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Tsunami der Widerstandsfluten soll Madrid überfluten

21.03.2014

Seit Wochen marschieren sechs Kolonnen in die spanische Hauptstadt, um am Samstag gemeinsam gegen die Verarmung wegen der Bankenrettungen zu demonstrieren

In Madrid wird am Samstag ein Verkehrschaos erwartet. Am 22. März kommt es in der spanischen Hauptstadt zu 35 Demonstrationszügen. 29 Märsche aus Stadtteilen werden mit sechs Marschkolonnen in Richtung Innenstadt ziehen. Seit Wochen sind "Märsche für die Würde" auf dem Weg nach Madrid und protestieren schon auf dem Weg nach Madrid gegen die Politik der Regierung, welche die Auflagen der Troika aus EU-Kommission, Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäische Zentralbank (EZB) umsetzt. Die ist auch im spanischen Staat unerwünscht.

In einem Manifest heißt es: "Wir leiden unter der Politik der regierenden Volkspartei (PP) und dem Diktat der Troika und wir müssen den Diebstahl erkämpfter Rechte und die Verarmung einer breiten Mehrheit der Bevölkerung stoppen." Man will sich nicht mit der "unersättlichen Gier skrupelloser Bankster und Spekulanten" abfinden, für deren Rettung sich der Staat massiv verschuldet habe, wofür die Bevölkerung zur Kasse gebeten werde.

In der Marschkolonne aus dem südspanischen Andalusien findet sich Mari García. Für die Aktivistin der kämpferischen Landarbeitergewerkschaft SAT ist die Würde ein zentraler Pfeiler im Widerstand, weshalb sie sich an den "Märschen der Würde" beteiligt. "Der Kampf um unsere Würde hat uns Frauen und Männer in diesen Märschen vereint", erklärt sie und fügt an, einige seien schon seit dem 1. März auf dem Weg. "Sie wollen uns weißmachen, dass es keine Alternativen zur Troika-Politik gibt und wir am Ende des Tunnels angelangt sind." Die Realität sei, dass Spanien nicht aus der Krise komme, sondern "wir aus Fabriken, Wohnungen, Krankenhäusern, ja sogar aus dem Land geworfen werden".

Sie spricht an, dass mit fast sechs Millionen Menschen fast 26 Prozent keinen Job haben, die Löhne gekürzt und Arbeitsbedingungen verschlechtert wurden. 400.000 Familien seien aus ihren Wohnungen geräumt worden, weil sie Miete oder Hypothek nicht mehr bezahlen konnten. Im Gesundheits- und Bildungssektor ist massiv gekürzt worden und die Jugend verlässt in Scharen das Land, weil sie wegen einer Jugendarbeitslosigkeit über 50 Prozent keine Zukunft sähe.


Den Marschierern wurde Solidarität entgegengebracht. "In allen Dörfern sind wir wunderbar empfangen worden, egal wer dort jeweils regiert", beschreibt Manuel Rodríguez seine Erfahrung. Er marschiert in der Kolonne aus der Extremadura. Bürgermeister hätten Sporthallen geöffnet, damit die 200 Marschierer seiner Kolonne übernachten konnten und die Bevölkerung habe die Aktivisten versorgt. In Navalmoral habe sich der Bürgermeister der rechten PP geweigert, die Sporthalle zu öffnen. Doch die Bürger des Ortes seien zum Rathaus gezogen, woraufhin der eingelenkt habe.

Ähnliche Märsche hatte schon die Empörten-Bewegung vor drei Jahren durchgeführt, um eine "wahre Demokratie" zu fordern. Die ist längst in den "Widerstandsfluten" aufgegangen, die sich seither gebildet haben. Diese "Fluten" sollen nun in Madrid zusammenfließen, um vor den Europaparlamentswahlen im Mai geballt den Unmut gegen die Kürzungspolitik, Zwangsräumungen, Bildungsnotstand zu zeigen. Zuletzt hat sich die "lila Flut" gebildet, in der sich vor allem Frauen dagegen wehren, dass Abtreibung wie in der Diktatur wieder strafbar werden soll.

Unklar ist, was über den Widerstandstag hinaus geschieht. Irene Montero, ein Sprecherinnen aus Madrid, hebt hervor, dass "tausende Menschen aus dem gesamten Land" zusammenströmen, um zu erklären, dass die Schulden für Bankenrettungen nicht bezahlt werden sollen. Bisher bekannt ist, dass neben den Marschierern auch zwei Sonderzüge, 750 Busse und zahllose Autos sich auf den Weg nach Madrid machen werden, um sich an dem Tsunami zu beteiligen.

Es gehe um einen "Schrei", um klarzumachen, "dass wir zu allem bereit sind". Man kämpfe für menschenwürdige Beschäftigung, soziale Rechte, demokratische Freiheiten und gegen Kürzungen, Repression und Korruption. "Wir werden am 22. In Madrid ankommen, aber es ist unklar, wann wir wieder gehen, meinte Álvaro Rodríguez. Er stellt damit in den Raum, dass erneut Protestlager auf zentralen Plätzen entstehen könnten, mit denen die Empörten vor drei Jahren weltweit bekannt wurden.

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