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Was machen Hartz-IV-Empfänger mit ihrer Zeit?

27.08.2010

Neue Studie beleuchtet das Leben von ALG II-Empfängern: "Jeder Zweite geht einer nützlichen Tätigkeit nach."

Insgesamt leben etwa sieben Millionen Menschen in Bedarfsgemeinschaften, die Leistungen nach SGB II beziehen. Davon sind 5,24 Millionen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren. Nun gibt es ja reichlich Vorurteile über diese Personengruppe und wie sie den Tag verbringt, wobei die Unterstellung, sie würden den ganzen Tag vor dem Fernsehgerät sitzen, noch eine der harmloseren ist. Was aber machen Hartz-IV-Empfänger in ihrer freien Zeit wirklich?

Dieser Frage ging das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in einer jetzt veröffentlichen Studie nach. Mehr als 10.000 Personen wurden dazu befragt. Die Ergebnisse bieten Überraschendes.

Fast 2/3 aller ALG-II-Empfänger gehen mindestens 20 Stunden in der Woche einer oder mehrerer nützlichen Tätigkeiten nach. Neben der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen wurden hier die Teilnahme an Fördermaßnahmen oder Berufstätigkeit genannt. Berufstätig sind immerhin gut 30%, die aber als sogenannte "Aufstocker" ALG-II-Leistungen beziehen. Weitere 10% gaben an, sich in Schule oder Ausbildung zu befinden. Ehrenamtliche Tätigkeiten oder Hobbies wurden nicht erfasst.

Von den Empfängern, die zur Arbeitssuche verpflichtet sind, bemüht sich demnach die große Mehrheit tatsächlich um einen Arbeitsplatz. Da aber 80% der Hartz-IV-Bezieher "Arbeitsmarkthemmnisse" aufwiesen, wie z.B. eine geringe Qualifikation, schlechte Gesundheit, einen Migrationshintergrund, oder weil sie alleinerziehend sind, verlief die Suche meist mit relativ bescheidenen Ergebnissen.

Motivation nicht der Hauptgrund für Hartz-IV-Bezug

Die Arbeitsmarktforscher sehen das als Indiz dafür, "dass bei der Mehrheit der Leistungsempfänger die Motivation nicht der Hauptgrund für den andauernden Bezug ist". Die meisten Hartz-IV-Empfänger seien sogar bereit, eine gering bezahlte Arbeit anzunehmen. Während nur etwas mehr als die Hälfte der Nichtbezieher sich vorstellen kann, eine Arbeit anzunehmen, die unter dem fachlichen Können liegt, sind vier Fünftel der ALG-II-Empfänger nach Eigenangaben dazu bereit.

Zieht man von den Leistungsempfängern diejenigen ab, die aufgrund von Alter, Krankheit oder anderen Gründe nicht zur Arbeitssuche verpflichtet sind, bleiben etwa drei Millionen erwerbsfähige Personen aus diesem Kreis übrig. Davon geben knapp 2/3 an, in den letzten vier Wochen nach Arbeit gesucht zu haben (aber auch jeder Fünfte, der eigentlich nicht dazu verpflichtet ist, sucht nach eigenen Angaben aktiv nach Arbeit).

Darüberhinaus wollten die Forscher im Dienste der IAB auch wissen, warum die anderen erwerbsfähigen Hilfeempfänger nicht nach Arbeit gesucht haben. Dabei kam heraus, dass etwa ein Viertel einer Vollzeittätigkeit oder der Kombination einer Teilzeittätigkeit mit Kinderbetreuung nachgingen. Die Gründe der restlichen 810.000 Personen konnten nicht ganz aufgeklärt werden.

Es gebe Hinweise, dass hier temporäre Gründe und gesundheitliche Einschränkungen eine Rolle spielen könnten. Da die Erhebung überwiegend auf den freiwilligen Angaben fußt, sind in manchen kritischen Fragebereichen durchaus Zweifel an der Detailtreue der von den Befragten gemachten Angaben angebracht.

Die Studie des IAB schließt mit dem Fazit, dass die Arbeitsmotivation und Konzessionsbereitschaft unter ALG-II-Beziehern einen vergleichsweise hohen Stellenwert haben. Für den Vermittlungs- und Integrationsprozess ergäbe sich allerdings eine "schwierige Gemengelage". Eine härtere Gangart gegenüber denen, die sich weniger um eine Arbeitsstelle bemühen würden, hält man allerdings für keine geeignete Lösung.

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