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Outfoxed

Jörg Prigge 22.07.2004

Dokumentarfilm über die Machenschaften von Fox News stürmt die amerikanischen DVD-Charts; Internet als Vertriebskanal für Filmemacher gewinnt an Bedeutung

Während Michal Moores "Fahrenheit 9/11" längst die US-Kinocharts gestürmt hat und damit zum [extern] erfolgreichsten Dokumentarfilm der US-Filmgeschichte wurde, sorgt nun eine neue Dokumentation für Furore: [extern] "Outfoxed - Rupert Murdoch's War on Journalism" von Regisseur Robert Greenwald – eine Abrechnung mit Fox News, Amerikas einflussreichstem Nachrichtenkanal.

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Nach der monatelangen, meist einseitigen Berichterstattung nahezu sämtlicher US-Mainstream-Medien über den Anlass und die Realitäten des Irak-Krieges, wächst das Interesse vieler Amerikaner an Sichtweisen, die das Gebaren der US-Regierung und den von ihr gebrieften Medien hinterfragt.

Gerade der Kanal [extern] "Fox News" zeichnete sich insbesondere zu Beginn des Irak-Krieges durch oftmals sehr unausgewogene Berichterstattung aus: Kritiker des Krieges wurden als Vaterlandsverräter beschimpft, Demokraten als unpatriotische Weicheier. Dies ist nicht verwunderlich, denn hinter Fox steht der erzkonservative Medienmogul [extern] Rupert Murdoch.

Fair And Balanced

Auch wenn der Kanal mittlerweile [extern] Selbstkritik an der Berichterstattung einräumt – das Sendermotto, "fair and balanced" ist in etwa so glaubwürdig wie die "Überparteilichkeit und Unabhängigkeit" der BILD-Zeitung.

Genau hier setzt Robert Greenwalds Film "Outfoxed" an: Ihm ist klar, dass das Fox–Network konservativ ausgerichtet ist. Was ihn stört ist, dass die Nachrichten von der Führungsebene zensiert werden und ganz klar parteipolitisch für die Republikaner geworben wird. Als Beleg führt er beispielsweise eine Moderation von Anchorman Sean Hannity an, der sein Magazin zur Hauptsendezeit mit den Worten einleitet:


Noch 150 Tage bis zur Wiederwahl von George W. Bush.

Mag sich der Zuschauer hier noch seine eigene Meinung bilden können, wird es bei der Irak-Berichterstattung schon undurchschaubarer. Greenwald zitiert in seinem Film ein internes Memo aus der Führungsebene von Fox, wie über den Irakkrieg berichtet werden soll:


Wenn Sie darüber schreiben, denken Sie daran: Alles ist gut. Berichten Sie nicht über die Zahl der Toten. Halten Sie es positiv. Betonen Sie das Gute, das wir tun.

Greenwald stört, dass die Fox-Manager trotz offensichtlicher Einflussnahme auf das Programm weiterhin in der Öffentlichkeit behaupten, fairen und ausgewogenen Journalismus zu präsentieren. Für den Zuschauer entsteht so der Eindruck, dass alle anderen Medien automatisch dem linken Lager zuzuordnen sind. Viele große US-Networks wie CNN oder CBS waren deshalb in den ersten Kriegsmonaten auf den emotional-patriotistischen Zug mit aufgesprungen, um sich vom Marktführer Fox nicht das Wasser abgraben zu lassen.

Patchwork-Produktion

Während Michael Moore anfangs Probleme hatte, einen Verleih für Fahrenheit 9/11 zu finden, geht Greenwald einen anderen Weg: "Outfoxed" ist nicht als Kinofilm gedacht, er wird über das Internet für zehn US-Dollar auf DVDs vertrieben. Kurz nach Veröffentlichung ist er überraschend bei Amazon.com auf dem [extern] ersten Platz gelandet.

Zudem ist die Dokumentation auf diversen "house parties" in den USA zu sehen: Interessierte können bei [extern] moveon.org (einem Mitfinanzier vom Outfoxed-Projekt) ihre Postleitzahl eingeben und sehen umgehend, wo der Film in ihrer Region aufgeführt wird. 3000 Privatvorführungen fanden diese Woche schon statt.

Auch die Herstellung dieser Dokumentation ging nicht den üblichen Weg. Sechs Monate [extern] zeichnete Greenwald rund um die Uhr das Programm von Fox-News mit DVD-Rekordern auf. Mehrere Experten versuchten dann aus dem vorhandenen Material Kategorien zu erstellen, die die Besonderheiten der Berichterstattung von Fox verdeutlichen sollen.

Typische, immer wiederkehrende Muster waren beispielsweise die Infragestellung des Patriotismus von Liberalen, die übertriebenen Darstellungen von positiven Entwicklungen im Irak, ständiges Unterbrechen der Moderatoren bei unliebsamen Gästen, usw. Als die Kategorienliste feststand, wurde das laufende Programm von Fox noch mal im Schichtdienst unter die Lupe genommen. Sobald eine Nachrichtenmeldung in eine der Kategorien passte, schickte einer der Beobachter ein Mail mit dem entsprechenden Timecode an Greenwald. Im Anschluss kümmerten sich fünf professionelle Filmemacher, die normalerweise bis zu 1000$ Tageshonorar verlangen - für Greenwald aber aus Überzeugung für einen Bruchteil davon arbeiteten - um die Fertigstellung der jeweiligen Sequenzen. Zum Schluss wurden noch die Interviews von ehemaligen, sich kritisch äußernden Fox-Mitarbeitern und Medienexperten mit eingeflochten.

Diese Form der Patchwork-Produktion hat für Greenwald den Vorteil, dass der Film nicht nur preiswert, sondern auch sehr aktuell ist und durch den Vertrieb via Internet schnell beim Zuschauer landen kann. Und Schnelligkeit in Produktion und Vertrieb waren wichtig: denn noch nie hat jemand einen kritischen Dokumentarfilm über einen Medienkonzern produziert, der so viel Bildmaterial ohne Genehmigung des Senders verwendet. Greenwald und seine Anwälte berufen sich zwar auf das Recht, Quellen für Kommentare, Satiren und Kritiken zitieren zu dürfen - ganz sicher ist er sich aber nicht, ob er mit dieser Argumentation durchkommt:


I want to make a great film, but I'd like to do so without losing my house and spending the rest of my life in court.

Unbalanced

Wie Fox-News ist die Machart von "Outfoxed" alles andere als fair und ausgewogen. Greenwald macht daraus keinen Hehl, nennt seine Mitfinanziers, die überwiegend aus dem demokratischen Lager kommen. Doch im Gegensatz zu Murdochs Mannen versucht er erst gar nicht, Objektivität vorzugaukeln. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Denn gerade in den USA, wo Nachrichten vorwiegend über das Fernsehen und nicht über Zeitungen wahrgenommen werden und eine breitenwirksame, medienkritische Berichterstattung kaum vorhanden ist, sehnen sich viele nach einer alternativen Sicht der politischen Realitäten.

Und auch für Deutschland kann dieser Film ein Signal sein. Denn seit die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten ihre Dokumentationen immer weiter zurückfahren und sich dem Infotainment der Privaten anschließen, zeigt "Outfoxed" ein zukunftsweisendes Modell, selbst produzierte Filme unters Volk zu bringen.

Ausschnitte von "Outfoxed" kann man sich [extern] hier herunterladen

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Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17932/1.html

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Kommentare lesen
Ideen und Fehler (demon driver 25.7.2004 20:18)
re (Leo_Plegger 25.7.2004 0:53)
namen sind schall und rauch (mal wieder 24.7.2004 11:45)
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