"Ist Salam Pax real, schweigt er oder ist er tot?"
Brigitte Zarzer 07.04.2003
Einem österreichischen Magazin gelang es, den geheimnisvollen Webblogger aus Bagdad aufzuspüren
Mit der steigenden Popularität des Bloggers
Salam Pax wuchsen auch die Zweifel an seiner Identität und der Echtheit des Online-Tagebuchs aus Bagdad. Dem österreichischen Wochenmagazin
Format gelang es, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Auch ein Foto von ihm wurde veröffentlicht. - Gott sei Dank mit schwarzen Augenbalken!
Das Internet macht misstrauisch. In diesem Medium kann man sich nur allzu leicht seine Identität neu erfinden. Warum also sollte ausgerechnet ein durchaus Saddam-kritisches, in sehr gutem English geschriebenes Online-Tagebuch von einem angeblichen noch in Bagdad ansässigen Iraker Vertrauen erwecken? Nun, viele Leser - vor allem jene, die seine Einträge seit September 2002 regelmäßig verfolgten - trauten Salam Pax.
Anfänglich sind seine Einträge eher kurz - Spotlights aus dem Alltag. Salam ärgert sich über seinen ausbeuterischen Chef, der ihm ausgerechnet an seinem 29. Geburtstag wieder einmal mitteilt, dass er diesen Monat kein Gehalt auszahlen könne. Erst später werden die Berichte ausführlicher und politischer. Mit Sarkasmus kommentiert er die Berichterstattung von CNN, speziell die Aussagen von Bush.
Seine spezielle Art die Situation zu beschreiben - das "Warten auf die Bomben" in Bagdad -macht ihn mit dem Herannahen des Krieges zu einem regelrechten Internet-Star. Zweifel beginnen sich zu regen. Kaum ein Weblog, das sich mit dem Irak-Krieg beschäftigt, scheint ohne Rätsel-Raten über Salams Identität auszukommen.
Seine engere New Yorker Blogger-Bekanntschaft
Gotham, die nach eigenen Angaben über Monate mit ihm Emails austauschte, verfiel selbst einmal auf den Gedanken, Salam Pax sei ein Agent des Mossad. Im Internet, wo Paranoia häufig auf fruchtbaren Boden fällt, machten schnell die Gerüchte um einen Propagandatrick diverser Geheimdienste die Runde. Und natürlich machten sich auch Journalisten auf die Suche nach dem geheimnisvollen Berichterstatter aus Bagdad. Weltweit wurde über ihn
berichtet. Einem amerikanischen
Journalisten gelang es sogar, eine Telefonnummer herauszufinden. Er überprüfte auch die technischen Angaben Salams sehr genau. Fazit. Rein technisch wäre das alles grundsätzlich möglich. Seine IP-Adresse liegt allerdings in den Händen von Google (der jetzige Eigentümer von Blogspot, wo Salam seine Page hostet), die aus Privacy-Gründen dazu keine Angaben machen. Zwischenzeitlich wurde die Page sogar kurzfristig
gehackt. . Geht man sein Tagebuch durch und analysiert die Angaben von anderen Bloggern, so lässt sich recht gutes Bild von ihm skizzieren. So gut, dass einen Journalist ein unangenehmes Gefühl befällt bei dem Gedanken an die Veröffentlichung einer Detailrecherche. Würde eine solche Salam Pax nicht in Gefahr bringen?
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Auch das österreichische Format beließ es schließlich bei der Feststellung: "Salam Pax existiert. Unter der Auflage, dass weder Name, noch Beruf noch andere nähere Angaben gemacht werden - weil diese Informationen sein Leben gefährden könnten - überließ er Format überhaupt ein Foto, das ihn mit einem engen Verwandten zeigt." Das Bild ist in dem Magazin ganz klein (3 x 3 cm) abgebildet. Die Gesichter wurden mit schwarzen Augenbalken unkenntlich gemacht. Klar zu erkennen sind lediglich Salam Pax in die Höhe gestreckten Arme - die Finger zu "V" geformt.
Der letzte Online-Eintrag stammt vom 24. März (
Salam Pax postet wieder). Seitdem herrscht Funkstille. Abgesehen davon, dass einige seiner engeren Internetkontakte ihm aus Sicherheitsgründen virtuelle Absenz geraten haben, geht im Web die Diskussion indes weiter. "Ist er nur auf Tauch-Station oder ist er tot" wird gerätselt. Gegenüber Format betonte Salam Pax, dass er erst an die Öffentlichkeit gehen werde, wenn es die Lage seines Landes zulässt. Das kann leider noch dauern.