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Das Dream-Team

Andrea Naica-Loebell 30.04.2005

Rechenspiele für den richtigen Genie-Mix

Wie stellt man ein optimales Team zusammen? Die Idee der einsamen Genies hat sich heutzutage ziemlich erledigt, Zusammenarbeit ist angesagt. Ein gutes Team ist mehr als die Summe guter Köpfe, gemeinsam potenziert sich die Kreativität. Zumindest wenn es gut läuft. Was ein optimales Team ausmacht – dieser Frage sind nun US-Wissenschaftler mit Computerberechnungen nachgegangen.

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Die heutige Datenflut macht Rechenmodelle möglich, die früher völlig undenkbar waren. Heute berechnen Forscher, wie ein Spieler am besten einen Ball fängt ([local] Wenn ein Ball geflogen kommt...), sie simulieren, welchen Mechanismen Fußballfans folgen, um ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen ([local] Mathematisches Modell der La-Ola-Welle) oder sie erklären menschliches Wahlverhalten anhand von Magnetismusmodellen ([local] Die neue Physik des Gruppenzwangs). Das ergibt nicht immer wirklich Sinn, macht aber immer wieder zumindest theoretische Freude.

Modell eines Netzwerks um Teams, das mit der Zeit entsteht (Bild: Roger Guimera/Northwestern University)

Roger Guimera und Brian Uzzi von der [extern] Northwestern University in Evanston und Kollegen von der [extern] Stanford University berichten im Wissenschaftsjournal [extern] Science über ihre Computersimulationen zur Zusammenstellung eines optimalen Teams. Sie analysierten Daten sowohl aus dem Show Business wie aus der Wissenschaft, um dem Rätsel der bestmöglichen Kooperation auf die Spur zu kommen. Ihren Ausgangspunkt beschreiben die Autoren folgendermaßen:


Teams finden sich, weil Individuen mit verschiedenen Ideen, Fähigkeiten und Ressourcen sich zusammen schließen. Die Kreativität wird angespornt, wenn Innovationen, die sich in einem Bereich bewährt haben, in einem neuen Bereich angewendet werden – so werden alte Probleme gelöst und neue Denkweisen angeregt. Auf jeden Fall zeigt die Forschung, dass die richtige Mischung von Verschiedenheit in einem Team schwer fassbar ist. Obwohl Verschiedenheit potenziell die Kreativität beflügeln kann, hat sie oft auch Konflikte und Missverständnisse zur Folge.

Entscheidend ist die richtige Mischung von Team-Mitgliedern, die in der Vergangenheit bereits gut zusammen gearbeitet haben und neuen Personen, die neue Ideen und Ansätze einbringen. Um besonders erfolgreich zu sein, braucht eine Gruppe in der Zusammenarbeit altbewährtes und bereits erfolgreiches Personal, aber auch Newcomer, die eingeschliffene Muster aufbrechen. Wer zu lange immer mit den gleichen Kollegen kooperiert, ist auf Dauer nicht ganz vorne mit dabei.

Bewährte Zusammenarbeit und frische Mitglieder

Roger Guimera und seine Kollegen verarbeiteten eine riesige Menge an Daten, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Sie untersuchten mehr als 2.000 Musical-Produktionen am Broadway, die zwischen 1877 und 1990 aufgeführt wurden. An diesen Musiktheateraufführungen waren insgesamt mehr als 4.000 Personen beteiligt, wobei sich die Forscher auf die Macher hinter der Bühne, also Komponisten, Librettisten, Choreografen, Regisseure und Produzenten konzentrierten und die Darsteller außer Acht ließen. In der ersten Periode bis 1929 wurden Musical-Shows am Broadway noch nach dem Trial und Error-Prinzip angegangen, berichten die Wissenschaftler, und zunehmend arbeiteten mehr Leute an der Entstehung eines Stückes mit. Ursprünglich waren es durchschnittlich nur zwei, aber durch die wachsende Spezialisierung wurden es sieben und dabei blieb es bis heute.

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Als zweite Datenmenge verwendete das Team um Guimera wissenschaftliche Artikel aus der Sozialpsychologie, der Wirtschaftswissenschaft, der Ökologie und der Astronomie. An insgesamt mehr als 88.000 wissenschaftlichen Artikeln, die zwischen 1955 und 2004 veröffentlicht wurden, schrieben mehr als 110.000 Autoren. Auch im Forschungsbereich wuchs die Anzahl der Teammitglieder, vor allem bei Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften.

Aber eine reine Vergrößerung einer Gruppe bringt natürlich nicht automatisch den Erfolg. Eine wichtige Rolle spielt auch das wachsende Netzwerk, das sich mit der Zeit zunehmend aus den Verbindungen der wechselnden Mitglieder ergibt. Isolierte Teams arbeiten weniger erfolgreich, als gut vernetzte.

Viel alte Hasen und etwas Frischfleisch

Die mathematischen Modellrechungen der Wissenschaftler ergaben, dass zu einem beträchtlichen Teil bewährte Veteranen in einem Team bleiben sollten, um die Erfahrungen zu bewahren. Andererseits ist eine Öffnung nötig, um nicht in alten Strukturen zu verkrusten, sondern innovative Impulse aufzunehmen. Ein Team, das nur aus alten Freunden besteht, neigt dazu, nur noch wiederzukäuen. Ein Team aus lauter Anfängern gerät schnell in Konflikte und zerfällt. Schlicht gesagt besteht das Rezept für den Erfolg in der Mischung von altem und neuem Blut. Wobei der Anteil der "alten Hasen" hoch sein sollte, selbst wenn sie noch nie vorher zusammen gearbeitet haben.

Als herausragendes positives Beispiel nennt das interdisziplinäre Team um Guimera das Musical [extern] West Side Story, das 1957 uraufgeführt wurde und seither erfolgreich durch die ganze Welt tourte. Produzent und Regisseur [extern] Harold Prince hatte bereits mit dem Texter [extern] Stephen Sondheim zusammen gearbeitet, der Choreograf [extern] Jerome Robbins kam mit viel professioneller Erfahrung neu dazu und der Komponist [extern] Leonard Bernstein war auf dem Broadway ein kompletter Neuling. Zusammen wurden sie ein extrem erfolgreiches Dream-Team.

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Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19996/1.html

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