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Tunesien: Flüchtlinge im Hungerstreik

05.04.2013

Vom libyschen Bürgerkrieg vertrieben, von der Welt in Stich gelassen

Unweit der Grenze zwischen Tunesien und Libyen befindet sich das Camp Choucha (Schuscha ausgesprochen). Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR) hat es 2011 eingerichtet, als Hunderttausende schwarze Afrikaner aus Libyen fliehen mussten. Während des Bürgerkrieges wurden sie unter NATO-Aufsicht zu Opfern massiver rassistischer, teils pogromartiger Ausschreitungen. Einige Tausend landeten im besagten Wüsten-Camp und wurden nach und nach auf andere Länder verteilt, sofern sie nicht in ihre Heimatländer zurück konnten. Auch Deutschland nahm rund 200 auf.

Doch nicht alle hatten dieses Glück. Etwas über 200 Flüchtlinge, meist aus der sudanesischen Krisen-Privinz Dafur, aus Äthiopien oder aus Somalia stammend, leben nach über zwei Jahren noch immer im Camp und das, obwohl es im Juni geschlossen werden soll. Dann hingen seine verbliebenen Insassen in Tunesien fest, woran sie keinerlei Interesse haben. Nicht nur, weil es dort kaum Aussicht für sie gibt, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu bestreiten, sondern auch wegen des verbreiteten Rassismus. Anfang 2012 hatten zum Beispiel Tunesier das Camp überfallen, Zelte angezündet und mehrere Menschen getötet.

Einer der Flüchtlinge erzählte im Gespräch mit Telepolis, dass der UNHCR seine und die Daten der anderen noch im Camp Lebenden nicht weitergegeben habe. Einige von ihnen seien bereits in Libyen geboren, andere hätten dort fünf, zehn oder gar 20 Jahre gelebt. Salafisten würden die verzweifelte Lage der Menschen ausnutzen, um mit falschen Versprechungen Soldaten für Syrien und Mali zu rekrutieren. Andererseits werde er, obwohl Moslem, in Tunesien von Islamisten diskriminiert, weil er einer anderen Glaubensrichtung anhänge.

Seit dem 29. März befinden sich 41 der Flüchtlinge im Hungerstreik, um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen und den UNHCR dazu zu bewegen, doch noch Aufnahmeländer für die letzten Lagerbewohner zu suchen. In einer Presseerklärung sprechen sie von alltäglichen Diskriminierungen nicht nur im Lager, sondern auch in Geschäften, Bussen und Krankenhäusern. Die Behörden würden diese vollkommen ignorieren. Man wolle nicht als Menschen zweiter Klasse behandelt werden und lieber sterben, als in dieser würdelosen Situation zu leben.

Drei der Hungerstreikenden befinden sich inzwischen im Krankenhaus in ärztlicher Behandlung. Nach Angaben der Flüchtlinge hatte sich eine Ambulanz geweigert, sie dorthin zu bringen, so dass sie schließlich im Taxi transportiert werden mussten.

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