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Über Köln

13.01.2016

Ein Kommentar von Reinhard Jellen

Der zentrale Schwachpunkt der Linken angesichts der Ereignisse in Köln scheint mir zu sein, dass nicht auf diese selbst gesehen wird, sondern sie immer schon in Bezug auf den medialen und politischen Diskurs dazu gesehen werden. Weil man die Rechten nicht stärken möchte, wird erst bezweifelt, dass es überhaupt nordafrikanisch bzw. arabisch aussehende junge Männer waren, die hier in Rudeln Jagd auf Frauen gemacht haben oder es wird mit den Bürgerkriegszuständen in den Herkunftsländern oder mit einem allgemeinen patriarchalen Sexismus in Deutschland entschuldigt. Oder es wird der als latenter Rechter diskreditiert, der unbefangen darüber berichten möchte, weil dies den Rechten nützt.

Was dabei übersehen wird, ist der Umstand, dass genau dies die Rechten stärkt, weil die Linke ein real existierendes Problem nicht zur Kenntnis nimmt, frei nach dem Motto: Es darf nicht sein, was nicht sein darf. Das ist leider nicht nur bei den Grünen so, die ja bekanntermaßen überhaupt keine Linken sind: Die Weigerung, die statistische Häufung von kriminellen Taten unter jungen Männern aus einem bestimmten Kulturkreis überhaupt als Problem wahrzunehmen, bzw. die Überbringer dieser schlechten Nachricht per se als fremdenfeindlich oder als Rassisten zu denunzieren, ist eine beachtliche geistige Fehlleistung und es ist zu fragen, wie von einer Linken progressive Impulse ausgehen können, die sich bei einem offenkundigen Problem, das ihr politisch nicht ins Konzept passt, nicht wesentlich anders gebärdet als die Zeugen Jehovas.

In mehreren Beiträgen wurde moniert, dass die Ereignisse instrumentalisiert worden wären, weil sexuelle Gewalt in Deutschland zum Alltag gehört und die Fokussierung auf die Herkunft der Täter diesen Alltagssexismus verdecken würde. Es wurde angeführt, dass es beispielsweise beim Oktoberfest ebenfalls zu massiven sexuellen Übergriffen kommt: Freilich stimmt beides, aber nicht in dieser Form, in dieser Massierung und auch nicht in dieser Wucht. Wenn beim Oktoberfest von einer Gruppe von Männer gezielt versucht worden wäre, Frauen sexuell zu belästigen oder zu vergewaltigen, wie dies in Köln passiert ist, wäre dies m. E. nach ebenfalls skandalisiert worden.

Es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen den Ereignissen in Köln und dem Alltags-Sexismus in Deutschland und es zeugt von einer ziemlichen Abgehobenheit, um nicht zu sagen Beknacktheit ausgerechnet von Feministinnen, wenn sie diesen nicht sehen, bzw. mit den Hinweis auf letzteren relativieren wollen.

Jakob Augstein schreibt auf facebook:

"Cem Özdemir nannte das, was sich auf dem Domplatz in jener Nacht abgespielt hat 'grässlich'. Das klang so, als seien dort Frauen verspeist, nicht beraubt und sexuell bedrängt worden. (...) ein paar grapschende Ausländer und schon reisst der Firnis der Zivilisation."

Das heißt: Solange keine Frauen umgebracht werden, gibt es überhaupt keinen Grund, sich zu beschweren. Das ist ein Grad an Frauenverachtung, der nun wirklich seinesgleichen sucht, aber dieser [zensiert - d. Red.] sitzt in Talkshows und hat seine eigene Fernsehshow. Seltsamerweise sieht sich auch von feministischer Seite niemand bemüßigt, dies zu kritisieren.

Außerdem würde mich schon interessieren, ob es Untersuchungen darüber gibt, inwiefern es in der BRD überhaupt schon einmal zu solchen Gruppen-Übergriffen und –Vergewaltigungen gekommen ist und wenn ja, von welcher Tätergruppe diese begangen wurden. – Ist das bereits Rassismus oder ist es rassistisch, falls es sich heraustellen sollte, dass es sich dabei um eine bestimmte Tätergruppe handelt sollte, diese zu benennen - oder gehört nicht eine rassistische Erklärung dazu?

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