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Frischer Wind durch Repowering

Hans-Arthur Marsiske 01.02.2003

In Schleswig-Holstein soll die Zahl der Windkraftanlagen halbiert, die Leistung verdoppelt werden

Schleswig-Holstein gilt als Weltmeister bei der Nutzung der Windenergie, denn über dem platten Land weht der Wind oft und kräftig. Gegenwärtig wird im nördlichsten Bundesland etwa ein Viertel des gesamten Stromverbrauchs durch Windenergie abgedeckt. Doch jetzt kommt für die Boombranche eine Wachstumsschwelle in Sicht: Mittlerweile sind praktisch alle geeigneten Flächen mit Windkraftanlagen bebaut. Um die Hersteller trotzdem weiterhin zu beschäftigen, gibt es im Wesentlichen drei Lösungen: den Bau von Offshore-Parks im Meer, die Stärkung des Exports - und den Austausch alter Anlagen durch moderne, leistungsfähigere, das so genannte Repowering.

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Das könnte eine Gelegenheit sein, so manchen Wildwuchs zu beseitigen, der in der Frühzeit der Windenergienutzung entstanden ist. "Ich kenne eine Familie, die im Februar und März grundsätzlich die Jalousien unten lassen muss, weil dann die Sonne hinter den Rotoren steht", sagt Rosemarie Rübsamen vom [extern] Planungsbüro für Windenergie in Halstenbek. "Das Geflacker ist unerträglich."

Landschaftsschützer befürchten indessen gerade durch das Repowering "weiteren Schaden an unserer ohnehin gebeutelten Landschaft, an der Lebensqualität und Gesundheit der betroffenen Bevölkerung" sowie die "Dezimierung von Immobilienwerten", wie es in einem Informationsblatt des [extern] Bundesverbands Landschaftsschutz heißt. Es werde zu einer weiteren "Verdichtung der bestehenden Windparks" kommen, denn schließlich sei es das "Ziel aller Profiteure der Windkraft", noch mehr "Mammon aus dieser Subventionsmaschinerie heraus zu schlagen".

Solchen Befürchtungen stehen die Erklärungen der schleswig-holsteinischen Landesregierung entgegen, deren ausdrückliches Ziel es ist, die Zahl der Windkraftanlagen im Zuge des Repowerings zu reduzieren. "Um das griffig zu formulieren haben wir uns an Ernst-Ulrich von Weizsäckers 'Faktor Vier' orientiert", erklärt Wilfried Voigt, Staatssekretär im Ministerium für Finanzen und Energie. "Wir wollen auf der bestehenden Eignungsfläche die Zahl der Anlagen halbieren und die Leistung verdoppeln. Dazu sind wir ohnehin durch gesetzliche Auflagen gezwungen: Eine höhere, leistungsfähigere Windkraftanlage wird in der Regel auch eine stärkere Geräuschentwicklung haben, sodass wir größere Abstände einplanen müssen. Insofern muss es beim Repowering zu einer größeren Konzentration der Anlagen auf den bestehenden Eignungsflächen kommen. Letztlich entscheiden das aber die Kommunen."

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Um denen eine Hilfestellung zu geben, will die Landesregierung die Höhenbegrenzung auf 100 Meter, die sich als Konvention etabliert hat, per Erlass öffnen. Diese Öffnung kommt zum Beispiel einem Projekt im Windpark Simonsberg bei Husum zugute, bei dem elf Anlagen vom Typ E-40/500 (die erste Zahl gibt den Rotordurchmesser in Metern, die zweite die Leistung in Kilowatt an) des Herstellers [extern] Enercon gegen sechs Megawatt-Anlagen mit Gesamthöhen deutlich über 100 Meter ausgetauscht werden sollen. Allerdings geht es hierbei gar nicht in erster Linie ums Repowering.

"Im Vordergrund steht die Errichtung eines Offshore-Testfeldes, das aber noch onshore liegt, damit die Anlagen gut zu erreichen sind", sagt Hermann Albers, Vorsitzender des Landesverbands für Windenergie in Schleswig-Holstein und einer der drei Betreiber des Bürgerwindparks Simonsberg. Dieser Anlagenaustausch dient also vor allem dazu, den bei Husum ansässigen Herstellern [extern] NEG Micon, [extern] Vestas und [extern] Repower die Attraktivität des Standorts zu erhalten. Faktisch ist es aber auch ein Repoweringprojekt.


Bis zum Jahr 2010 etwa 50 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen

Albers geht davon aus, dass das Repowering jetzt nach und nach einsetzen und im Jahr 2004 richtig Fahrt aufnehmen wird. "Es ist durchaus möglich", sagt er, "dass die Aufbauleistung in Megawatt in etwa die gleiche Größenordnung erreicht, die wir in Schleswig-Holstein auch in den vergangenen Jahren hatten. Die lag zwischen 150 und 200 Megawatt jährlich. Das müssten wir über Repowering halten können, womit auch die Umsätze der Hersteller auf dem bisherigen Niveau bleiben würden."

Mit diesem Optimismus steht er nicht allein. Auch für Volker Hansen, Vertriebsleiter bei der NEG Micon Deutschland GmbH in Ostenfeld, ist Repowering ein "aktuelles, heißes Thema". Das Marktvolumen dafür in Schleswig-Holstein schätzt er auf 30 bis 50 Megawatt im Jahr 2003. Das Potenzial könne sogar gut zehnmal so hoch liegen. Auch die Repower Systems AG ist bereits aktiv im Repowering engagiert. Im Mai 2002 hat die Firma in Bosbüll/Niebüll drei 250-Kilowatt-Anlagen aus dem Jahr 1993 gegen zwei Megawatt-Anlagen ausgetauscht.

Für die Lübecker [extern] DeWind AG ist Repowering dagegen eher mittelfristig von Interesse. "Kurzfristig sind hier keine nennenswerten Umsätze zu erwarten", sagt Unternehmenssprecher Walter Delabar. Die neue 2-Megawatt-Anlage DeWind D 8, die in diesem Jahr zur Verfügung stehen soll, könne jedoch im Einzelfall eine interessante Alternative darstellen. Insbesondere an den windstarken Standorten an der Küste werde es zu einem starken Druck auf die bisherigen Standorte kommen.

Für alle Hersteller ist es selbstverständlich, den Windparkbetreibern Hilfe bei der Vermarktung der alten Anlagen anzubieten. Allerdings wird gelegentlich eingeräumt, dass die Märkte für gebrauchte Windkraftanlagen noch nicht ganz abzusehen seien. Albers berichtet, er sei mit Anfragen nach seinen gebrauchten Enercon-Maschinen "geradezu überschüttet" worden, räumt aber auch ein, dass das natürlich ein Sonderfall sei, da diese Anlage noch heute serienmäßig gebaut werde.

Staatssekretär Voigt rechnet in einer "vorsichtigen Schätzung" damit, dass sich die in Schleswig-Holstein auf den vorhandenen Eignungsflächen installierte Windkraftleistung von derzeit 1550 Megawatt bis zum Jahr 2010 auf 2500 Megawatt steigern lässt. "Zusammen mit den Offshore-Windparks, die bis dahin in Betrieb sind, und der Nutzung von Biomasse gehen wir davon aus, bis zum Jahr 2010 etwa 50 Prozent des Stromverbrauchs in Schleswig-Holstein aus erneuerbaren Energiequellen decken zu können."

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