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Wer sich selbst als Linker sieht, ist das oft nicht

17.07.2010

Nach einer weltweiten Studie wähnen sich oft die besser Gebildeten auf der linken Seite, vertreten aber rechte Positionen

Wer einigermaßen hell im Kopf ist und noch relativ jung, war zumindest in früheren Zeiten eher links. Die Zeiten haben sich geändert, zumal die Zuordnung von Ansichten bis auf einen gewissen Kernbestand nicht mehr so leicht fällt und oft in den postideologischen Zeiten durcheinander gerät.

Nach einer Studie des Ökonomen James Rockey von der University of Lancester scheint es aber weiterhin eine Tendenz zu geben, dass die gut ausgebildeten Menschen sich eher als links denn als konservativ einschätzen, wobei insgesamt die Männer sich eher als konservativ darstellen als Frauen und es auch sind. Allerdings hat er festgestellt, dass bei den Gebildeten auch Selbstbetrug eine Rolle spielt. Vergleicht man ihre wirkliche Meinung mit der Selbsteinschätzung, dann scheinen sie auszublenden, wie konservativ sie (geworden) sind.

Ausgewertet hat Rockey die weltweite Umfrage World Values Survey (WVS). Für diese wurden durchschnittlich 1.500 Menschen in 84 Ländern, d.h. mehr als 280.000 Menschen, zwischen 1981 und 2008 nach ihrer Haltung zu vielen unterschiedlichen Themen befragt, u.a. eben auch, ob sie sich politisch eher links oder rechts zuordnen würden. Daten für seine Studie fand Rockey in den Ergebnissen von 82 Ländern. Allerdings wird in den verschiedenen Ländern sehr Unterschiedliches darunter verstanden. Um hier ein wenig genauer zu werden, wertete Rockey die weitere Frage aus, ob die Einkommen gleicher gemacht werden sollten oder ob größere Einkommensunterschiede als Anreiz notwendig wären. Ersteres gilt als Indikator für eine linke Haltung, die Affirmation der zweiten Option als Ausdruck einer konservativen Haltung. Die Antworten auf diese Fragen kombinierte Rockey mit den Daten über Geschlecht, Alter, Ausbildung, Einkommen, Familienstand, Beschäftigung etc.

Wer besser gebildet ist, ordnet sich eher dem linken Spektrum zu, neigt aber gleichzeitig dazu, größere Einkommensunterschiede zu befürworten, also glaubt vermutlich, dass er zu Recht ein überdurchschnittliches Einkommen bezieht oder zumindest ein solches "verdient" zu haben. Wer hohe Einkommen bezieht, ist natürlich von vorneherein daran interessiert, dass die Gesellschaftsstruktur so bleibt, also ordnet man sich wahrheitsgemäß dem konservativen Lager zu und tritt für größere Einkommensunterschiede ein. Auch Selbständige sind für Einkommensungleichheit, Rentner, Männer und Hausfrauen sehen sich eher als konservativ. Studenten sind keineswegs links, sondern ideologisch im Mainstream.

Warum aber gestehen sich die besser Gebildeten nicht ein, dass sie eigentlich eher dem konservativen Lager zugehören? Möglicherweise behalten sie einfach die Haltung bei, die sie als junge Menschen und Studenten hatten, und merken gar nicht, dass sich mit dem Eintritt in die Arbeitswelt und dem Beginn des Familienlebens ihre Meinungen ändern, spekuliert der Wissenschaftler. Zudem könnten die besser Gebildeten vermehrt mit Konservativen zu tun haben, weswegen ihnen der Bezug zu dem, was die gesellschaftliche Mitte ist, verrutscht.

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