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Implantierte Chips für die Prominenten

Florian Rötzer 11.10.1998

Die Reichen und Berühmten könnten aber nur die ersten Versuchsobjekte sein

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Prominente stehen an der Spitze der Aufmerksamkeitsökonomie und besitzen in aller Regel einiges an Geld. Deswegen sind sie auch das Ziel von Entführern und umgeben sich und ihre Familien mit Leibwächtern. Das ist nicht nur angenehm. Auch ihre Häuser werden zu Festungen umgebaut. Nicht zuletzt wegen der Prominenten und Reichen boomt die Sicherheitsindustrie. Im letzten Jahr stellte die Entführungsbranche mit weltweit über 1400 Kidnappings einen Rekord ein. Seit 1990 ist sie um 60 Prozent gewachsen.

Ist aber jemand erst einmal erfolgreich entführt, so ist sein Aufenthaltsort unbekannt, wenn sich die Kidnapper nicht allzu ungeschickt angestellt haben. Die Firma Gen-Etics also hat sich gedacht, wie die [extern] Sunday Times berichtet, warum man mit dem Global Positioning System nicht auch den Aufenthaltsort von entführten Menschen feststellen sollte, wenn man dies mit gestohlenen Autos schon macht. Man implantiert den Entführungsgefährdeten einfach einen Chip unter die Haut, der Signale sendet. Über das GPS läßt sich dann ziemlich genau der Aufenthaltsort des Opfers herausfinden - und man kann versuchen, die Entführer zu überrumpeln.

Erfunden hat den Chip offenbar der israelische Geheimdienst Mossad für seine Agenten. Gen-Etics hat den Chip für den Markt nur weiter entwickelt und ihn zu Testzwecken bereits 43 Europäern und zwei Amerikanern eingepflanzt, deren Identität aber nicht preisgegeben wird. Implantiert wird er unter einer leichten Betäubung, so daß die Träger selbst nicht wissen, wo er sich befindet. Nur eine winzige Narbe sei sichtbar. An Fingern, Nasen oder Ohren werde er nicht angebracht, da diese Körperteile von Entführern manchmal als Beweis abgeschnitten und den Familienangehörigen zugeschickt werden. Der Chip ist nur 4 x 4 mm groß und besteht aus synthetischen und organischen Materialien. Für Röngenstrahlen sei er nicht sichtbar. An Energie benötigt er vier Milliampere, die er aus dem Körper bezieht. Eine Batterie ist also nicht nötig. Und wenn der Chip keine Signale mehr sendet, kann man davon ausgehen, daß der Träger tot ist, weil sein Körper keine Energie mehr liefert.

Die Firma sieht einen Markt für die Chips bei Prominenten, Politikern, Reichen und Managern, die sich an Orte begeben müssen, an denen die Wahrscheinlichkeit einer Entführung besteht. Allerdings werden die Kidnapper auf solche Gadgets entsprechend reagieren. Sie werden ihre Opfer genauestens absuchen und den Chip entfernen, ihre Verstecke sichern oder sie so abschirmen, daß die Signale nicht mehr zu den Satelliten gelangen.

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Wahrscheinlich aber sind die Prominenten gar nicht der Markt für solche Chips. Möglicherweise dienen sie nur als freiwillige Testpersonen und helfen mit ihrem Geld, solche Überwachungsgadgets als billige Massenware herzustellen. Schließlich wären die Chips eine wunderbare elektronische Fessel, die zur Entlastung der Gefängnisse dienen könnte. Oder man implantiert sie gleich Wiederholungstätern, um sie vor neuen Verbrechen abzuhalten.

Siehe auch: [local] Chip im Arm - Ein Wissenschaftler als Publicity Stuntman.

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