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WikiLeaks tröpfelt nur noch

30.12.2010

Durchschnittlich werden 20 Depeschen von insgesamt 260.000 veröffentlicht - was läuft falsch?

Was auch immer der Grund ist, die Freigabe von Dokumenten von WikiLeaks tröpfelt nur noch. Am 28. Dezember waren es gerade einmal zwei Depeschen. Das muss nicht allein daran liegen, dass WikiLeaks finanziell ausgetrocknet ist, sondern könnte auch mit der Strategie zu tun haben, sich einerseits mit großen Medien zu verbünden, um die Aufmerksamkeit hoch zu fahren, und andererseits größere Sorgfalt darauf zu legen, dass nur solche Dokumente veröffentlicht werden, die niemanden gefährden können, der in ihnen genannt wird.

Es könnte aber auch sein, dass der Elan der WikiLeaks-Mitarbeiter aufgrund der Dominanz und des Narzissmus von Assange nicht sonderlich hoch ist, wenn das Geld nicht mehr fließt. Wenn die Veröffentlichungen nur noch tröpfeln, wird das wohl auch die Aufmerksamkeit bald zum Erliegen bringen, die Assange schon jetzt durch Ankündigung neuer Veröffentlichungen anzustacheln sucht.

John Young, der mit Cryptome schon seit Jahren eine nicht kommerzielle Leaks-Website betreibt und Assenge auch wegen seiner medialen und kommerziellen Strategie kritisiert, sieht WikiLeaks schon absterben. Wenn weiterhin nur durchschnittlich 20 Depeschen von insgesamt 250.000 veröffentlicht würden, dann käme man erst in 35 Jahren an ein Ende - jenseits aller noch verbliebenen Aktualität. WikiLeaks, so Young, sei zu einem Werbe- und Spendenvehikel für Assange degradiert worden.

Assange behauptet, dass ständig viele Einreichungen zu WikiLeaks gelangen würden, aber es gebe kein Leute, um sie zu verarbeiten: "What staff is needed to process a 3-20 cables a day?" Jetzt komme es zu einem Wettrennen zwischen Assange und Domscheit-Berg, die beide ausgerechnet Bücher veröffentlichen, um an Geld zu kommen. WikiLeaks sei einst eine Alternative zu den herkömmlichen Informationsquellen gewesen. Das aber sei Vergangenheit. Jetzt diene man sich dem Kommerz an, während Assange auf einem Landgut wohnt, auf dem man einen luxuriösen Lebensstil pflegen könne. Da hört man Neid durch, wahrscheinlich aber eher den Vorwurf des Verrats an der guten Sache, die Selbstaufopferung verlangt.

Allerdings dürfte Young recht darin haben, dass die von Assange gewählte Medienstrategie kein Schutz ist. Die auserwählten Medien nutzen den Informationen, aber gehen selbst keine Risiken ein - und sie versuchen schon gar nicht, Assange oder Manning zu schützen. Sie veröffentlichen nur, was schon von anderen geleakt wurde. Wenn diese belangt werden, ist das einfach ein Kollateralschaden, zumal die traditionellen Medien sowieso WikiLeaks und Co. skeptisch gegenüberstehen: "None of these grandstanders are taking risks covering Wikileaks and other initiatives; they face no threat due to special protections bestowed by officials of these "defenders of truth." Among this select group Assange now cravenly hides himself as "editor-in-chief." They do not leak themselves, they manage leaks from leakers who go to jail -- call these the collaterally damaged."

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