Vom Missbrauch der Wissenschaft
Christian Gapp 13.02.2006
Evolutionsgegner polemisieren mit pseudo-wissenschaftlichen Behauptungen gegen die Wissenschaft
In diesem ersten Teil der vierteiligen Telepolis-Serie zum Thema "Evolution" wird versucht, immer wiederkehrende Kernargumente und Argumentationsstrategien der Evolutionsgegner heraus zu arbeiten. Der zweite Teil wird sich mit den gängigen Trugschlüssen von Zeitgenossen auseinander setzen, die von sich selbst behaupten, auf Seiten der Evolutionstheorie zu stehen - und die doch in Wahrheit nur Missverständnisse kolportieren und Mythen nachjagen. Der dritte Teil widmet sich der Wissenschaftstheorie, insbesondere den Vorstellungen von Thomas S. Kuhn ("Paradigmenwechsel"). Die Naturwissenschaftler nahmen seine Thesen zwar zunächst begeistert auf, inzwischen mehren sich jedoch die kritischen Stimmen. Kuhns Thesen stärken zudem die Position der Gegner der Evolutionstheorie. Der vierte und letzte Teil wird sich dem Minenfeld zwischen Religion und Evolutionstheorie widmen.
 |
| Charles Darwin in einer Karikatur von Evolutionstheoriegegnern |
1981 erschien Hoimar von Ditfurths Buch "Wir sind nicht nur von dieser Welt". Ein ungewöhnlicher Titel für einen Autor, der in den 1970er und 80er Jahren der vielleicht profilierteste deutschsprachige Wissenschaftspublizist war, der vehement für die Darwinistische Evolutionstheorie als Tatsache eintrat. Im oben erwähnten Buch versuchte er, einen Brückenschlag zwischen Religion und Wissenschaft zu skizzieren, basierend auf in der Wissenschaft allgemein akzeptierten Erkenntnissen und nicht aufgrund von tendenziell religiösen Interpretationen, die nur als "wissenschaftlich" verkauft wurden.
Zwar gab es auch damals schon die als "Kreationisten" bezeichneten christlichen Hardliner, die vehement und diskursresistent gegen die Evolution zu Felde zogen. Aber diese Gegner stellten für von Ditfurth nicht viel mehr als eine Randgruppe dar. So erschien es für ihn als gläubigen Menschen an der Zeit zu sein, mit konkreten Vorschlägen von Seiten der Wissenschaft auf die Religion zuzugehen. Von seinem bemerkenswerten Ansatz wird im dritten Teil dieser Telepolis-Reihe noch ausführlich die Rede sein.
Der Ausgangspunkt in diesem ersten Teil ist die schlichte Feststellung, dass wir heute, 25 Jahre später, wieder massivste - und bedauerlicherweise oft erfolgreiche - Angriffe seitens religiös motivierter Gruppierungen gegen die Evolutionstheorie erleben. Damals spielten vor allem christliche Hardliner eine Rolle, heute sind es christliche und islamische Gruppen, die mit praktisch deckungsgleichen Argumenten gegen Darwins Evolutionstheorie und "den Materialismus" zu Felde ziehen. Die Attacke wird zwar mit neuen Begriffen wie dem des "Intelligent Design" geführt, aber nicht mit wirklich neuen Argumenten, selbst wenn heute der Begriff "Gott" von den Gegnern der Evolutionstheorie fast immer vermieden wird. Die Auseinandersetzung findet somit auf einem immer noch erschreckend niedrigen Niveau statt, und zwar auf einem, das seinerzeit von Ditfurth für schon überwunden gehalten hatte.
Anzeige
 |
|
Ermattete Naturwissenschaftler
Manche Naturwissenschaftler scheinen in den letzten 10-15 Jahren des unproduktiven Streits müde geworden zu sein. Es ist auch nur zu verständlich, wie nervig es ist, über die Jahrzehnte immer wieder dieselben Begründungen vorbringen zu müssen, wieso ein verschlungenes Molekül wie das Cytochrom c oder ein komplexes Organ wie das menschliche Auge entstehen konnten, ohne dass ein zielgerichtet vorgehender Schöpfer beteiligt gewesen war. Nicht zuletzt diese momentane Schwäche war das Einfallstor der zunächst vom
Discovery Institute promovierten These des "Intelligent Design" (ID).
Rein taktisch versuchen sich moderne ID-Anhänger von klassischen Kreationisten abzusetzen, indem sie den direkten Genesis-Bezug formal aufgeben und nur noch argumentieren, es gäbe "ganz offensichtlich wissenschaftliche Beweise" für die Existenz eines nicht näher definierten "intelligenten Designers". Diese vermeintlich vorsichtige Argumentation erweckt den Anschein einer wissenschaftlichen Hypothese, und schon ist der Boden bereitet für die Behauptung, die ID-Theorie konkurriere wissenschaftlich auf Augenhöhe mit der Evolutionstheorie.
