Pandora macht's möglich
Ernst Corinth 31.12.2005
Telepolis Radio ist jetzt online
Darauf hat zwar nicht die Welt, aber unsere Leserschaft bestimmt gewartet. Telepolis unterhält in Zukunft nicht nur durch bekanntlich fein formulierte und fehlerfreie Texte, sondern auch mit musikalischen Klängen. Wer auf diesen
Link klickt, der kommt auf die Seite des Telepolis Radios, ein Sender, der genau das spielt, was unsere Leser mögen, wenn sie es zuvor dort eigenhändig eingeben.
Hinter dieser Spielerei verbirgt sich aber ein durchaus ernsthaftes Projekt, das am 6. Januar 2000 von Musikern und musikverrückten Computerfreaks gestartet wurde. Unter dem Titel "The Music Genome Project" (siehe:
Datenbank für 'Gene der Musik') versuchen sie ganz ähnlich wie bei dem Projekt zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms die signifikanten Bestandteile eines Musikstückes herauszufiltern und zu katalogisieren. In den letzten knapp sechs Jahren haben sie die Musik von mehr als 10.000 Künstlern analysiert und entstanden ist dabei eine Datenbank für "Gene der Musik".
Auf der Seite
Pandora.com hat nun jeder spielerisch ugriff auf diese Datenbank. Das heißt: jeder kann dort eine "Radiostation" eröffnen, dafür gibt er zuvor seine Lieblingsstücke oder –musiker in eine Maske ein. Aber nicht nur die werden dann abgespielt, sondern Pandora sucht in der Datenbank nach Titeln, die eine ähnliche Struktur haben wie die vorgeschlagenen Stücke. Wer Lust hat, kann diese Vorschläge dann kurz bewerten. Dadurch arbeitet Pandora zunehmend effizienter, weil es im Verlauf der Zeit den Geschmack des Nutzers ja immer besser kennen lernt.
Das klingt kompliziert, ist aber ganz einfach, macht vor allem Spaß. Und kostet nichts. Dennoch muss man sich nach einer Weile mit Angabe der E-Mail-Adresse und der Postleitzahl dort registrieren, weil Pandora aus Lizenzgründen nur amerikanische Musikfreunde bedienen darf. Was allerdings kein Hindernis ist, weil meine T-online.de-Adresse und meine hannoversche Postleitzahl problemlos akzeptiert wurden. Wir sind halt alle irgendwie Amerikaner.
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Was mein erstes Radio-Versuchsobjekt, das "Netzgeflüster-Radio", spielt, klingt zumindest in meinen Ohren erstaunlich gut, obwohl ziemlich viele unbekannte Gruppen und Sänger dabei sind. Nur einmal habe ich mich richtig erschrocken, als plötzlich Gerd Schröders Hausband "The Scorpions" dort dudelte. Und das war dann auch der Grund für die Gründung des "Totalen Schrott Radios". Wem ein Lied besonders gut gefällt, der kann es übrigens mit einem Klick sofort bei iTunes oder Amazone kaufen.
Von diesem Projekt – hoffen jedenfalls die Betreiber – könnten zukünftig unter anderem Musikhändler profitieren, die dadurch Kunden recht zielgenau neue oder noch kaum bekannte Gruppen empfehlen können. Aber auch kleine und unabhängige Plattenlabel können dieses Projekt nutzen, wenn sie ihre noch unbekannten Gruppen in die Datenbank einbinden lassen. Und natürlich lassen sich damit auch zielgruppenorientierte Musiklisten zusammenstellen, mit denen man anschließend den Leuten in Kaufhäusern und Supermärkten das Fürchten lehren kann.