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Nachrichten aus Kultur und Medien

Toter Händler des Todes

25.02.2015

FBI-Akten zu Waffenhändler Sarkis Soghanalian freigegeben

"Es gibt 550 Millionen Schusswaffen auf der Welt. Das ist eine für jeden 12. Menschen auf diesem Planeten. Die einzige Frage ist: Wie bewaffnen wir die anderen 11?"

Mit diesem Bonmont beginnt Andrew Niccols Politdrama Lord of War (2005), das primär auf der Biographie des Waffenhändlers Sarkis Soghanalian (1929-2011) basiert, auch bekannt als "Merchant of Death". Nunmehr wurden freigegebene Akten publiziert, welche Aufschluss über die pikanten Beziehungen des während des Kalten Kriegs wohl bedeutsamsten Waffenschmugglers zu Regierungen bieten. Soghanalian belieferte nahezu jeden größeren Kriegsschauplatz der Erde - mit Wissen und diskreter Billigung der US-Regierung.

Während letzteres im Film nur angedeutet wird, wollten die Filmemacher dem US-amerikanischen Publikum 2005 in George W. Bushs Amerika wohl nicht die Tatsache zumuten, dass Soghanalian auch etliche Gegner der USA belieferte, darunter Libyen, den Irak und Argentinien sogar während des Falklandkriegs.

"The Americans knew what I was doing, every minute, every hour. If I drank a glass of water, they were aware of it and what kind of water it was. I don't try to prevent the Americans from knowing what I am doing."

Der in Florida lebende Waffenhändler wurde von der Justiz allenfalls dann angefasst, wenn es um Bankbetrug ging. Mit Beihilfe zum Massenmord hatte niemand ein Problem. Der vormalige CIA-Chef und US-Präsident President George H. W. Bush rühmte Soghanalians "humanitäre Verdienste". Auch "Mutter Teresa" spendete ihm ein Hundertfaches "Vergelt's Gott".

Nachdem Soghanalian 2011 das Zeitliche gesegnet hatte, konnten Historiker nun die Freigabe von FBI-Akten bewirken, die Aufschluss über Werdegang und Kontakte des "Händler des Todes" erlauben. So versuchte sich Soghanalian 1962 als VW-Händler, indem er unter Verletzung von US-Gesetzen die Autos direkt aus Deutschland mit eigenen Transportern importierte, ohne die Fahrzeuge entsprechend zu deklarieren. Weniger Behördenärger versprach jedoch der Waffenhandel.

Soghanalian bewaffnete Diktaturen rund um den Globus, vermochte sogar Waffen aus dem Ostblock zu beziehen und rüstete mit Reagans Billigung Saddam Hussein gegen den Iran auf. Unter Verletzung von UN-Sanktionen lieferte er 103 Hughes-Helikopter und 45 Bell-Helikopter sowie Raketenwerfer. Die offiziell von den USA verweigerten Waffen schmuggelte der Geschäftsmann in Abstimmung mit der CIA. Die Freundschaft zahlte sich aus:

"When they needed me, the U.S. government that is, they immediately came and got me out."

Soghanalian, selbst Armenier, unterstützte den armenischen Papst und belieferte die armenischen Terroristen. Er hatte seine Finger im Spiel, als der geflohene philippinische Diktator Ferdinand Marcos 1988 von Hawaii wieder einreiste, offenbar mit der Absicht eines Staatsstreichs. Einzig die ihm von den USA angetragene Aufrüstung des Iran lehnte Soghanalian ab, da er es unschicklich fand, zwei gegeneinander kämpfende Kriegsparteien gleichzeitig zu beliefern.

Der Waffenhändler arbeitete vorzugsweise direkt mit der Defense Intelligence Agency (DIA) oder dem Weißen Haus zusammen, was dem Sprecher des Repräsentantenhauses Newt Gingrich eine Untersuchung wegen des Verdachts von Bestechlichkeit einbrachte. Die CIA hingegen fand Soghanalian inkompetent. Schließlich lieferte er Informationen über die CIA an das FBI, um eine Haftstrafe wegen Scheckbetrug und Geldwäsche abzukürzen. Hintergrund waren Millionenschulden des irakischen Diktators, der in den 1990ern nicht mehr direkt in die USA überweisen konnte. Soghanalian räumte hierzu seine Beteiligung an einem Waffengeschäft in Kolumbien ein, bei dem die Waffen letztich bei den FARC-Terroristen landeten.

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