Grundsätzliche Probleme der Wissensvermittlung
Darwins Evolutionstheorie und die Auseinandersetzungen um sie sind inzwischen fast 150 Jahre alt. Es ist nicht nur praktisch unmöglich, alle Gegenargumente an dieser Stelle entkräften zu wollen. Es macht auch methodisch keinen Sinn, denn offensichtlich ist es den Anhängern der Evolutionstheorie in all den Jahren nicht endgültig gelungen, die Einwände dauerhaft zu widerlegen. Das ist erstaunlich, denn schon wenige Jahre nach der Erstveröffentlichung von Darwins epochalem Werk "The Origin of Species" im Jahre 1859 war sich die Fachwelt einig in der Akzeptanz nicht aller, aber wesentlicher Aussagen seiner Theorie (mehr dazu in Teil 2).
Dies hat sich bis heute nicht nur nicht geändert, sondern all die Entdeckungen, die zu Zeiten Darwins noch nicht einmal erahnbar waren - beispielsweise die Kontinentenwanderung als ein Motor des Artenwandels, die Funktionsweise von DNA und RNA oder das wahre Alter der Erde - haben seine Ansichten fulminant bestätigt und seine Evolutionstheorie zur wohl bedeutendsten wissenschaftlichen Erkenntnis überhaupt gemacht. Wenn es also weiterhin nicht nur vehemente Widerstände gegen sie gibt, sondern wenn weite Teile (auch der deutschen) Bevölkerung Umfragen zufolge keine Darwinisten sind, dann müssen nicht nur Probleme bei der Wissensvermittlung, sondern vor allem psychologische Erkenntnisbarrieren eine Rolle spielen.
Im Folgenden werden drei "kondensierte" Kernbehauptungen von Evolutionsgegnern präsentiert. Sie werden, so oder so ähnlich, seit langem von den Gegnern der Evolutionstheorie ins Feld geführt. Die Argumente sind in unterschiedlichem Differenzierungsgrad anzutreffen aber gleichen sich sehr stark, egal, ob von christlichen oder islamischen Standpunkten ausgegangen wird.
Zunächst jedoch eine Klarstellung: Die beiden Begriffe "Evolution" und "Evolutionstheorie" werden von mir ausschließlich im Sinne der Darwinistischen Evolutionstheorie verwendet (eine genaue Definition folgt im zweiten Teil). Zwar stammt der Begriff "Evolution" schon aus dem 18. Jahrhundert, doch erst Darwin entwickelte eine wirklich konsistente Theorie, die heute das Fundament nicht nur der gesamten Biologie darstellt, sondern weit darüber hinausgeht. Zwar behaupten ID-Anhänger und Repräsentanten der katholischen Kirche, wie beispielsweise der Wiener Kardinal Schönborn, auch sie selbst hätten gegen einen gewissen Artenwandel nichts einzuwenden. Aber dieser ist infolge des von ihnen angenommenen Wirkens eines Designers völlig sekundär. Ihr Eingeständnis, Arten könnten sich verändern, ist somit ein rein taktisches und für ihr Weltbild nicht von Bedeutung. Sie sind Gegner der Evolution.
Menschen sind die einzigen Lebewesen auf der Erde, die bewusst schöpferisch tätig sein können und dies mit kausalem Handeln verbinden. Egal, wie unterschiedlich die individuelle schöpferischen Potenz auch sein mag zwischen Hobbymaler und Picasso, Rätselfreund und Einstein, für jeden von uns ist das "Erschaffenkönnen" ein selbstverständlicher, gewohnter Bestandteil unserer Fähigkeiten. Wir bauen eine Kamera zu dem Zweck, Bilder zu erstellen. Also gehen wir selbstverständlich davon aus, dass ein Kamera-analoges Organ wie unser Auge zu dem Zweck erschaffen wurde, uns sehen lassen zu können. Somit entpuppt sich das Argument, die Entstehung komplexe Organe bedürften offensichtlich eines Schöpfers, vor allem als ein unkreativ-engstirnig anthropozentrisches.
Kulturhistorische Amnesie
Das wirklich Erstaunliche an dem Design-Argument ist, dass es zwar heute als neu verkauft wird, in Wahrheit jedoch viel älter ist als die Evolutionstheorie. Die naturalistische Biologie des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts fußte darauf. Es war der Versuch, mit naturwissenschaftlichen Mitteln das Vorhandensein von Design und Zielgerichtetheit nachzuweisen, und somit Gott selbst. Naturalismus und Theologie gehörten zusammen. Daher musste jemand, der Biologe werden wollte, ganz selbstverständlich auch Theologie studieren. So erging es übrigens auch Charles Darwin. Er war kein Theologe aus Neigung, wie immer wieder behauptet wird, sondern jemand, der notgedrungen theologische Fächer belegen musste um sich mit dem zu beschäftigen, was ihn interessierte: die Biologie.
