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Spanische Regierung zeigt erneut, wo sie steht

Ralf Streck 28.10.2003

Während die Rückholung der Leichen von spanischen Soldaten, die im Dienste Francos in Russland gefallen sind, von der Regierung finanziert wird, werden die vom Franco-Regime in Massengräbern verscharrten Republikaner ignoriert

Die spanische Regierung behindert die Identifikation von mehr als 140.000 Gegnern der Franco-Diktatur, die noch immer in Massengräbern liegen. Geld und Hilfe gibt es hingegen für die Zurückholung der sterblichen Überreste spanischer Soldaten, die an der Seite Nazi-Deutschlands gegen die Sowjetunion gekämpft haben.

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Auf einer [extern] Webseite des spanischen Verteidigungsministeriums wird den Angehörigen der Soldaten der Blauen Division dafür Hilfe angeboten. Dabei handelte es sich um eine Truppe, die Diktator Franco zur Unterstützung von Hitlers Armeen an die Ostfront geschickt hat. Von den etwa 45.000 Soldaten verloren 4.500 ihr Leben in Stalingrad, Pavlosk und Nikolskoye. Für die Rückführung der sterblichen Reste unterstützt das Verteidigungsministerium die Familien. 130.000 Euro wurden bisher dafür ausgegeben und die sterblichen Reste von 24 Soldaten nach Spanien überführt.

Das wäre keiner Erwähnung wert, wären da nicht die 140.000 Leichen von Gegnern der Franco-Diktatur, die nach dem Putsch 1936 erschossen wurden und noch immer in Massengräbern verscharrt sind. Etwa 50.000 Menschen wurden sogar erst nach dem Ende des Bürgerkriegs zwischen 1939 und 1946 ermordet. Seither warten deren Angehörigen darauf, dass die Archive der Guardia Civil und der Falange geöffnet werden, um die Massengräber zu finden. Erst dann können viele Leichen exhumiert und identifiziert werden. Die meisten Angehörigen wissen oft nicht einmal, wo die Opfer verscharrt wurden. Obwohl sich Spanien 1992 gegenüber den Vereinten Nationen verpflichtet hat, alles zu tun, um begangenes Unrecht aufzuklären, ist bisher nichts geschehen.

Vor einem Jahr hatte das Parlament beschlossen, die Familien bei der Suche zu unterstützen. Weil nichts passiert ist, wendeten die sich an den Ombudsmann, damit er Druck auf die Regierung ausübt. Enrique Mugica kommt nun zu dem Ergebnis: "Die erhaltene Antwort ist entmutigend für die Betroffenen." Sie erlaube festzustellen, dass die Entscheidung des Parlaments keine Wirkung habe, schreib er an die "Gesellschaft für die Wiederherstellung der geschichtlichen Erinnerung" ([extern] ARMH).

Die kümmert sich seit Jahren mit Erfolg um die Identifizierung der Leichen und gräbt mit Freiwilligen gefundene Massengräber aus. ARMH fordert auch, dass die Regierung die DNA-Tests bezahlt, die für die Identifizierung der Leichen notwendig sind, die Beseitigung aller Symbole der Diktatur und eine Wahrheitskommission zur Aufklärung der Verbrechen.

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Doch all dem stellt sich die regierende Volkspartei (PP) unter José María Aznar entgegen. Das zeigt auch die jährliche Unterstützung der faschistoiden [local] Franco-Stiftung oder dass sie sich von der Diktatur nicht distanziert. Noch im September hat sie mit ihrer absoluten Mehrheit [extern] verhindert, dass die Urteile aus den faschistischen Schnellgerichtsverfahren aufgehoben und die Opfer rehabilitiert werden.

Bei den Kämpfern an der Seite der Nazis ist das ganz anders. Obwohl die Antragsfrist für die Hilfe am 5. Oktober abgelaufen ist, steht die Seite des Verteidigungsministeriums noch heute im Netz. Warum wird klar, wenn man bei der dort angegebenen Telefonnummer anruft, denn auch nach Ablauf der Frist geht die Beratung und Hilfe munter weiter.

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