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Wiederauferstehung des RAF-Gespenstes

Peter Nowak 26.07.2003

Fast hätte man gedacht, die Rote Armee Fraktion wäre endgültig Geschichte. Kaum jemand erregte sich mehr über das RAF-Emblem auf modischen T-Shirts und Taschen. Selbst der HipHopper Jan Delay konnte sich über das Ende der RAF [extern] auslassen, ohne dass die Polizei an seiner Tür klingelte.

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1974 besuchte Jean-Paul Sartre Andreas Baader im Gefängnis Stuttgart-Stammheim. Der greise Philosoph sagt zu Baader, er habe "aufrichtig versucht, Prinzipien in die Tat umzusetzen".

Doch ausgerechnet diese Woche schien das RAF-Gespenst wieder auferstanden. Anlass war die Ankündigung einer Ausstellung mit dem Titel "Mythos RAF", die in der [extern] Galerie Kunstwerke in der Berliner Auguststraße im nächsten Herbst eröffnet und danach in anderen Städten gezeigt werden sollte. Zu den Finanziers der ambitionierten Exposition sollte die [extern] Bundeszentrale für politische Bildung und der Hauptstadtkulturfond gehören. Doch nun ist alles wieder in der Schwebe.

Angehörige von RAF-Opfern haben in einem Offenen Brief an das Bundeskanzleramt scharf gegen die Ausstellung protestiert. Mit staatlicher Förderung werde einer Glorifizierung der RAF Vorschub geleistet, urteilten die Kritiker über eine Ausstellung, die noch nicht einmal über die Planungsphase überwunden hatte. Seitdem tobt der Meinungsstreit auf den Innenpolitikseiten und den Feuilletons sämtlicher Medien, der zeigt, dass es hier offenbar noch eine offene Wunde oder ein Diskussionstabu zu geben scheint.

Es war natürlich auch die Stunde der Populisten aller Parteien. Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz sprach in der [extern] Mittwochsausgabe der Bildzeitung von einem ungeheuerlichen Skandal. FDP-Chef Westerwelle wollte da nicht nachstehen und versprach den Angehörigen: "Ich werde mich dafür einsetzen, dass für eine solche einseitige Auseinandersetzung mit dem deutschen Terrorismus kein Steuergeld eingesetzt wird." Rupert Scholz, CDU-Politiker und Verfassungsrechtler, [extern] sagte, die Zeit des Terrorismus durch die RAF sei bereits ausreichend kritisch gewürdigt und aufbereitet worden: "Eine Ausstellung, wie sie hier offenkundig initiiert wird, ist wirklich nicht zu vertreten. In Wahrheit stellt das einen Skandal dar. Die Baader-Meinhof-Terroristen waren Kriminelle der übelsten Art. Sie waren Mörder." Das Thema werde nur mit Kunst "verbrämt" und könne zu einer "gefährlichen Missdeutung" führen.

Dabei ging es den Ausstellungsmachern und ihren Beratern wie dem Historiker [extern] Wolfgang Kraushaar vom [extern] Hamburger Institut für Sozialforschung keineswegs um eine Glorifizierung der RAF. Ihr Ziel war allerdings eine Ausstellung, die auch die Motivationen und Beweggründe thematisiert, die eine ganze Reihe politischer Aktivisten in den Untergrund trieb.

Die Ausstellungsmacher haben nun schon vor der großen öffentlichen Auseinandersetzung den Eröffnungstermin um ein Jahr verschoben. Jetzt wollen sie Kontakt mit den Angehörigen der RAF-Opfer [extern] aufnehmen. Warum eigentlich, muss man fragen? Schließlich gibt es hier keine Staatskunst. Außerdem war jede künstlerische Äußerung zur RAF von ähnlichen populistischen Aufwallungen begleitet. Erinnert sei nur an "Die verlorene Ehre Katharina Blum" von Heinrich Böll oder den [extern] Stammheim-Zyklus des Malers Gerhard Richter. Sie wurden damals von den gleichen Medien und politischen Kräften als Sympathisanten der Gewalt verunglimpft, die auch heute gegen die Ausstellung agieren.

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