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Team America

Ernst Corinth 30.12.2004

Die komischste Weltpolizei im Kampf gegen den Terrorismus

Eine Szene, in der zwei Holzpuppen es nach allen Regeln des Kamasutras treiben, hat man im Kino wohl noch nie zusehen bekommen. Und genau sie sorgte dann dafür, dass der Film in den USA beinahe keine Jugendfreigabe bekommen hätte. Doch auch bei uns muss man mindestens 16 Jahre alt sein, wenn man [extern] Team America sehen möchte. Aber vermutlicht nicht wegen des freizügigen und schreiend komischen Puppensexes, sondern wegen der zahlreichen Gewaltexzesse und Splatter-Einlagen, bei denen nicht nur Dutzende von Holzköpfen erstaunlich blutig-rot explodieren.

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Team America in Aktion. Bild: Paramount Pictures

Die Produzenten Trey Parker, Matt Stone und Pam Brady, die sich mit ihrer nicht gerade jugendfreien "South Park"-TV-Serie weltweit längst eine millionenstarke Fangemeinde erobert haben, kennen auch in ihrem neusten Werk kein Pardon. Und geschont wird in ihrer Politsatire wirklich keiner. So werden im ersten Teil der US-Patriotismus und vor allem Bushs Kampf gegen den Terrorismus böse veralbert, während es im zweiten dann die Gegenseite genauso böse erwischt. Allen voran eine links-liberale Schauspielervereinigung, die so genannte "Film Actors' Guild", die angeführt wird von Leuten wie Alec Baldwin, Tim Robbins, Susan Sarandon, George Clooney, Sean Penn und Matt Damon, der hier den Volltrottel gibt. Und natürlich fehlt auch nicht Michael Moore, der einen explosiven Auftritt als Selbstmordattentäter hat.

Das klingt und ist geschmacklos. Und dennoch komisch, zumindest für Leute mit einem rabenschwarzen Humor. Oder für Zeitgenossen, denen das moralische Getue selbsternannter Moralapostel genauso auf den Keks geht wie das dumpfe patriotische Kriegsgeschrei der US-Rechten. Doch dem amerikanischen Kinopublikum, dem der Film im Oktober kurz vor den Präsidentenwahlen gezeigt wurde, war das politisch-unkorrekte Spektakel allerdings dann doch eine Spur zu heftig. Und daher floppte der Streifen. Aber auch Kritiker wie beispielsweise der angesehene Chicagoer Filmjournalist [extern] Roger Ebert warfen naserümpfend den Filmemachern Zynismus und Nihilismus vor. Und kritisierten einen pubertären Humor, der absolut ziel- und wahllos beleidigend sein möchte.


Like a cocky teenager who's had a couple of drinks before the party, they don't have a plan for who they want to offend, only an intention to be as offensive as possible.

(...) I wasn't offended by the movie's content so much as by its nihilism. At a time when the world is in crisis and the country faces an important election, the response of Parker, Stone and company is to sneer at both sides -- indeed, at anyone who takes the current world situation seriously. They may be right that some of us are puppets, but they're wrong that all of us are fools, and dead wrong that it doesn't matter.
Roger Ebert

Anschlag auf den Panama-Kanal. Bild: Paramount Pictures

Sogar einer der im Film Veräppelten, Sean Penn, [extern] reagierte empört auf den Regisseur Trey Parker, weil dieser zuvor im Magazin "Rolling Stone" gesagt hatte, dass es für ihn keine Schande sei, bei der anstehenden Präsidentenwahl nicht wählen zu gehen.

Viel Feind, viel Ehr. Wesentlicher bescheidener ist dagegen die eigentliche Geschichte ausgefallen, die schnell erzählt ist. Im Stil der alten britischen TV-Puppenserie "Thunderbirds" erlebt eine Spezialeinheit der Regierung, das Team America, ein Abenteuer, das sich Actionfilmexperten wie Jerry Bruckheimer oder Michael Bay nicht haarsträubender hätten ausdenken können. Da die Truppe in Paris mehrere Osama Bin Ladens ausgemacht hat, die dort mit einer Massenvernichtungswaffe einen Anschlag planen, wird von ihnen gleich zu Anfang im Namen des Kampfes gegen den Terrorismus die halbe Stadt platt gemacht. Später müssen dann auch noch die Pyramiden und die Sphinx dran glauben. Aber ihr Gegner hat es faustdick hinter den Ohren und sprengt zwischendurch den Panama-Kanal in die Luft.

Der Oberböse. Bild: Paramount Pictures

So geht es Schlag auf Schlag, bis dem Team America klar wird, wer hinter dem weltweiten Terrorismus steckt: Kein Geringer als der nordkoreanische Diktator Kim Jong II, der die liberalen Hollywood-Schauspieler gerade feierlich zu einer Weltfriedenskonferenz eingeladen hat. Und der seinen Auftritt klammheimlich für den finalen Terrorschlag nutzen möchte. Aber für solche Fälle gibt es ja das Team America, die komischste Weltpolizei-Truppe im sonst gar nicht so komischen Kampf gegen den Terrorismus.

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Kommentare lesen
Satire? Ironie? Sarkasmus? (Kate Warner 13.1.2005 12:07)
Überschrift (AnteBaka 4.1.2005 19:04)
Haha (AnteBaka 4.1.2005 18:56)
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