Erweiterte Suche
Home
Politik
Wissenschaft
Energie & Klima
Kultur
-Glosse
-[Film]
-Kinder & Familie
-Games
-Kunst
-Architektur
-Kultur-News
-Kulturkalender
Medien
Magazin
Anzeige
__magazin__

Warum eine Matrix bauen?

Und warum Sie sich in einer befinden könnten
__umfrage__

Klimamüdigkeit

Wird die angekündigte Klimaerwärmung mit ihren Folgen mittlerweile zu wenig ernst genommen?

Die dunkle Seite von Micky Maus

Wolf-Dieter Roth 30.10.2004

"Cartoons ziehen in den Krieg": US-Zeichentrickfilme im zweiten Weltkrieg

"Disney" ist geradezu ein Synonym für kindgerechte, harmlose Unterhaltung. Doch hat Disney durchaus auch "Erwachsenen-Cartoons" gemacht. Nein, nicht diese Sorte…

download   

Als es darum ging, das amerikanische Volk für den zweiten Weltkrieg mobil zu machen, damit diese Kriegsanleihen zeichneten, Fett und Altmetall an Sammelstellen abgaben und als Soldaten sich nicht noch blöder anstellten, als das Militär erlaubte, stellte man fest, dass Soldaten sich zwar auskannten, aber als Schauspieler eher ungeeignet waren und Schauspieler wiederum die militärischen Abläufe nicht gut genug kannten.

Bugs Bunny und die Schweinchen werben für Kriegsanleihen

Außerdem wollte man den Krieg ja gar nicht so realistisch darstellen. Zeichentrickfiguren sind da niedlich und putzig, machen alles mit und sterben auch nicht. Die Besitzer der Trickfilmstudios spielten mit – man war ja schließlich ein guter Amerikaner – und so entstanden spezielle Arten politischer Cartoons.

Der Führer spricht im Tierreich? Nein, dies ist eine Rundfunkansprache in der "freien Welt".

Für das übliche Publikum der Disney-Cartoons – Kinder – waren diese Trickfilme eher nicht gedacht, die Figuren anderer Studios wie Paramount mit Superman und Warner Brothers mit Schweinchen Dick und Bugs Bunny waren allerdings ohnehin rauere Gesellen. Außerdem waren die Cartooncharaktere ja auch Erwachsenen bekannt.

Der erste Neonazi? Diese Ente soll einen besonders blöden Vogel darstellen

Einerseits waren diese Cartoons für den normalen Kinobesucher gedacht, dem man auf diese Art Rationierungen und den Sinn des Krieges nahe bringen und ihn aufmuntern wollte. Spezielle Cartoons – die Sergeant-Snafu-Filme – waren dagegen für die Soldaten gedacht, um denen Vernunft beizubringen und vor abhörenden Feinden zu warnen. Snafu steht für "Situation Normal – All Fucked Up", also den ganz normalen Militärwahnsinn und Sergeant Snafu ist dementsprechend der regelmäßige Obertrottel der Armee.

Seargeant Snafu hat natürlich statt der Gasmaske mal wieder einen ungeeigneten Ausrüstungsgegenstand eingepackt

Die [extern] DVD "Cartoons ziehen in den Krieg" von [extern] CMV-Laservision zeigt zunächst eine Übersetzung einer US-amerikanischen Fernsehdokumentation, in der auch die damaligen Zeichner zu Wort kommen. Die DVD wird mit deutscher Synchronisation (ausblendbar) und deutschen Untertiteln (nicht ausblendbar, aber auch nicht störend) geliefert. Sie ist durchaus gelungen, allerdings durchzieht die Übersetzung der Fehler, dass "Freedom" nun mal nicht "Frieden" sondern "Freiheit" heißt: Auch wenn die Übersetzung des Originalbegriffs "Freedom Bonds" als "Friedensanleihen" ironisch gemeint ist – schließlich heißt der deutsche Begriff nun mal "Kriegsanleihen" – wäre im Zeitalter von "Freedom Fries" sicher eine glattere Übersetzung möglich gewesen.

Vorsicht – Feind hört mit"

Obwohl die Militärcartoons aus heutiger Sicht eher harmlos sind, unterlag ihr Plot damals strengster Geheimhaltung. Damit kein Zeichner die fertige Geschichte erkennen konnte, durfte jeder mit zehn Folien nur einen kurzen Ausschnitt des fertigen Films zeichnen. Sogar dass der Publikumsfilm "Das Gesicht des Führers" von Walt Disney einen Oscar erhielt, erfuhren seine Zeichner erst nach dem Krieg, ebenso durften sie erst dann den fertigen Film sehen.

Es wäre im Cartoon ein Leichtes gewesen, auch Adolf Hitler als übergeschnappten Irren zu zeigen, doch wäre dies verharmlosend gewesen. Er wird daher ziemlich realistisch gezeigt, als Kunstmaler, der keine Anerkennung fand und sich deshalb auf andere Dinge verlagerte.

Als Alternative zum Stauffenberg-Attentat doch etwas einfach gedacht

Neben der Fernsehsendung enthält die DVD noch acht Original-Kurzfilme wie "The Ducktators", "Daffy – The Commando" oder "Donald Duck – The spirit of 43". Auch Superman im Dschungel oder als Geheimagent sind zu sehen. Die längeren Filme wie eben Walt Disneys "Gesicht des Führers" sind natürlich nicht auf der Scheibe. Auch sind sieben der Extra-Filme samt ihrem Menü auf Computern als "Osterei" etwas versteckt oberhalb des Menüpunkts "Extras" aufzurufen, während auf richtigen DVD-Playern der achte Film – die Werbung für Kriegsanleihen – nur über "Down – Down – Enter" zu finden ist. Angeblich freuen sich DVD-Besitzer ja über solche Spielchen, doch kann es hier dazu führen, dass die Hälfte der Scheibe unentdeckt bleibt.

Social Bookmarks: Mister Wong Yigg Oneview Folkd Delicious Digg

Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18604/1.html

artikel drucken artikel versenden
 
__aktuell__

Falsch geschnitten: Wie Chirurgenfehler passieren

Wendet sich die Türkei vom Westen ab?

Kein "geistiges Eigentum" an Cannabis

__topforum__

In Bayern tobt der Kampf ums Rauchverbot

WHO: Alle Impfstoffe gegen Schweinegrippe sind sicher

Die drei Reiter der akademischen Apokalypse

Jeder siebte US-Amerikaner hungert zeitweise

Kreditkartenskandal erfasst ganz Europa (Update)

Israel will Siedlung Gilo ausbauen..

 
Kommentare lesen
WO? (Shmock 2.11.2004 16:13)
War das nicht der "Lethal Joke"? (Koda 2.11.2004 10:23)
Friendly False (TIE-Fish 1.11.2004 18:18)
mehr...
 
   
 Copyright © Heise Zeitschriften Verlag Datenschutzhinweis Mediadaten Impressum Kontakt