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Von Billionen und Milliarden

__magazin__

Warum eine Matrix bauen?

Und warum Sie sich in einer befinden könnten

Corrigendum

Peter Riedlberger 30.03.2004

Von Billionen, Milliarden.... und der steilen Karriere eines Fehlers

Im Artikel [local] Von Billionen und Milliarden habe ich geschrieben:

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Wörter für noch größere Zahlen brauchte man dann aber erst später, in der Renaissance-Mathematik. Geprägt wurden sie von dem französischen Mathematiker Nicolas Chuquet in seinem Werk Triparty en la science de nombres (1484):

Au lieu de dire mille milliers, on dira million, au lieu de dire mille millions, on dira byllion, etc..., et tryllion, quadrilion...octylion, nonyllion, et ainsi des autres si plus oultre on voulait procéder

Das Chuquet-System (so will ich's mal für den Rest des Artikels nennen) ist also das heutige amerikanische: Für jeweils drei Nullen nach 1000 gibt's ein neues lateinisches Präfix. Wenn wir das lateinische Präfix in eine Zahl umwandeln (also bi bedeutet n=2, tri n=3 ...), dann gälte der folgende einfache Term für die Zahl der Nullen: 103+3n. "n" gibt dabei sozusagen die Zahl der Punkte zwischen den Nullen an: Eine "billion" (n=2) wäre 1.000.000.000, mit zwei Punkten zwischen den Nullen.

Ein Leser hat mich darauf hingewiesen, dass das hier Chuquet zugeschriebene Zitat falsch ist. Er hat Recht.

Was Chuquet wirklich im ersten Teil der Triparty, ziemlich am Anfang, schrieb, lässt sich [extern] hier (sogar inklusive GIF vom Manuskript) nachlesen.

Chuquet verwendet also nicht das heutige amerikanische System, sondern das deutsche: Eine Billion ist 10 hoch 12, nicht 10 hoch 9. Er benutzt, wohlgemerkt, weder Mill- noch sonstige -iarden, sondern zählt einfach bis 999999 Millionen.

Der geneigte Leser möge mir diesen Fehler verzeihen, bekanntlich ist niemand perfekt (nicht einmal Renaissance-Mathematiker: Wer sich davon überzeugen will, möge sich das GIF genau anschauen, insbesondere das Zahlenbeispiel, mit dem Chuquet sein System illustrieren will).

Ich finde die Seite nicht mehr, von der ich damals das Pseudo-Chuquet-Zitat abschrieb. Dafür finde ich jede Menge neue Seiten, die ganz oder teilweise auf meiner Glosse basieren. Das gilt sogar für den englischen [extern] Wikipedia-Artikel s. v. "Billion".

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Wer wissenschaftliche Ansprüche hat, sollte nie von einer Vorlage abschreiben, die keine Quellen für ihre Informationen angibt. In der Wissenschaft muss stets (im Gegensatz zur Juristerei) die Schuldighaftigkeitsvermutung gelten. Zumal Artikel, die in der Rubrik "Glosse" erscheinen, sind nicht immer bis ins Letzte mit wissenschaftlicher Methode recherchiert sind.

Zurück zu den Billionen und Chuquet. Zu letzterem gibt es eine Studie (G. Flegg, C. Hay, B. Moss: Nicolas Chuquet, Renaissance Mathematician. A study with extensive translation of Chuquet's mathematical manuscript completed in 1484. Dordrecht 1985), und auf deren S. 28f. werden die großen Zahlen behandelt.

Die Autoren weisen darauf hin, dass Billion usw. zwar zum ersten Mal bei Chuquet auftauchen, der aber nicht deren Erfindung für sich beansprucht hat und sie daher wohl von woanders übernimmt. Jehan Adam hatte neun Jahre früher bereits die Begriffe "trimillions" und "bymillions" verwendet (Traicte d'arismetique pour la pratique par gectoners, Bib. Sainte Geneviève, Paris, MS Français 3143).

Na, mal sehen, wie schnell diese Berichtigung ihren Weg in die Wikipedia (und in die anderen Lexika) findet...

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Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17069/1.html

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Kommentare lesen
Wikipedia Update (Lothar Kimmeringer 31.3.2004 12:01)
Jawohl, und: 'Sei mutig' ... (König Pumponell 30.3.2004 17:56)
Danke für die Richtigstellung... (LemmyCaution 30.3.2004 3:35)
 
   
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