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Genetische Manipulation vor 5000 Jahren?

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Genetische Manipulation vor 5000 Jahren?

Rollsiegel sind kleine runde Zylinder, zwischen einem und drei Zentimeter lang, die vor ca. 5000 Jahren in Mesopotamien dazu verwendet wurden, die Authentizität von Nachrichten oder Waren zu gewährleisten. Man rollte den mit einem Relief (heute würde man sagen Piktogramm) verzierten Zylinder über ein Stück weiches Wachs oder Lehm, das am Verschluß befestigt war. Dadurch übertrug sich das Bild auf die Unterlage - und bescheinigte durch seine Unverletztheit die Echtheit eines Briefes, die Qualität eines Weines etc.

Jeder Mensch, der Handel trieb oder sonstwie offiziell mit seinen Mitmenschen verkehrte, hatte sein eigenes Siegel. Die Reliefs auf den Siegeln waren sehr fein gearbeitet und stellten Szenen oder Sachverhalte dar, die in der Regel mit dem Besitzer des Siegels zu tun hatten. Aus den unzähligen Rollsiegelfunden können die heutigen Archäologen daher sehr gute Rückschlüsse auf die damaligen Lebensumstände ziehen.

In einem archäologiscvhen Museum im Mittelmeerraum stieß ich vor einigen Jahren auf das hier abgebildete Rollsiegel. (Ich sage nicht, um welches Museum es sich handelt, da ich befürchte, das Exponat könnte spurlos in den Archiven verschwinden, wenn es bekannt wird.) Soweit ich weiß, hängt es immer noch in seinem Schaukasten.

Das Piktogramm auf diesem Rollsiegel ist mehr als nur kurios. Es stellt verschiedene Möglichkeiten gentechnischer Manipulation dar. Die Hauptfigur ist ein Mann, der auf einem Hocker sitzt und sich am Geschlecht einer Gazelle zu schaffen macht. Hinter ihm steht ein etwas seltsames Wesen, das ihn zu beraten scheint, (hinter dem noch eine weitere Figur steht, ein Wesen mit Flügeln und einem sehr merkwürdigen Kopf).

Wenn auch die Bedeutung dieser beiden Figuren rätselhaft ist, so ist doch um so klarer dargestellt, was der Mann mit der Gazelle macht. Man beachte die unmißverständliche Darstellung eines Chromosoms über der Gazelle und die zwei Gazellen links (die an die "Vorher - Nachher"-Bilder erinnern, die bei Haarwuchsmitteln so beliebt sind). Die zwei Gazellen haben (im Gegensatz zur ersten) krumme Hörner und ganz unterschiedliche Nasen. Und die in sich selbst verschlungene Girlande über den beiden Gazellen erinnert seltsam an die DNS-Doppelhelix.

Im oberen Teil des Bildes wird das Thema noch weiter ausgeführt. Rechts im Bild ein Löwe, neben ihm ein Menschenkopf. Im nächsten Bild sitzt der Menschenkopf auf dem Löwenkörper. Wie das zustande kommt, verraten zwei kleine Piktogramme dazwischen: wieder ein Chromosom, und darüber eine Hand (wohl am Treffendsten zu übersetzen mit "genetische Manipulation").

Die nächste Figur links kann ich nicht recht deuten. Der geflügelte Löwe ganz links hingegen stellt offensichtlich ein komplexeres Ergebnis gentechnischer Bemühungen dar. In vielen alten Sagen und Legenden wird von Schimären berichtet, von Mischwesen, die sich aus tierischen und menschlichen Teilen zusammensetzen. Die bekanntesten Schimären sind die Sphinxen und Zentauren, der Minotaurus und die geflügelten Löwen der Assyrer. Es gibt noch unzählige andere. Man könnte sagen: viel Rauch, aber kein Feuer ...

Das vorliegende Rollsiegel rückt diese Thematik in ein neues Licht. Es stellt nicht nur "Fabelwesen" dar, sondern dokumentiert konkretes Wissen um das Zustandekommen solcher Wesen. Die Darstellung eines Chromosoms und der DNS, das Bild des Mannes, der am Geschlecht der Gazelle manipuliert, die "Vorher-Nachher"-Abbildungen von Gazellen und Löwen - das ist alles viel zu konkret, um als symbolische Darstellung verharmlost zu werden. Dieses Rollsiegel wirft die Frage auf, wieviel die damaligen Menschen tatsächlich über Genetik und die Möglichkeiten der Einflußnahme auf das Erbgut wußten. Und woher? (Die Einflüsterer sind beide eindeutig nicht menschlicher Natur.) Wie konnte die Abbildung auf diesem Rollsiegel entstehen? Sie verrät ein Wissen um Dinge, an das wir uns heute vorsichtig herantasten - und ist aus diesem Grunde hochaktuell.

Telepolis hat sich freundlicherweise bereit erklärt, dieses Rollsiegel im Internet zu veröffentlichen. Möglichst viele Menschen sollen es zu Gesicht bekommen - und sich um eine Deutung bemühen. Vielleicht gibt es tatsächlich eine andere Deutung, als die von mir vorgeschlagene. Aber weder ich noch die Menschen, die das Bild bisher studiert haben, konnten darin etwas anderes lesen als einen überdeutlichen Hinweis auf genetische Manipulation. Ich hoffe, daß um dieses Bild herum eine lebhafte Diskussion entsteht und bin gespannt auf die Reaktionen.

[mailto] George Pennington

Vorspann
Genetische Manipulation vor 5000 Jahren?

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Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/2/2178/2.html

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Kommentare lesen
Wer Augen hat.... (Ute T. 29.11.1999 14:16)
ja sicher doch (mark 22.11.1999 23:35)
Bis... (RAM 22.11.1999 21:44)
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