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Nachrichten aus Kultur und Medien

ZDF-Programmchef schützt Lobbyisten

22.05.2010

Martin Sonneborn soll nicht weiter aufdecken dürfen, wie den Zuschauern Informationen vorenthalten werden

Martin Sonneborn war früher einmal Chefredakteur der Titanic und macht derzeit unter anderem Beiträge für die im ZDF gesendete Satiresendung heute show. Dabei fand er heraus, wie selbstverständlich Lobbyisten davon ausgehen, dass seine Kollegen aus den Redaktionen der Nachrichtensendungen "heute" und "heute-journal" ihnen gehorsam bei der Arbeit helfen.

Sonneborn hatte Peter Schmidt, einen Lobbyisten der Pharmaindustrie, nämlich mit einer durchaus wahrheitsgemäßen aber missverständlichen Aussage für ein Interview geködert und damit eines der typischen Täuschungsmittel verwendet, die auch PR, Werbung und Politik gegenüber der Öffentlichkeit einsetzen. Konkret hatte der Ex-Titanic-Chefredakteur "um ein Interview für das ZDF" gebeten, das er "nach Möglichkeit in einer der 'heute'-Sendungen, bevorzugt im 'heute-journal' platzieren" wolle.

Schmidt erwartete von den Mitarbeitern dieser beiden Sendungen offenbar solch ein Ausmaß an gebührenfinanzierter Zuarbeit für seine Interessen, dass er Sonneborn nicht nur die vorbereiteten PR-Sätze ins Mikrofon sagte, sondern ihm darüber hinaus auch erklärte, was er bewusst auslässt und verschweigt, weil es in der Öffentlichkeit nicht gut ankommt. Als Sonneborn schließlich genau diese Passagen für seinen Beitrag verwendete, fiel der Pharmalobbyist, der vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk anscheinend ganz anderes gewohnt ist, aus allen Wolken und beschwerte sich über die "Schweinerei".

Mit Erfolg: Denn der ZDF-Programmchef Thomas Bellut ordnete nicht etwa – wie man erwarten könnte – eine Überprüfung und Säuberung jener Nachrichtenproduktionsteams an, die bei Schmidt und Konsorten den Eindruck erweckt haben könnten, dass die Anstalt alles für die Pharmaindustrie negative ganz selbstverständlich verschweigt, sondern verbot Sonneborn und anderen Autoren der heute show, bei ihrer Arbeit die geschützten Marken "heute" und "heute-journal" zu verwenden.

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