Anzeige
 |
|
 |
Streit um Atomenergie
Müssen oder sollen die AKWs länger als im Atomausstieg beschlossen am Netz bleiben?
|
|
|
Deutsche, kauft nicht beim Amerikaner ...
Ernst Corinth 23.03.2003
... dann wird alles wieder gut!
Nicht nur die Amerikaner spinnen, auch die Deutschen, die Franzosen und sogar die Schweizer werden endlich aktiv. Und zwar für den Frieden, für den sie engagiert im Supermarkt und in der Kneipe kämpfen, indem sie bewusst auf US-Produkte verzichten. Eine vorbildliche Idee, die zwar George W. Bush kaum beeindrucken wird, dennoch Folgen hat. Denn wer seit dem Kriegsbeginn im Irak beispielsweise auf US-Whisky verzichtet und stattdessen literweise irischen Whiskey trinkt, der ist hinterher zwar auch blau, aber immerhin mit einem guten Gewissen.
So wird also gehandelt und boykottiert: In Hamburg marschieren vorneweg französische Wirte, die amerikanische Getränke von der Karte gestrichen haben. In Bonn hat nach einem Bericht von focus-online der Chef des traditionsreichen Bonner Wirtshaus "Zuntz Selige Witwe" ebenfalls gehandelt und schenkt keinen US-Whisky und keine Coca-Cola mehr aus. "Bei seinen Gästen", heißt es in der Meldung, "sei der Boykott sofort auf eine 'ungeheure Resonanz' gestoßen. (...) Bereits an der Tür macht der Wirt seine Gäste in einem Aushang 'Gegen den Krieg' auf den Boykott aufmerksam." Und selbst in der Schweiz blüht inzwischen die Bewegung "Bewusst Saufen für den Frieden".
Und es gibt noch viel zu boykottieren: "Ob Miracel Whip, reis-fit, PHILADELPHIA oder Mirácoli - fast jeder kennt die Namen dieser KRAFT-Produkte und weiß, wie gut sie schmecken." Auch auf diese leckeren Dinge aus dem Hause Kraft muss jetzt also im Namen des Friedens leider verzichten werden. Und wie groß die Produktpalette allein dieses US-Unternehmens ist, lässt sich hier nachlesen. Wo er nicht mehr tanken darf, erfährt der Friedensbewegte übrigens hier. Und dass McDonald's jetzt tabu ist, versteht sich ja wohl von selbst.
Anzeige
 |
|
Das Leben wird also angesichts des Irak-Krieges zunehmend stressiger: Kaufentscheidungen müssen immer genauer überlegt werden. Die Wege zur politisch-korrekten Tankstelle werden länger und länger. Viele Raucher müssen sich plötzlich von der lieb gewonnenen US-Zigarettenmarke entwöhnen. Und auch sprachlich müsste eigentlich pazifistisch nachhaltig nachgebessert werden. Schließlich sind Internet, Website und Browser beliebte, aber leider angloamerikanische Wörter. Und wer im Namen des Friedens jetzt dafür verzweifelt nach deutschen Wörtern sucht, sollte mal bei den Neonazis im Web Pardon! Weltennetz nachschauen, die kennen sich damit nämlich aus.
Aber selbst im kleinen privaten Bereich kann jeder was tun. So haben wir kürzlich per Mail folgende Nachricht erhalten: "Um ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen, habe ich meinen eBay-Account 'president.bush' in (...) geändert." Ein fürwahr leuchtendes Zeichen, obwohl ja eigentlich der gesamte Handel bei eBay umgehend boykottiert werden müsste. Und hoffentlich werden bald auch die "Mac-users against war" aktiv. Schon vor Wochen haben sie auf ihrer Netzseite den Apple-Chef Steve Jobs aufgefordert, mit einem Friedensbanner auf der Seite seines Unternehmens gegen Bushs Kriegspläne zu demonstrieren. Und weil Jobs das unverständlicherweise einfach ignoriert hat, wird es jetzt also Zeit, dass die Initiatoren dieser Aktion Flagge zeigen und zum sofortigen Boykott von Apple-Produkten aufrufen. Kurzum: Deutsche kauft nicht beim Amerikaner, dann wird alles wieder gut.
|
Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14444/1.html

|
 |
Ein Mehr von Unentscheidbarkeiten
Ein Gespräch mit dem Soziologen Dirk Baecker über den Konstruktivismus, das Beoachten von Beobachtern, die Medienwissenschaft und das Internet.
|
|
Auf dem Weg in die Überwachungsgesellschaft?
|