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Warnung vor einer "Kristallnacht" für die reichen 1 Prozent

31.01.2014

Im Wall Street Journal machte ein Venturekapitalist auf die "Dämonisierung der Reichen" aufmerksam und wird von der Murdoch-Zeitung unterstützt

Beginnen sich die Superreichen in den USA allmählich unwohl zu fühlen? Oder ist es nur individuelle Paranoia oder Kokettieren, wenn der bekannte Venturekapitalist Tom Perkins in einem Brief an das Wall Street Journal geschrieben hat, dass er einen "wachsenden Hass auf die erfolgreichen 1 Prozent" wahrnimmt.

Für ihn ist das "eine sehr gefährliche Tendenz im amerikanischen Denken". Und er langt auch gleich mal in die Nazi-Kiste, um die Kritiker der in ihren Augen ungerechten Vermögenverteilung zwischen dem reichsten 1 Prozent und dem Rest der 99 Prozent in eine übliche Ecke zu stellen: "Kristallnacht war unvorstellbar in den 1930er Jahren. Ist ihr Nachkomme, der 'progressive' Radikalismus heute unvorstellbar?"

"Kommt eine progressive Kristallnacht?", schreibt er und sieht: "Parallelen zum Nazideutschland im Krieg gegen sein '1 Prozent', also die Juden, mit dem progressiven Krieg gegen das amerikanische 1 Prozent, also die 'Reichen'." Die Reichen würden – siehe Occupy-Bewegung - "dämonisiert", das könne man jedem Wort entnehmen, das im San Francisco Chronicle, seiner Lokalzeitung, geschrieben werde.

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Bild: William Youngman/CC BY-SA 3.0

In den Kommentaren wurde natürlich der hanebüchene Vergleich kritisiert, aber Perkins Ansicht wurde auch von vielen unterstützt, etwa wie in diesem: "Thank you, Mr. Perkins. You said what needed to be said. I would add only this: the demonization and hatred is not toward the successful one percent. It is toward success itself. Don't give evil an out by stating the hatred is toward a certain group of thriving people. The hate is toward thriving itself. It is life they hate. Anything that creates, protects and encourages life is what evil will try to destroy."

Auch in Blogs und anderen Medien zog der Brief seine Kreise, im WSJ war es der am meisten geklickte Brief. Er traf also eine Stimmung. Die Aufregung findet man in einem Artikel im Wall Street Journal beachtlich, sie würde "den Standpunkt unseres Freundes über liberale Intoleranz" vielleicht besser als er selbst bestätigen, wird noch einmal Wasser ins Feuer gegossen. Der Vergleich sei "unglücklich, aber provokativ" gewesen, Perkins hat sich für ihn auch entschuldigt, blieb aber bei der Aussage, dass es immer gefährlich sei, Minderheiten zu dämonisieren wie eben jetzt die Reichen.

Der Kommentator im Wall Street Journal, das ebenso wie der rechte Sender Foxnews Rupert Murdoch gehört, unterstützt kräftig die Verurteilung der Linken oder Liberalen. Auch die Liberalen, die an der Macht sind, seien "besessen von den Koch-Brüdern und anderen Milliardären, die für konservative Zwecke spenden". Journalisten würden aufgefordert, auf sie einzuhauen, und Bundesbehörden, sie auszuschalten. Die Koch-Brüder haben beispielsweise die rechte Tea-Party-Bewegung mit finanziert. Vorgeworfen wird der Steuerbehörde, die zahlreichen rechten politischen Gruppen zu überprüfen. Verwiesen wird etwa auf den New Yorker Gouverneur Andrew Cupmo, der vor kurzem sagte, "extreme Konservative hätten keinen Platz im Bundesstaat New York", womit er die Chancen politischer Kandidaten meinte, die als Abtreibungsgegner, Waffenbefürworter und Ablehner der Schwulenehe auftreten. Im Wall Street Journal wird daraus, dass nach Cuomo extreme Konservative den Bundesstaat verlassen sollen. Sicherheitshalber schiebt man noch, dass die Liberalen zwar nicht Gewalt befürworten, "aber sie fördern die persönliche Schmähung und den Missbrauch der Regierungsmacht, um politische Gegner zu bestrafen".

Der Hintergrund ist die Sorge, dass die Diskussion über Einkommensungleichheit zu einer höheren Besteuerung der Superreichen führen könnte. Das soll auf diese Weise dämonisiert und als Klassenkampf gegeißelt werden.

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