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Zahl der Privatinsolvenzen steigt deutlich an

11.10.2010

Alarmierendes Plus von 11,6% bei den privaten Pleiten. Arbeitslosigkeit ist der Hauptgrund für Verschuldung.

Etwa drei Millionen Haushalte in Deutschland sind insolvent. Während die Zahl der Firmenpleiten aktuell eine rückläufige Tendenz aufweist, steigt die der Privatinsolvenzen deutlich an, wie das Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) Anfang Oktober mitteilte.

Nach Untersuchungen des IFF stieg die Zahl der Privatinsolvenzen im ersten Halbjahr 2010 um 11,6% gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dabei stieg auch die Zahl der Personen, die aufgrund von Arbeitslosigkeit ins finanzielle Desaster rutschten - und die trotz der aktuell sinkenden Arbeitslosenzahlen. Besonders Alleinlebende und Alleinerziehende seien davon betroffen, so das IFF in seinem aktuellen Verschuldungsreport 2010. Der Report macht deutlich, dass damit die Auswirkungen der Finanzkrise, wie Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, mit Verzögerung in den Kassen der Haushalte angekommen sind.

Arbeitslosigkeit oder reduzierte Arbeit ist mit 29,8% der am häufigsten genannte Grund für den Eintritt der Zahlungsunfähigkeit. Oft sind auch ältere Arbeitnehmer von Verschuldung betroffen. Sie haben vielfach langjährige Kreditverträge (z.B. zum Hausbau) zu erfüllen, deren Verbindlichkeiten bei Wegfall von 40% des Einkommens nicht mehr bedienbar sind. Da diese Altersgruppe auf dem Arbeitsmarkt wenig gefragt ist, haben die Betroffenen oft keine Chance mehr, aus eigener Kraft wieder aus der Situation herauszukommen. Spätestens mit dem Einstieg in Hartz-IV ist dann auch für ehemals gut verdienende Menschen Schluss. Ältere von 55 bis 65 Jahren haben auch statistisch gesehen die höchsten privaten Schulden, durchschnittlich 55.500 Euro.

Junge Menschen hingegen geraten meist durch überbordenden Konsum in Kombination mit Arbeitslosigkeit oder vermindertem Einkommen in die Verschuldungsfalle. Oft sind diese besonders leichtsinnig bei Angeboten zum Ratenkauf. Der Autokauf auf Raten, langfristige Handy- und Internetverträge, der Kauf von Prestigeobjekten aller Art, tun ihr Übriges, um bei jungen Menschen den Schuldenberg wachsen zu lassen. Glücklicherweise sind die Summen bei jungen Menschen um einiges niedriger als bei den Älteren. Die Bürde für die Zukunft damit nicht ganz so hoch.

Auch eine gescheiterte Existenzgründung ist in 11% der Fälle maßgeblich an der Verschuldung beteiligt. Etwa 30% der Gründer müssen nach ein bis drei Jahren in der Selbstständigkeit wieder aufgeben. Meist mit großen Verbindlichkeiten. Hier sind es durchschnittlich 94.000 Euro. Oft geht der Weg für diesen Betroffenenkreis direkt in den Bezug von Hartz-IV, weil keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt wurden.

Dabei muss der Existenzgründer nicht einmal hohe Kredite aufgenommen haben, um sich zu verschulden. Selbst Kleingründungen ohne Kreditaufnahme gehören zum Betroffenenkreis. Die Krankenversicherungspflicht und andere betriebliche Versicherungen bringen viele Existenzgründer schnell ins Straucheln, wenn einmal die Einnahmen ausbleiben oder stark rückläufig sind. Da eine Kündigung von Seiten des Versicherten wegen Bindefristen oft gar nicht kurzfristig möglich ist, die Zahlungsverpflichtung aber bleibt, steigt die Verschuldung Monat für Monat weiter.

Doch auch staatliche Behörden (wie z.B. die Finanzämter) verhalten sich gegenüber in Verzug geratenen Personen oft wenig hilfreich. Sehr kurze Zahlungsziele und die Verweigerung von Teilzahlungen haben schon manchen Schuldner in aussichtslose Situationen gebracht. Da verwundert es nicht, dass rund 69% aller von Insolvenz Betroffenen auch in irgendeiner Form bei staatlichen Stellen verschuldet sind.

Etwa 33.000 Euro an Verbindlichkeiten zählt man in Deutschland pro verschuldetem Privathaushalt. Übersteigen die Schulden allerdings die zehn- oder zwanzigtausender Marke, wird es problematisch, denn hier sorgen alleine schon die Zinsen für eine beträchtliche Belastung, ohne das auch nur ein Cent der tatsächlichen Schuld abgebaut wird.

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