t
Neben der Spur
Taglinger klickt neben der Spur

Typisch Finnisch

09.11.2015

Emoticons sind an sich global gedacht. Aber das wollen vielleicht gar nicht alle. Finnland zum Beispiel will eigene, landestypische

Warum lange herum reden, wenn man alles auch in einem einzigen Bild sagen kann. Vor allem den Menschen nördlich des Baltikums wird ein eher wortkarger Umgang miteinander nachgesagt. Der Trend geht zwar eindeutig zum Zweitwort, sogar täglich, aber im wesentlichen gelten die Finnen nicht als geschwätzig.

Und weil sie deshalb vielleicht gerne via Emoji miteinander kommunizieren, jedenfalls über die wesentlichen Dinge im Leben wie Gothic, Sauna und alte Handys, hat sich das finnische Außenministerium darüber verständigt, zumindest diese drei Dinge in eigenen kleinen Austauschbildchen unterzubringen. Nun wird uns die Auswahl nicht weiter verwundern. Auch wenn der schweigende Finne als Minibildchen noch fehlt, aber den kann man auch weglassen und einfach eine leere Nachricht schicken. Das wäre das "Finland extreme" oder so.

An sich eine spannende Idee, dass jede Kultur und/oder Nation sich noch eine kleine regionale Besonderheit ausdenkt und dann in den weltweiten Kanon aufnehmen lässt. Man kann das so wie die Finnen machen und ein total überaltertes Mobilgerät zum Nationalsymbol erheben. Dazu muss man sagen, dass die nicht wirklich allzu ernst gemeint sind.

Damit kommt noch ein weiterer, nicht sofort von außen erkennbarer Zug zum Tragen: Ironie. Auf jeden Fall werden die Elaborate aus Helsinki ab dem 1. Dezember pro Tag und Stück für Stück veröffentlicht. Mit Sicherheit gibt es dann auch noch mehr als drei neue AHAs auf dem Smartphone zu sehen, sollte man in Zukunft eine Nachricht aus dem Hohen Norden bekommen. Und damit meine ich nicht unbedingt Santa Claus auch wenn der Finne sein könnte, so wenig wie man den bisher sprechen gehört hat ).

Wenn das Beispiel Schule macht, dann wird es bald eine Arbeitsgruppe im Kanzleramt geben. Nach etwa drei bis vier Jahren intensiver Vorbereitung wird man dann die ersten Entwürfe in der Koalition zu sehen bekommen. Und ja: Horst Seehofer wird sie nicht mögen, vermutlich Emojifreie Zonen in Bayern fordern und das Bundesverfassungsgericht anrufen, wenn es diese Bildchen tatsächlich offiziell auf den Markt schaffen sollten.

Dabei sind die folgenden Motive sicher nicht ernst gemeint:

  • Das "kleine Nöhli", auch "Stammtischler" genannt. Ein pausbackiger Nörgler mit Bier in der Hand
  • Der "Veganer", das erste garantiert ohne tierischen Ernst gemostete Emoji, das einfach nur eine harmonisch graue Fläche (skalierbar) zeigt
  • Franz Beckenbauer
  • "Mutti" in verschiedenen Hosenanzugsfarben, wahlweise auch als "Sigi Gabriel", das Grundformat von beiden: eher quadratisch angelegt
  • Eine "Latte", die umgedreht auch als "Portion Kässpatzn" genutzt werden kann
  • "Dreitagebart"-Filter, den man auf alle anderen Emoji legen kann
So in etwa dürften die deutschen Beiträge aussehen. Natürlich vollkommen spaßbefreit und ausgewogen, an der Leitkultur abgeglichen und mit "das wird man doch wohl noch sagen dürfen" Prädikat versehen.

Ich freu mich drauf. Ehrlich.

Anzeige
Cover

Die Tiefe des Raumes

Ökonomie und Wissenschaft des Fussballspiels

Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Demokratie am Ende?

Wolfgang J. Koschnick analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Das verbreitete Klagen über "die Politiker" und die allgemeine "Politikverdrossenheit" verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.