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"Bist Du aus der Matrix?" - "Ja. Nein. Ich meine, ich war."

Rüdiger Suchsland 04.11.2003

"Star Wars" ohne Han Solo: "The Matrix Revolutions" beendet die Film-Trilogie

Der erste Teil (vgl. [local] Matrix) war gut, der zweite (vgl. [local] Philosophieren in Bullet-Time) nicht. Weltweit zeitgleiche Starts sollen den Hype noch erhöhen, den dritten "Matrix"-Film als Event noch steigern - sofern das überhaupt möglich ist. Denn der Film soll vor allem Geld machen - was vielleicht legitim ist. Aber wer den dritten Teil schon kennt, in dem wächst der Verdacht, dass die Geheimnistuerei den schlichten Grund haben könnte, dass die Warner-Studios ihrem eigenen Produkt nicht ganz über den Weg trauen und den Rahm abschöpfen möchten, bevor sich herumspricht, wie überaus konventionell und öde dieser Film ist. Die wahre Matrix, das sind vielleicht doch die Multiplexe, die schon "Matrix Reloaded" trotz mäßiger Kritiken und enttäuschter Fans noch zum erfolgreichsten Film des Jahres gemacht haben. Wahrlich: wir sind mitten drin.

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"Bist Du aus der Matrix?" - "Ja. Nein. Ich meine, ich war." (Dialogausschnitt)


Die Welt, in der wir leben, ist vollständig manipuliert und kontrolliert, ein künstliches Universum aus undurchdringlicher Verblendung. Nur ein "auserwählter" Mensch vermag den mühsamen Weg zur Wahrheit zu beschreiten und den Krieg zwischen Menschen und Maschinen erfolgreich zu führen - auf diesem Plot basiert die Story der "Matrix"-Trilogie des Brüderpaars Wachowski.

Im ersten Teil begann das so charmant wie hochspannend, sicher auch deswegen, weil es da primär um Verunsicherung ging. Stellvertretend für uns Zuschauer wurde dem Durchschnittsmenschen, Büroangestellten und Freizeithacker Thomas Anderson die wahre Welt zur falschen. Aber auch künstlerisch faszinierte die rasante Mischung mit Stilelementen aus Fernost und Hollywood, Comic und Cyberspace, Kung-Fu und Mythologie, Philosophie und Erlösungsreligion. Wichtiger als die Actionszenen waren Haltung und Lebensgefühl, die der Film vermittelte.

Vor allem Friedrich Nietzsches Philosophie und das Universum von Lewis Carroll ("Alice im Wunderland"), der auf seine Art ja auch ein Science Fiction-Schriftsteller ist, standen Pate bei diesem Film, der nicht ohne Grund ganze Legionen von Philosophie- und Kunststudenten zu Seminararbeiten inspirierte, gar manchen ihrer Professoren auch zu einem wissenschaftlichen Aufsatz oder Büchlein. Die unvermeidliche Dreieinigkeit des Populärphilosophie, Peter Sloterdijk, Boris Groys und Slavoj Zizek, meldete sich zu Wort - letzter Beweis, dass es hier um wesentliche Dinge ging. So wurde aus dem Kult schnell ein Klassiker - "Matrix" war ein visuell aufregender, intellektuell anregender Film, bestes Beispiel für populäres Massenkino, dafür, dass Unterhaltung und tiefere Bedeutung kein Widersprüche sein müssen.

Die Fortsetzung "Matrix Reloaded" im Sommer und nun das Ende der Trilogie "Matrix Revolutions", sind ein Exempel fürs Gegenteil: Dafür, dass manches, was im Kino bedeutungsschwer daherkommt, tatsächlich nur hohl ist. Vor allem in der ersten Stunde des Films nervt das gewaltig. Sie besteht vor allem aus banalem Weltanschauungsgelabere, für das gute Buchhandlungen ihre Esoterik-Ecke reserviert haben, das aber - vom Management-Training bis zum Pfarrer Fliege - längst unseren Alltag erobert hat und offenbar ein wunderbar geeignetes Schmiermittel zur Organisation der im sozialen Sinkflug befindlichen Gesellschaften des Westens darstellt. Wo der Sozialstaat abgebaut wird, braucht man wieder "Das Orakel", das auf die Frage "Haben Sie das gewusst?" antwortet, "Nein, aber ich habe geglaubt."

Neo und das Orakel
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Bedeutungsschwer raunt man vom "Trainman", vom "Merowinger", vom "Architekt", von "den Wächtern" und der "Quelle" - nach drei Filmen kommt schon einiges Personal zusammen. Am wichtigsten ist "Das Orakel". Der Wechsel der Schauspielerin der Figur - eine hübsche Überraschung - ist übrigens kein Einfall der Regisseure, sondern des Schicksals: Gloria Foster verstarb, Mary Alice sprang ein. Die ältere Dame mit schwarzer Hautfarbe und Ohrringen mit Jing-Jang-Symbol sagt gern Sätze wie: "Ja, so ist der Gang der Dinge, ein paar Bits verliert man, ein paar Bits gewinnt man."

Auch sonst wird geredet und geraunt. Während manche Dialoge gute Chancen auf die "Goldene Himbeere" haben, findet die Handlung nur mühsam ihren roten Faden, der auf einen doppelten Endkampf zuläuft: Die freie Menschheit kämpft in aufwendig computerdesignten Massenszenen ihr letztes Gefecht und der mittlerweile zum blinden Seher mutierte reine Tor Neo muss gegen das wildgewordene Programm "Smith" zum finalen Duell antreten. Und um zu siegen muss er wie Jesus seinem Gegner auch noch die andere Wange hinhalten, sich opfern, um zu siegen - nachdem vorher schon seine Geliebte "Trinity" das gleiche tat.

Spannung kommt da so wenig auf, wie Überraschungseffekte oder Humor, der Film wirkt wie "Star Wars" ohne die Figur Han Solo. Die Differenz zwischen Sein und Schein, genau das, was einst den Reiz von "Matrix" ausmachte, ist völlig getilgt. Alles scheint in dieser Filmwelt möglich - aber es gibt nichts Langweiligeres, als etwas, das nach keinen Regeln mehr funktioniert. Zugleich nehmen die Ungereimtheiten, die Willkür der Handlung zu. Wenig macht wirklich Sinn, alles könnte auch ganz anders sein - nur der Film besteht darauf: "Wo manche Zufälle sehen, sehe ich Konsequenzen."

Eine filmische Revolution ist "Matrix Revolutions" daher keineswegs. Bis auf wenige Szenen und Lichtblicke wie Jada Pinkett Smith in der Rolle der Niobe ist dies ein stinknormaler, eher lahmer Actionfilm mit öden, verhärmt und eitel agierenden Darstellern. Die Werbezeile des Films verspricht: "Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende." Hoffentlich.

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