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Nachrichten aus Kultur und Medien

Weitere Geheimdokumente zur Kubakrise freigegeben

20.10.2012

Notizen des Kennedy-Beraters Roswell Gilpatric sind online

Heute wurden weitere Dokumente zur kubanischen Raketenkrise veröffentlicht, welche die US-Regierung auf Druck von Historikern wie Michael Dobbs nach nunmehr einem halben Jahrhundert Geheimhaltung freigegeben hat. Die Dokumente enthalten insbesondere Notizen des stellvertretenden Verteidigungsministers Roswell Gilpatric. Der Zivilist war sowohl Mitglied in der Taskforce, welche die subversive "Operation Mongoose" gegen Castros Kuba koordinierte, als auch im eigens gebildeten Krisenstab ExComm, der im Weißen Haus die Reaktion auf die Stationierung der sowjetischen Raketen auf Kuba beriet.

Bereits am 18. Oktober, also eine Woche vor dem "Schwarzen Samstag", zog es Gilpatric in Betracht, für einen Abzug der sowjetischen Raketen den Abzug der amerikanischen Jupiter-Raketen aus der Türkei und aus Italien anzubieten und sogar den Status des US-Stützpunkts Guantánamo zu verhandeln. Nachdem zur Überraschung der Kennedys mitten in der Krise das atmosphärische Atomtestprogramm Operation Fishbowl fortgesetzt wurde, beschloss das Pentagon, einen für den 24.10.1962 angesetzten Test der Atomrakete Thor-Delta aufzuschieben, der dann jedoch ausgerechnet am "Schwarzen Samstag" nachgeholt wurde. Die durch das nukleare Säbelrasseln nervösen Sowjets verschoben sogar den Start einer Mars-Sonde, um deren Rakete zum Transport eines Nuklearsprengkopfs umzurüsten. Gilpatric warnte vor einem Krieg, der die USA die Sympathien der Verbündeten kosten würde. Ein Bombardement Kubas, das auch Diplomaten töten würde, werde Verhandlungen mit den Sowjets erschweren. Stattdessen votierte er für eine Blockade, welche die Sowjets nicht zu einem Gegenschlag zwinge. Eine ursprüngliche Konzeption sah eine gleichzeitige Kriegserklärung gegenüber Kuba vor.

Im Gegensatz zu beiden Zivilisten im Pentagon, Verteidigungsminister McNamara und Gilpatric, verlangten die Militärs, die Bedrohung durch einen präventiven Luftschlag zu bekämpfen, vorzugsweise nuklear. Der Vereinigte Generalstab (Joint Chiefs of Staff) setzte sich gegen Gilpatric zumindest mit der Forderung durch, in Europa in Alarmbereitschaft stationierte NATO-Flugzeuge mit Wasserstoffbomben zu beladen. Für die "Chiefs" war ein atomarer Schlagabtausch zwischen den Supermächten nur eine Frage der Zeit, die etwa Air Force General Curtis LeMay auf weniger als ein Jahrzehnt taxierte. Die ultrakonservativen Stabschefs hatten einen Angriff auf Kuba ohnehin seit Monaten für Mitte Oktober 1962 geplant, wobei man erwog, einen Kriegsgrund wie etwa terroristische Angriffe auf US-Schiffe oder Flugzeuge zu inszenieren.

Kennedy hingegen, der von seinen Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs im Pazifik geprägt war, befürchtete Eigenmächtigkeiten und Provokationen seiner Militärs. Der Präsident erkundigte sich insbesondere nach Möglichkeiten, um sowjetische U-Boote möglichst ohne Beschädigung zum Auftauchen zu zwingen. Entsprechende Übungsbomben wurden allerdings von deren Kommandanten durchaus als Bedrohung empfunden. An Bord eines der U-Boote soll es zum Streit über den Einsatz eines Nukleartorpedos gekommen sein. Während die CIA 36 der 42 strategischen Raketen entdeckt hatte, entgingen ihr ca. 80 taktische Nuklearwaffen, mit welchen sich die Russen gegen einen Angriff verteidigt hätten. In den Dokumenten findet sich auch der berühmte Disput zwischen McNamara und dem Navy-Staabschef Admiral Anderson, bei welchem der General seinen Verteidigungsminister anbrüllte, dieser möge ihn seine Arbeit machen lassen und eine Runde Schlaf nehmen. Die Szene wurde in dem Polithriller "13 Days" eindrucksvoll nachgespielt.

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