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Wird der Friedensnobelpreis nach dem Willen des Stifters vergeben?

03.02.2012

Derzeit wird von der zuständigen Stelle überprüft, ob die Verleihung des Preises durch das norwegische Komitee an Personen wie Barack Obama, Al Gore oder Liu Xiaobo dem Willen von Nobel entspricht

Für viele überraschend hatte Barack Obama kurz nach seinem Amtsantritt 2009 den Friedensnobelpreis erhalten. Verstanden wurde es nach der Bush-Präsidentschaft und dem Krieg gegen den Terror als eine Art Vorschuss und Bestärkung für eine andere und friedlichere Politik. Das Nobel-Komitee begründete die Entscheidung, dass damit Obamas "außerordentlichen Bemühungen" gewürdigt würden, "die internationale Diplomatie und die Kooperation zwischen den Völkern zu stärken". Hervorgehoben wurde seine "Vision und Arbeit für eine Welt ohne Atomwaffen".

Der norwegische Autor, Jurist und Friedensaktivist Fredrik S. Heffermehl kritisiert schon lange, dass das Nobelpreiskomitee den Willen des Stifters nicht beachte. Heffermehl war lange Zeit Präsident des Norwegischen Friedensrates und ist Vizepräsident des International Peace Bureau sowie der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms. In zahlreichen Veröffentlichungen und einem zuerst 2008 erschienenem Buch kritisierte er das Komitee und versuchte, das Konzept von internationaler Sicherheit, dass Nobel 1895 in seinem Testament beschrieben hat, zu erläutern und seine Aktualität zu demonstrieren.

Für ihn ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs der Friedensnobelpreis unter Missachtung von Nobels Vorgaben verliehen worden. Man sei zu Nato-orientiert meint er. Heffermehl sieht den Grund vor allem darin, dass das norwegische Parlament nicht mehr 5 unabhängige Persönlichkeiten für das Friedensnobelpreiskomitee wählt, sondern Mitglieder der Parteien. Dadurch sei es kein Friedensnobelpreis mehr, sondern ein Preis des norwegischen Parlaments ( "Nobels Ideen wurden von inkompetenten Politikern verraten").

Zwar hätten viele Preisträger gute Arbeit geleistet, aber das sei nicht genug für den Nobelpreis mit bestimmten Kriterien. Der Preis sollte nur Menschen verliehen werden, die "das Meiste oder Beste für Freundschaft der Völker, für die Abschaffung oder Reduzierung der Armeen und für das Abhalten von Friedenskongressen und deren Stärkung getan haben". Er hadert vor allem mit der Preisverleihung an Henry Kissinger und Barack Obama, aber auch an Al Gore, der sich nicht für Abrüstung und Frieden, sondern für den Umweltschutz eingesetzt hat. Der Friedensnobelpreis sei auch kein Preis für Demokratie oder Frauenrechte.

Bislang hatte Heffermehl mit seiner Kritik aber wenig bewirken können. Das könnte sich nun aber ändern. Der für die Kontrolle von Stiftungen zuständige Länsstyrelsen (Stockholm County Administrative Board) hat sich nun der Beschwerde angenommen und untersucht die Vorwürfe. In diesem Zusammenhang hat er einen Brief an die schwedische Nobelstiftung geschickt, um deren Stellungnahme zu erhalten. Alle Nobelpreise werden in Stockholm verliehen, Nobel hatte jedoch festgelegt, dass der Friedensnobelpreis von einem Komitee verliehen wird, das vom norwegischen Parlament bestimmt wird, und dass die Verleihung in Oslo stattfindet.

Falls der Länsstyrelsen der Beschwerde recht geben würde, könnte das nach dem Rechtsexperten Mikael Wiman, der den Verwaltungsrat berät, durchaus Folgen haben. Es bestünde dann zumindest theoretisch die Möglichkeit, die Entscheidungen der letzten drei Jahre zu kassieren, was hieße, dass auch Barack Obama der Preis wieder aberkannt werden könnte.

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