Im 18. Jahrhundert schon hatte der Philosoph David Hume die grundsätzlichen Widersprüche in teleologischen Denkmodellen aufgezeigt (
Hume und Paley). Aber dies blieb lange Zeit ohne größere Wirkung und so veröffentlichte davon unbeeinflusst William Samuel Paley 1802 sein naturalistisches Standardwerk "Natural Theology". Darin stellt er sein berühmtes Uhrmacher-Argument auf. Es ist bis heute die Blaupause jedes Design-Arguments (
Natural Theology).
Die Evolutionstheorie versetzte der naturalistischen Theologie nach Humes philosophischen Einwänden den endgültigen Todesstoß. Dass die naturalistische Theologie in Form des Intelligent Design heute als Untote fröhliche Urstände feiert, ist somit ein Anachronismus, der nur mit weit verbreiteter kulturhistorischer Amnesie und bewusster, ideologischer Ignoranz erklärt werden kann, denn die Design-Argumente sind heute so nachweislich falsch wie 1802 oder 1859.
Es gibt keine perfekten Organe
Zum Abschluss dieses Themas noch ein biologisches Gegenargument. Die angeblich so perfekten Organe, wie das menschliche Auge, sind in Wahrheit alles andere als perfekt. Zumindest, um beim Beispiel des Auges zu bleiben, gemessen an den optischen Möglichkeiten, die physikalisch definierbar sind.
Auch das Auge ist nicht mehr als ein durch Zufall und Notwendigkeit geformtes, effizientes und rationelles Überlebensinstrument: Es liefert das, was zum Überleben notwendig ist, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dies schließt systemimmanente "Fehler" ein (gemessen an einem "perfekten" Organ). Beispielsweise können Frauen ausgesprochen differenziert Farben wahrnehmen. Es gibt Hinweise, dass manche Frauen sogar vier Grundfarben wahrnehmen können, nicht nur die bekannten drei. Aber etwa 10% der Männer sind farbenblind. Mit Nachtblindheit jedoch haben vor allem Frauen zu kämpfen. Diese willkürliche Verteilung von Fehlern wäre sehr merkwürdig für den angeblich ach so intelligenten Designer.
Dieses Argument greift geschickt zwei Begriffe auf - Zufall und Komplexität - zu denen wohl die meisten Menschen intuitiv-dezidierte Ansichten haben. Spontane Meinungsäußerungen wie "den Zufall gibt es nicht" sind immer wieder anzutreffen. Die physikalischen Aussagen der Quantenmechanik, in der - trotz intensiver, gegenteiliger Bemühungen - keine verborgenen, deterministischen Parameter entdeckt werden konnten, sondern nur der "reine Zufall", spielen für solche Meinungen offensichtlich keine Rolle.
Das Kreuz mit dem Zufall
Es gibt inzwischen handfeste Belege dafür, dass Menschen grundsätzliche wahrnehmungsphysiologische und begriffliche
Probleme mit dem Zufall haben. Es ist ihnen beispielsweise praktisch unmöglich, Folgen von Zufallszahlen zu erzeugen. Werden Probanden aufgefordert, hinreichend lange Zufallsfolgen aus Nullen und Einsen zu erzeugen, so generieren sie beispielsweise die ihnen besonders unwahrscheinlich erscheinende Sequenzen wie "1111" oder "00000" weitaus seltener, als es der mathematische Zufall tun würde. Untersuchungen von Peter Brugger an der Universität Zürich haben zudem gezeigt, dass Probanden detaillierte "Gesetze" für ihnen präsentierte Szenarien erfinden, die in Wahrheit jedoch rein zufällig erzeugt worden waren. Der Zufall kommt in unserem aktiven und passiven psychologischen Repertoire nicht vor - also lehnen viele Menschen sein Auftreten und seine Relevanz spontan ab. Leichtes Spiel für Evolutionsgegner.
Es ist zu vermuten, dass genau wegen dieser psychologischen Grundeinstellung die Argumente der Verteidiger der Evolution bei vielen Menschen einfach ins Leere laufen. Die Evolutionswissenschaftler versuchen meist, rational aufgrund der biologischen Faktenlage zu argumentieren. Die unbewussten, psychologischen Hürden, die bei den Gegnern erst einmal überwunden werden müssten, damit diese überhaupt in der Lage sind, sich auf rationale Argumente einzulassen, sind meist gar nicht bekannt.
