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Listige Parasiten

Florian Rötzer 16.09.2005

Eine große Assel frisst zuerst die Zunge seines Wirtsfisches auf und lebt dann als Zungenersatz im Mund

Parasiten gibt es in vielen Formen. Ebenso viele Methoden gibt es, wie sich Parasiten bei ihren Wirten einnisten. Eine gewisse Einmaligkeit kann wohl die zu den Asseln (Isopoda) gehörende Cymothoa exigua für sich in Anspruch nehmen. Sie ist der einzige bekannte Parasit, der einen Körperteil bei seinem Wirt ersetzt (allerdings gibt es weitere [extern] Asselarten, die sich bei anderen Wirtsfischen an die Stelle der Zunge setzen, andere klammern sich nur an der Zunge fest).

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Bislang waren die Cymothoa exigua nur aus dem Golf von Kalifornien bekannt. Die im ausgewachsenen Alter einige Zentimeter großen Asseln leben im Mund ihres Wirts anstelle von dessen Zunge. Dabei handelt es sich um den Roten Schnappen (Lutjanus guttatus), der zu den barschartigen Fischen zählt. Der Parasit frisst die Zunge des Fisches auf und setzt sich dann am verbleibenden Stummel fest.

Auf einen flüchtigen Blick kann der Parasit dann als Zunge verwechselt werden. Tatsächlich ersetzt er auch auf mechanische Weise mit seinem Körper und nach vorne gerichteten Augen die Zunge und ist so immer ganz vorne dran, wenn sein Wirt eine neue Beute gemacht hat. Offenbar scheint es für den Wirt besser zu sein, die Assel als Zunge zu haben, als keine mehr zu besitzen.

Die Assel gelangt als Larve in den Mund des Fisches und klammert sich mit Krallen an der Zunge fest. Sie ernährt sich vom Blut aus der Zunge und frisst mit, was der Fisch als Beute gemacht hat. Mit zunehmender Größe ersetzt sie einen immer größeren Teil der Zunge, bis nur noch ein Stummel übrig ist. Im weiteren Leben profitiert er von seinem Wirt, ohne ihn zu töten. In einer weiteren Besonderheit scheint die Assel zunächst männlich zu sein, aber dann zu einem Weibchen zu werden.

Wie BBC [extern] berichtet, ist nun erstmals ein solcher Parasit auch bei einem Roten Schnappen gefunden worden, der in einem britischen Fischgeschäft gekauft wurde. Der Käufer hatte den Parasiten beim Kochen entdeckt und offenbar angeekelt zum Museum gebracht. Ob der Parasit aus der Nordsee oder aus dem Golf von Kalifornien stammt, ist nicht bekannt. Möglicherweise ist er weiter verbreitet, als man bislang dachte. Auf jeden Fall erhält er einen Platz im [extern] Horniman Museum in London. Andere Fische als den Roten Schnapper oder gar andere Lebewesen befällt Cymothoa exigua übrigens nicht.

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Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20954/1.html

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Kommentare lesen
Aua (schwachkopf 26.9.2005 22:08)
Frage (Otho 19.9.2005 21:11)
der Fisch muß nicht sprechen - ist ja schließlich kein Babelfisch ! ;-) (GF 18.9.2005 19:43)
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