitter seine Meinung verbreitet, wonach Gewerkschaftler "einer nach dem anderen an die Wand gestellt" gehörten. Allerdings hat Real, wenn auch spät, reagiert. Duarte wurde gefeuert und inzwischen wurde auch Ultra Sur aus dem Stadion verbannt. Das hat dem Präsidenten eine wütende Kampagne seiner Neonazi-Fans eingebracht.

So ist es vielleicht auch kein Zufall, dass der Anführer von Ultra Sur, ein bekannter Drogenhändler, der wegen Waffenbesitz, Raub und schwerer Körperverletzung vorbestraft ist, inzwischen zum Fan von Atlético mutiert ist. Antonio Menéndez posiert mit Fan-Kumpels auch gerne vor riesigen Hakenkreuzflaggen, die sie sie kürzlich auf eine Wand nahe am Stadion Bernabéu gemalt hatten

Viel Toleranz genießen gewalttätige Neonazis bei Atlético bisher. Und der Geschäftsführer des Clubs meinte nach den tödlichen Vorgängen am Stadion von Sonntag, die hätten nichts mit dem Fußball zu tun. Miguel Ángel Gil Marín hält die Vorgänge für "abstoßend" und meint mit Blick auf die Gewalttäter, dieses "Gesindel" habe keinen Platz im Fußball. Doch warum bisher Hakenkreuzfahnen, der Hitlergruß und Ähnliches auf den Rängen geduldet wurde, sagte er nicht.

Er meinte auch, dass es nicht seine Aufgabe sei, den Fanclub "Frente Atlético" aufzulösen. Unter 4.000 Fans gäbe es immer einen "Hurensohn". Auf der Fanclub-Webseite ist bisher nicht einmal eine Distanzierung von den Vorgängen zu finden.

Einzelfälle sind Neonazis und Gewalttäter aber auf den Rängen des Clubs nicht, wie sich immer wieder zeigt. Und es muss erstaunen, dass das Spiel am Sonntag gegen Deportiva La Coruna nicht als Risikospiel eingestuft wurde. Dabei gelten die Fans des Depor aus Galicien ohnehin als links, die sich zudem als Antifaschisten definieren, wie der Fanclub "Riazor Blues" dem der getötete "Jimmy" angehörte.

Einige Stunden vor dem Spiel, als die Schlacht begann, war praktisch keine Polizei am Stadion. Die wenigen anwesenden Beamten hätten nicht eingegriffen und nicht einmal versucht, den um Hilfe rufenden Schwerverletzten aus dem Wasser zu holen. Es hätte fast 20 Minuten gedauert, bis Verstärkung eingetroffen sei.

Behauptet wird in den Medien, an den brutalen Vorgängen wären auch Fans des Madrider Clubs "Rayo Vallecano" auf Seiten der Galicier beteiligt gewesen. Doch das haben die Gemeinten, die Bukaneros (Freibeuter) klar dementiert. "Bukaneros war nicht in die Vorgänge verwickelt, auch keiner seiner Mitglieder", heißt es in einer Erklärung. Den Angehörigen des Opfers und den "Freunden" von Riazor Blues spricht der Fanclub Beileid aus. Man habe es mit einer neuen "Diffamierungskampagne" und "Verfolgungskampagne" von Seiten der Polizei und der Medien zu tun.

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