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Verschollener Stahl in China

18.09.2012

Als Kredit-Sicherheit "hinterlegter" Stahl erweist sich zusehends als inexistent, was endemisch der Fall sein soll und einen weiteren Schatten auf das chinesische Kreditsystem wirft

Laut Reuters haben die chinesischen Stahlwerke und Stahlhandelsfirmen nach zehn Jahren mit zweistelligem Wachstum insgesamt umgerechnet 400 Milliarden Dollar an Schulden angehäuft (China erzeugt 45 % der Weltstahlproduktion und soll über ungenutzte Kapazitäten im Volumen von mehr als 200 Millionen Tonnen verfügen). Diese Kredite sind großteils mit in Lagerhäusern eingelagertem Stahl besichert, oder sollten dies zumindest sein.

Nachdem angesichts der flauen Baukonjunktur und der hohen Überkapazitäten die Stahlpreise zuletzt auf ein Drei-Jahres-Tief gefallen sind und Produzenten wie Händler in Schwierigkeiten geraten, ihre Schulden zu bedienen, beginnen die Kreditgeber nun ihre Sicherheiten zu verwerten, wobei sie anscheinend massenhaft unschöne Überraschungen erleben. Nach Quellen "aus der Industrie" untersuchten die Behörden bereits eine Reihe von Fällen, wo der in Lagerscheinen dokumentierte Stahl entweder schlicht fehlte, tatsächlich einem anderen Unternehmen gehörte oder mehrfach vergeben wurde.

Nur "die Spitze des Eisbergs"

Bekannt ist, dass die Polizei einen Angestellten des Baoyang Warehouse in Shanghai verhaftet hat, der Stahlfirmen gefälschte Lagerbestätigungen im Volumen von insgesamt 59,96 Millionen Dollar verschafft haben soll. Insgesamt würden die bereits bekannten Fälle allein in Schanghai fast 800 Millionen Dollar ausmachen, was einem Händler zufolge aber nur "die Spitze des Eisbergs" sei; und es werde schlimmer, weil "schwache Nachfrage, niedrige Preise und schärfere Finanzierungsbedingungen einen Dominoeffekt auslösen werden".

Mittlerweile habe die Regierung die großen Banken aufgefordert, die Werthaltigkeit ihrer Sicherheiten zu überprüfen, während einige Handelsfirmen die Geschäfte mit Lagerbestätigungen vorübergehend eingestellt haben sollen.

Zweifel an Wachstumsdaten

Sollten diese Praktiken das befürchtete Ausmaß tatsächlich erreichen und womöglich auch in anderen Wirtschaftsbereichen üblich sein, dann wäre zwar das Problem enormer überschüssiger Lagerbestände deutlich weniger schlimm, als es derzeit erscheint. Allerdings müssten diese Geisterbestände dann wohl auch aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gestrichen werden, was bedeutet, dass das Wachstum in China noch schlechter ausgefallen ist, als bisher angenommen.

Sollten jetzt die Kreditgeber zudem massenhaft ausschwärmen und auf fehlende Sicherheiten stoßen, dann könnte der Kreditfluss ernsthaft behindert werden und nicht nur Industrie, sondern auch den Banken ernste Solvenzprobleme verschaffen, die ohnehin bereits über zusehends problematische Infrastruktur- und Immobilienfinanzierungen klagen.

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