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Die Anweisung "Vorsichtige Fahrt" wurde nicht gegeben

Ralf Streck 09.11.2004

Noch sind Einzelheiten ungeklärt, wie der 21-jährige Gegner der Castortransporte in Lothringen ums Leben gekommen ist

Obwohl die genauen Umstände des Todes von Sébastien Briat noch unklar sind, kommen weitere Details ans Licht ([local] Trauer über den Tod eines Atomkraftgegners). Nun hat der ermittelnde Staatsanwalt die Geschwindigkeit des Zugs mit genau 98 Stundenkilometern angegeben. Michel Senthille fügte an: "Er war 2.200 Tonnen schwer und 398 Meter lang. Ein solcher Zug benötigt 800 Meter, um zu halten." Nach einer Besichtigung des Unglücksorts widerspricht aber der elsässische Anti-Atomkraft Aktivist Gilbert Poirot dessen Darstellung, die Sichtweite habe keine 200 Meter betragen habe.

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Nach Informationen der Zeitung [extern] Libération soll der Zug über eine Erlaubnis "MA 100" verfügt haben und habe somit 100 Stundenkilometer fahren dürfen. Damit läge er zwar im legalen Bereich, sei aber trotzdem zu schnell gefahren, erklärte die Bahngewerkschaft [extern] Sud Rail. Es habe eine Anweisung für eine "vorsichtige Fahrt" gefehlt. Das bedeute, vor jedem "auftauchenden Hindernis" anhalten zu können. "In diesen Kurven wären das maximal 20 oder 30 Stundenkilometer", sagte deren Sprecher Dominique Malvaux. Es sei bekannt gewesen, dass es in der Region Elsass-Lothringen verstärkt zu Blockaden kommen könnte, entsprechende Pressemitteilungen habe es gegeben. Maßnahmen seien nicht getroffen worden.

Malvaux fragt: "Was wäre gewesen, wenn das Hindernis statt einem Demonstranten ein Lastwagen gewesen wäre?" Sud Rail [extern] spricht über die Blockade von einer "legitimen staatsbürgerlich Aktion", welche die Gewerkschaft unterstütze und spricht der Familie und Freunden ihre Solidarität aus.

Sowohl die französische Bahn SNCF, die Cogema als Auftraggeber und die Behörden schieben sich schon einmal gegenseitig die Verantwortung zu, wer für eine Anweisung über eine "vorsichtige Fahrt" zuständig gewesen wäre. Das französische Netzwerk "Sortir du nucléaire" hat für Mittwoch [extern] aufgerufen, aus Protest an Bahnhöfen um 18 Uhr Blumen abzulegen. Auch wenn die Todesumstände nicht noch geklärt seien, sei klar, dass elementare Sicherheitsbedingungen missachtet worden seien.

Wie die Regionalzeitung L'Est Republicain [extern] berichtet, sei die Kette an den Bahngleisen geöffnet gewesen, als die Polizisten sie gefunden hatten. Erst eine Untersuchung könne zeigen, ob sie zum Zeitpunkt des Unglücks noch geschlossen oder bereits geöffnet war. Möglicherweise habe sich Sébastien Briat, trotz Anwesenheit von drei Mitdemonstranten, in der Panik nicht rechtzeitig befreien können.

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Der Castor-Transport von der Wiederaufbereitungsanlage La Hague hat heute Vormittag, geschützt von mehreren Tausend Polizisten, nach zweieinhalbtägiger Fahrt das Zwischenlager Gorleben erreicht. In Groß Gusborn und in Quickborn hatten jeweils einige Hundert Demonstranten Sitzblockaden durchgeführt, die von der Polizei geräumt wurden. Auf der nördlichen Strecke nach Gorleben hatten sich in Quickborn fünf Demonstranten in der Nacht an einen Betonblock angekettet, der fest mit einem Traktor verbunden war.

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Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18769/1.html

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Kommentare lesen
Na denn, ... (msbraun 15.11.2004 23:57)
Okay (jos 15.11.2004 22:34)
Genau das ist der Punkt,... (msbraun 15.11.2004 21:58)
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