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Pluto wird kälter und wärmer zugleich

Hans-Arthur Marsiske 21.08.2002

Die globalen Veränderungen auf dem fernen Planeten sind wesentlich komplexer als erwartet

Die Atmosphäre des sonnenfernsten Planeten Pluto hat sich in den vergangenen 14 Jahren dramatisch verändert. Das haben jüngste Beobachtungen ergeben. Die Ergebnisse unterstützen die Dringlichkeit der in Vorbereitung befindlichen, aber heftig umstrittenen Raumsondenmission zum [extern] Pluto.

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Bilder: NASA

Die neuen Daten über die Beschaffenheit der Pluto-Atmosphäre wurden gewonnen, als der Planet am 19. Juli vor einem Stern vorbei wanderte und dabei kurzzeitig dessen Licht abdeckte. Die meisten Erkenntnisse über Pluto, der als einziger Planet des Sonnensystems bisher noch von keiner Raumsonde aus der Nähe untersucht wurde, stammen von der Beobachtung solcher Sternbedeckungen oder Okkultationen. So wurden bei einer Okkultation am 19. August 1985 erste Hinweise auf die Existenz einer Atmosphäre gefunden, die bei einem weiteren derartigen Ereignis am 9. Juli 1988 bestätigt wurden.

Die Astronomen ziehen diese Rückschlüsse aus den Veränderungen im Licht des bedeckten Sterns im Verlauf der Okkultation. Ein klarer Hinweis auf eine Atmosphäre war dabei die Beobachtung, dass das Licht nicht schlagartig verschwand, sondern zunächst langsam schwächer wurde. Die Spektralanalyse ergab, dass diese Atmosphäre aus Stickstoff mit Spuren von Methan und Kohlenmonoxid besteht. Ein Rätsel ist den Astronomen bei der Okkultation von 1988 allerdings der dann einsetzende, plötzliche Abfall der Helligkeit. Das könnte auf eine tief liegende Smog-Schicht zurückzuführen sein oder auch auf eine deutlich tiefere Temperatur der unteren Atmosphärenschichten.

Am 19. Juli dieses Jahres, als Pluto vor dem Stern P126A vorbei wanderte, konnte dieser abrupte Helligkeitsabfall nicht mehr beobachtet werden. Zudem ergaben die übrigen Messwerte eine um 11 bis 30 Grad Celsius kühlere Atmosphäre. Marc Buie vom Lowell Observatory in Flagstaff, Arizona, der die Okkultation mit einem mobilen 14-Zoll-Teleskop von Nordchile aus beobachtete, sagt:


Während Plutos Atmosphäre eine globale Abkühlung erfährt, deuten andere Daten darauf hin, dass die Oberfläche sich leicht erwärmt hat. Einige Veränderungen sind unvermeidlich, da Pluto sich gegenwärtig von der Sonne entfernt. Aber was wir beobachten ist komplexer, als wir erwartet haben.

Sternokkultationen durch Pluto sind relativ seltene, schwer zu beobachtende Ereignisse. Aufgrund der großen Entfernungen von Pluto und dem bedeckten Stern lässt sich, anders als bei einer Sonnenfinsternis, der Verlauf des Plutoschattens auf der Erde nicht genau vorhersagen. Im Falle der Okkultation vom 19. Juli kam erschwerend hinzu, dass es sich bei dem bedeckten Stern um ein Doppelsternsystem handelt. Wie Buie in seinem [extern] Beobachtungstagebuch berichtet, gab es noch wenige Tage vor der Bedeckung große Unsicherheit, von wo sie am besten beobachtet werden könnte. Prognosen für zukünftige [extern] Okkultationen werden ständig aktualisiert, umso häufiger, je näher das Ereignis rückt. Die nächste Beobachtungsmöglichkeit wird zwar bereits für den frühen Morgen des 21. August erwartet, jedoch zeigt die [extern] Prognose, dass der Plutoschatten größtenteils über den offenen Ozean wandern dürfte. Die beste Sicht könnte sich von Auckland, Neuseeland, aus ergeben.

Die bisherigen Beobachtungen unterstützen die von Wissenschaftlern vertretene Theorie, dass die Pluto-Atmosphäre mit zunehmender Entfernung von der Sonne dramatische Veränderungen erfährt, die dazu führen können, dass sie um das Jahr 2020 komplett gefriert und zusammenbricht. Auch aus diesem Grund hat der amerikanische National Research Council eine Raumsondenmission zum Pluto zur wichtigsten Mission dieses Jahrzehnts [extern] erklärt. Unterstützt wird eine solche Mission durch den amerikanischen Kongress. Präsident Bush dagegen möchte sie zugunsten der Förderung nuklearer Raumfahrttechnologien streichen. In den nächsten Wochen wird mit einer Abstimmung im Repräsentantenhaus gerechnet, die möglicherweise die endgültige Entscheidung über die am erbittertsten umkämpfte Weltraummission der letzten Jahre bedeutet. Pluto sorgt weiterhin für Spannung.

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