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Neben der Spur
Taglinger klickt neben der Spur

Twitter und Religion

02.07.2014

Dass der Kurznachrichtendienst nicht nur Weltliches berichtet, wird ab und zu ein wenig vergessen.

140 Zeichen sind nicht viel, wenn man den lieben Gott in seiner eigenen Religion preisen will. Streng genommen ist Twitter auch nicht wirklich für einen religiösen Dienst ausgelegt. Es gibt weder einen Muezzin-Button, noch kann man über einen Hashtag die Glocken läuten oder tibetanische Gebetsmühlen in Schwung bringen.

Aber ein paar kleine Services sind nun eben doch erreichbar. So können während des Ramadans nun sogenannte "Hashflags" von Twitter genutzt werden, um Eid zu feiern, oder sogar Iftar und Imsak sind über den Dienst abrufbar. Für Christen heißt das übersetzt, dass mir der weiße Vogel auf blauem Grund (und damit ist Twitter und nicht die Taube der Christen gemeint) sagt, ab wann ich zu essen aufhöre und wann am Abend ich wieder anfangen kann. Essentiell für einen Muslim, der den Ramadan ernst nimmt. Und eine coole Idee.

Für wen es komisch klingt, Religion und Twitter in einem Satz zusammen zu finden, dem sei der Gedanke nahegelegt, dass jedes der zehn Gebote streng genommen auch schon twitterbar gewesen wäre. Hätte Moses ein Smartphone auf dem Berg Sinai dabei gehabt. Nebenbei: Mit den darin enthaltenen Maps hätte es vielleicht auch nicht so lange gedauert, das eigene Volk in das Gelobte Land zu führen. Aber jetzt wollen wir uns nicht über die Navigation des Alten Testaments lustig machen.

Viel neuzeitlicher ist allerdings zu vermelden, dass Barack Obama vielleicht mehr Follower als der Papst haben mag, aber dessen Clout Wert liegt weit über dem des amerikanischen Präsidenten und dem von allen anderen politischen Führern auf der Welt. Die 14 Millionen Follower von Franziskus I sind vielleicht in der Unterzahl, aber vor allem in Südamerika re-tweeten sie deutlich mehr Nachrichten aus dem Vatikan, als es jemand mit denen aus dem Weißen Haus täte.

So gesehen ist Twitter vielleicht ein weitaus mächtigeres Sprachrohr für die Kirche als die selbst gehosteten Kanzeln. Sozusagen.

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