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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Wut in Ägypten

27.01.2011

Massenproteste, Hunderte Verletzte, Investorenflucht - Mubaraks Aktien im Sinkflug

1.000 Festnahmen, Hunderte Verletzte, die zum Teil von Sicherheitskräften im Krankenhaus verhaftet werden, Demonstrationen Zehntausender, die sich um kein Verbot scheren, Chaos in der Hauptstadt Kairo; Demonstrationen, Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften, Ausschreitungen aber auch in anderen Städten, etwa in Alexandria und Sues (Fotos und Einzelheiten im Blog von Jano Chardel), Proteste auch auf der Sinai-Halbinsel, in Ismailia am Sueskanal.

Die Landeswährung fällt in ein Sechs-Jahres-Tief, die Investoren flüchten.

"The international investment community has taken a decision that what’s happening in Egypt is serious and therefore are exiting their positions."

Die Flucht könnte ansteckend sein, was die ganze Region betrifft. Der Börsenindex machte sich rasant auf dem Weg nach unten, die Kairoer Börse wurde zwischenzeitlich geschlossen, danach sind die Kurse weiter eingebrochen, um über 10 Prozent.

Seit 29 Jahren ist das Land offiziell im Ausnahmezustand, den Mubarak verhängt und niemals aufgehoben hat, weil er seine Art des despotischen Regierens erleichtert hat, jetzt ist der echte Ausnahmezustand da und sein Manövrierspielraum wird immer enger. Es sind die heftigsten Proteste seit Jahrzehnten. Und obwohl das Regime auch in der Vergangenheit immer wieder mit Ausschreitungen, Unruhen und Demonstrationen zu tun hatte, die es jedesmal erfolgreich niederknüppeln konnte, sieht es derzeit nicht danach aus, als ob die Regierung Mubarak diesem seit drei Tagen sich aufschaukelnden Protest Herr werden könnte.

Die Hemmschwelle, die von der Angst erreichtet wird, ist gebrochen. Twitter-und Facebooksperren helfen da möglicherweise nicht viel weiter (siehe auch Anonymous' hackers threaten Egypt govt websites in reprisal for censorship). Fast die Hälfte der über 80 Millionen Einwohner sind arm, sie haben nicht viel zu verlieren. Mubarak schweigt weiter. Die heutige Pressekonferenz der Regierungspartei wurde als Parallel-Universumsveranstaltung bezeichnet.

Geht es nach seinem heute angereisten Rivalen El-Baradei, der sich als Chef einer Interimsregierung anbot, so ist die Anti-Mubarak-Front sehr weitgespannt und besteht nicht nur aus Islamisten, womit der ägyptische Präsident die ganzen Jahre gedroht hatte:

"Of course, you in the West have been sold the idea that the only options in the Arab world are between authoritarian regimes and Islamic jihadists. That’s obviously bogus. If we are talking about Egypt, there is a whole rainbow variety of people who are secular, liberal, market-oriented, and if you give them a chance they will organize themselves to elect a government that is modern and moderate. They want desperately to catch up with the rest of the world."

Die Sicherheitskräfte in Sues greifen hart durch, mit Gummigeschossen, Wasserwerfern und Tränengas; die Polizeistation wurde von Demonstranten in Brand gesetzt. Der aktuellste Bericht der Zeitung al-Masry-al-Youm über Sues heißt: Could Suez be Egypt's Sidi Bouzid?.

86% der Leser dieser Zeitung antworteten auf die Frage, ob die Sicherheitskräfte gute Arbeit leisten würde, um sie zu beschützen, mit "Nein".

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