p
Politik News
Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

"Über kurz oder lang müssen wir unseren Fleischkonsum drastisch reduzieren"

18.03.2010

In den letzten 30 Jahren hat sich die Fleischproduktion verdreifacht - mit vielen Folgen für Gesundheit und Umwelt

Die Menschen essen immer mehr Fleisch, dementsprechend mehr Tiere müssen auch aufgezogen, ernährt, geschlachtet und transportiert werden. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die globale Fleischproduktion verdreifacht. Wenn der Trend so weitergeht, dann wird sie sich bis 2050, ausgehend vom jetzigen Stand, noch einmal verdoppeln. Der Bericht Livestock in a Changing Landscape (Island Press), verfasst von einem internationalen Team von Wissenschaftlern politischen Experten, spricht von einer Revolution des Nutzviehbestands, der erhebliche Folgen für Gesundheit, die Umwelt und die Wirtschaft haben wird.

Die Zahlen sind beeindruckend. Mehr als 1,7 Milliarden Tiere werden für die Prduktion von Fleisch weltweit gehalten, die mehr als ein Viertel der Landfläche beanspruchen. Ein Drittel des landwirtschaftlich nutzbaren Landes wird für das Futter verwendet. Die Nutztierhaltung, einschließlich Futterproduktion und Transport, ist für 18 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Eine Milliarde Menschen leben zumindest zu einem gewissen Teil von Nutztieren, allerdings hat die Tierhaltung für die viele Menschen Beschäftigungsmöglichkeiten verringert. Besonders in China und Indien wurden durch die industrielle Produktion viele Kleinbauern vertrieben.

Ein Drittel der Eiweiße, die die Menschen weltweit zu sich nehmen, wird über Fleisch aufgenommen, allerdings gibt es hier gewaltige Unterschiede. Während in den reichen Ländern zu großer Fleischkonsum für gesundheitliche Gefährdungen sorgen, nehmen die Menschen in den unterentwickelten Ländern oft zu wenig zu sich, was ebenfalls zu gesundheitlichen Problemen und geringerer kognitiver und körperlicher Leistungsfähigkeit führen kann. Dazu kommen natürlich die Infektionen, die sich in einem globalen Fleischmarkt schnell verbreiten können.

Besonders drastisch sind die Umweltschäden. Für die Tierhaltung wurden viele Wälder gerodet, Weideland wird einseitig genutzt, es wird viel Wasser verbraucht und Massen an Düngemitteln, Pestiziden und nicht zuletzt fossilen Brennstoffen werden eingesetzt. Danur ein Drittel des Futters, das die Tiere fressen, aufgenommen wird, stellen die Exkremente der Tiere einen wesentlichen Faktor für die Verschmutzung der Land- und Wasserressourcen dar. Dazu kommen gewaltige Mengen an CO2-, Methan- und andere Treibhausgasemissionen.

Bleibt es bei der gegenwärtigen Fleischproduktion, dann wird sich die Belastung der Umwelt weiter ernsthaft vergrößern und zur großflächigen Zerstörung von Ökosystemen führen, warnen die Autoren. Eine wirkliche Kostenabschätzung sei aber kaum möglich, wenn man alle berücksichtigt, was in die Herstellung von Fleischprodukten eingeht. Die Staaten sollten zwar dafür sorgen, dass die Umwelt besser geschützt und weniger Dünger und Wasser verbraucht wird, aber letztlich käme es doch vor allem auf das Verhalten der Menschen an: "Die Menschen werden nicht aufhören, Fleisch zu essen", sagt Mitherausgeber Fritz Schneider von der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL), aber ich hoffe immer, dass sie lernen können, dass sie ihr Verhalten verändern." Es gebe zwar Optimierungsmöglichkeit, klar ist aber für ihn: "Über kurz oder lang müssen wir unseren Fleischkonsum drastisch reduzieren."

Anzeige
Cover

Die Form des Virtuellen

Vom Leben zwischen den Welten

Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Demokratie am Ende?

Wolfgang J. Koschnick analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Das verbreitete Klagen über "die Politiker" und die allgemeine "Politikverdrossenheit" verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.