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Nachrichten aus Kultur und Medien

Turnierverbot am Karfreitag

05.04.2012

Auf Wunsch der Kirchen mussten in diesem Jahr die Mittelfränkischen Schachmeisterschaften verkürzt werden

Das bayerische Feiertagsgesetz (FTG) verbietet in seinem Artikel 3 Absatz 2 an so genannten "stillen Feiertagen" nicht nur "musikalische Darbietungen jeder Art" in "Räumen mit Schankbetrieb", sondern auch alle anderen "öffentlichen Unterhaltungsveranstaltungen", außer, wenn bei diesen ein "entsprechend ernster Charakter" gewahrt wird. Am Karfreitag und am Buß- und Bettag gilt darüber hinaus ein noch schärferes Verbot, das auch "Sportveranstaltungen" umfasst.

Bis 2012 interpretierte man dieses Verbot von Sportveranstaltungen so, dass zwar Fußball-Bundesligaspiele, nicht jedoch Denksportveranstaltungen darunter fallen, bei denen es deutlich gesetzter zugeht. So konnten auch die Mittelfränkischen Schachmeisterschaften seit 1951 traditionell am Dienstag nach dem Palmsonntag beginnen und am Ostersamstag enden. Auch 1953, als sie in Weißenburg stattfanden.

Damals kontrollierten die katholische und die evangelische Kirche große Teile des öffentlichen Lebens. Heute, wo der Anteil der Konfessionslosen in Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge bei mittlerweile 37,2 liegt, wird allgemein angenommen, dass der Einfluss dieser beiden großen christlichen Kirchen deutlich abgenommen hat. Für viele Bereiche trifft dies sicher zu. In manchen jedoch geht es 2012 rigider zu als in den 1950er Jahren.

Als bekannt wurde, dass die Mittelfränkischen Schachmeisterschaften 2012 zum zweiten Mal in der auf eine römische Limes-Siedlung zurückgehenden ehemaligen Reichsstadt stattfinden sollten, da fragte der Weißenburger Oberbürgermeister Jürgen Schröppel den katholischen Dekan Konrad Bayerle und den evangelischen Pfarrer Gerd Schamberger, ob sie einverstanden wären, wenn er dem Schachverein den Wildbadsaal für das Turnier zur Verfügung stellen würde. Die beiden Kirchenmänner verweigerten jedoch ihre Zustimmung mit Verweis auf den Artikel 3 Absatz 2 des FTG und meinten, ein Schachturnier sei an einem Karfreitag "deplatziert".

Um doch noch an die Halle zu kommen, verkürzte der Verein das Turnier, das nun bereits am heutigen Gründonnerstag endet. Weil dafür auch das Prozedere verändert werden musste, mochte jedoch kaum ein namhafter Schachspieler mehr teilnehmen, weshalb der Wettbewerb, zu dem sich statt der gewohnten 100 weniger als 30 Teilnehmer einfanden, als misslungen gilt.

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