s
Science News
Nachrichten aus der Wissenschaft

Welchen Weg geht der Open Access?

26.07.2012

Im Fach Medizin werden Open-Access-Journale mindestens mit gleicher Häufigkeit wie Subskriptionsjournale zitiert

Der kürzlich in BMC Medicine veröffentlichte Artikel Open access versus subscription journals: a comparison of scientific impact der Autoren Bo-Christer Björk und David Solomon belegt, dass im Fach Medizin Open-Access-Journale mit gleicher Häufigkeit wie Subskriptionsjournale zitiert werden. Die Zitationshäufigkeit oder –rate wissenschaftlicher Journale ist in der Wissenschaftswelt so wichtig, weil (vor allem unter Naturwissenschaftlern und Medizinern) häufig angenommen wird, sie gebe die Qualität eines Journals wieder. Zumindest, und das ist für Björks und Solomons Artikel wichtig, bestimmen diese Werte, die die Autoren anhand der Datenbanken Scopus und Web of Science ermittelten, für die meisten Wissenschaftler das Ansehen eines Journals.

Generell, so die Forscher, erhielten Subskriptionsjournale 30% höhere Zitationsscores, dieser Effekt löse sich aber auf, wenn man Merkmale wie Alter der Journale, regionale Herkunft und fachliche Zuordnung kontrolliere. Dass nach der Studie der beiden Autoren Open Access Journale und ihre Subskriptionspendants vergleichbar häufig zitiert werden, spiegelt die gestiegene Akzeptanz des Open Access wieder und dürfte diese weiter stärken. Jedoch existieren Untersuchungen, welche, anders als Björk/Solomon, die außerhalb der Medizin sogar eine geringere Zitationswahrscheinlichkeit für Open-Access-Journale entdecken, sogar einen Zitationsvorteil von Open-Access-Dokumenten ermittelten.

Die britische Forscherin Alma Swan stellte diese 2010 in einer Metastudie mit dem Titel The Open Access citation advantage: Studies and results to date zusammen: 27 der 31 ausgewerteten Studien wiesen eine höhere Zitationshäufigkeit zugunsten von Open-Access-Dokumenten nach, eine ermittelte teils einen Zitationsvorteil von 600%. Die von Swan ausgewerteten Erhebungen waren allerdings weniger breit angelegt und basierten meist auf einem geringeren Datenvolumen, zudem wurden darin auch andere methodische Ansätze gewählt und etwa Vergleiche zwischen den Zitationen von Dokumenten, die in einem Subskriptionsjournal und zusätzlich auf einem Open-Access-Server erschienen, mit den Zitationen von ausschließlich im Bezahlmodus erhältlichen Artikeln des selben Journals angestellt. Dennoch ging man in der Open-Access-Szene meist davon aus, dass offen zugängliche Artikel häufiger zitiert würden als kostenpflichtige. Die neue Erhebung wurde dementsprechend zurückhaltend aufgenommen.

Gleichviel ob das Verhältnis der Studien zugunsten des Open-Access-Zitationsvorteils nun 27 zu 5 (und nicht mehr zu 4 wie in Swans Auswertung) steht und die Björk/Solomon-Studie es nicht über einen Fußnoten-Status in der Open-Access-Diskussion hinaus schafft oder ob sie die Ergebnisse anderer Erhebungen grundlegend in Frage stellt: Es findet sich noch eine andere diskutable Aussage in ihrem Artikel. Open-Access-Journale, die sich aus Publikationsgebühren (den sogenannten Article Processing Charges ACPs) finanzieren, werden häufiger zitiert als Artikel aus Journalen, die keine derartigen Zahlungen kennen.

Dieses Statement könnte aktuelle Entwicklungen beflügeln, wonach die als "Grüner Weg des Open Access" bezeichnete parallele Publikation von Artikeln in Subskriptionsjournalen und auf Open-Access-Servern (den Repositories) derzeit gegenüber dem "Goldenen Weg des Open Access", dem Publizieren originärer Open Access Werke in reinen Open Access Journalen oder Verlagen, an Boden und Anerkennung verliert. Durch das Aufkommen günstiger Open-Access-Journale mit flexiblen Pricing-Modellen dürfte der ACP-finanzierte Goldene Weg zusätzlichen Zuspruch finden. Das im Mai 2012 beendete europaweite [http://www.heise.de/tp/artikel/29/29166/1.html] Projekt Publishing and the Ecology of European Research] (PEER) kam generell zum Schluss, dass Wissenschaftler die originale Verlagsversion gegenüber einem inhaltsgleichen Repositorydokument bevorzugt rezipieren, und zweifelte an, dass der Grüne Weg geeignet sei Open Access zum Durchbruch zu verhelfen.

Der Goldene Weg des Open Access hingegen dürfte vor diesem Hintergrund für viele kommerzielle Verlage, deren Einnahmen auf Subskription basieren, ein interessantes Geschäftsmodell darstellen, denn ACPs werden, sofern sich die Ergebnisse von Björk/Solomon replizieren lassen, hoffähig. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) signalisierte im zu Beginn des Monats publizierten Positionspapier Die digitale Transformation weiter gestalten umfangreiche Unterstützungsabsichten des Golden Wegs des Open Access.

Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Guatemala in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Die Moral in der Maschine

Beiträge zu Roboter- und Maschinenethik

Demokratie am Ende?

Wolfgang J. Koschnick analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Das verbreitete Klagen über "die Politiker" und die allgemeine "Politikverdrossenheit" verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.