Komplexität und Zufall
Ähnlich ist es mit dem Begriff der "Komplexität", der jedoch erst im Zusammenhang mit dem Zufall seine volle antievolutionäre Bedeutung entfalten kann. Michael J. Behe, ein Vorreiter des der ID-Bewegung,
argumentiert vorzugsweise mit der angeblich "nicht-reduzierbaren Komplexität" von Molekülen oder Zellen. Würde man nur einen Bestandteil, etwa eine Organelle, einer hoch entwickelten, eukaryontischen Zelle entfernen, so könne die Zelle nicht mehr existieren. Es sei also vollkommen ausgeschlossen, dass sich solche Zellen, wie von Darwin behauptet, schrittweise, aufgrund zufälliger Mutationen, entwickelt hätten. Sie müssten, um lebensfähig zu sein, von Anfang an alle Bestandteile komplett enthalten haben.
Ein seit Jahrzehnten immer wieder angeführtes Beispiel gegen die Evolution in diesem Zusammenhang ist die Komplexität des Cytochrom-c-Moleküls. Schon vor 25 Jahren widmete sich Hoimar von Ditfurth deshalb diesem Thema. Er widerlegte in seinem zu Beginn angesprochenen Buch die Behauptung, das Molekül hätte nicht durch evolutionäre Mechanismen entstehen können. Wohl gemerkt, er tat dies nicht in einem Buch, in dem er eine vehemente Attacke gegen die Kreationisten ritt, sondern in einem, in dem er als Wissenschaftler auf die Religionen zugehen wollte.
Ähnlich fällt die spontane, oberflächliche Bewertung von Anti-Evolutionisten aus, wenn es um komplexes Verhalten geht. Beispielsweise feierte der im letzten Jahr in die Kinos gekommene Dokumentarfilm "Die Reise der Pinguine" bei ID-Anhängern und Kreationisten vor allem deshalb
Erfolge, weil das merkwürdige, scheinbar selbstlose Verhalten der erwachsenen Pinguine "ganz offensichtlich zu komplex" sei, um evolutionär erklärbar zu sein. Diese Wahrnehmung ist jedoch vor allem der rational schwer nachvollziehbaren Machart des Filmes anzukreiden: Es ist eine unverzeihliche Schwäche des Films, dass die Pinguine in ihm vollkommen vermenschlicht dargestellt werden und die längst bekannten Mechanismen der Selektion, der sie unterworfen sind, und die ihr scheinbar so mysteriöses Verhalten verständlich machen, nicht einmal ansatzweise erklärt werden.
Im Original klingt dies dann beispielsweise so, wie auf der Internet-Seite des moslemischen Evolutionskritikers Harun Yahya (
Gott oder die Evolution?):
Yahya ist übrigens, wie seine christlichen Gesinnungsgenossen auch,
Verfechter des ID-Gedankens. Biologen führen, so wie der exponierte Evolutionsbiologe Ernst Mayr, gegen das Fossilien-Argument reflexartig den Archaeopterix ins Feld (dessen erstes Exemplar schon 1856 gefunden wurde, also drei Jahre vor der Erstveröffentlichung von Darwins "Origin"). Anatomisch zeigt Archaeopterix deutlich sichtbare Kennzeichen von Reptilien (Klauen, Zähne) und Vögeln (Federn, Flügel, großes Gehirn). Er ist der Prototyp eines Missing Link. Yahya weiß dies natürlich und so hält er dem entgegen:
Die anatomischen "Zwischenzustände" des Fossils, genau wegen derer der Archaeopterix den Status als Missing Link verliehen bekommen hat, werden von Yahya gar nicht erwähnt! Er pickt sich nur eine biologische Detaildiskussion heraus, die den meisten Laien gar nicht bekannt sein dürfte und die daher seine Bedeutung gar nicht richtig einordnen können. In ihr ging es um die Frage, ob Archaeopterix schon so selbstständig fliegen konnte wie ein moderner Vogel, oder ob er eher ein Baum erklimmender Segelflieger war, so wie heutige fliegende Hunde.
Es ging also nur um die untergeordnete Frage, ob Archaeopterix noch viel Reptil und wenig Vogel war oder schon viel Vogel und nur noch wenig Reptil. Die in den letzten zehn Jahren vor allem in China ausgegrabenen, umfangreichen Fossilienfunde zur Vogelevolution und zum Auftauchen von Federn bei zweibeinigen, definitiv nicht flugfähigen Raubsauriern, lässt Yahya, wie andere Evolutionskritiker auch, außen vor. Denn diese Fossilienfunde unterstützen das Gedankengebäude einer nicht-zielgerichteten Evolution nur zu deutlich.
An diesem Beispiel lassen sich zwei wesentliche Elemente in der Argumentationsstrategie der ID-Anhänger festmachen. Erstens sind die von ihnen vorgebrachten Behauptungen viel schneller und knapper zu formulieren, als sachlich zu widerlegen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sie meist dreiste Tatsachenbehauptungen darstellen. Zweitens wird ganz unverfroren behauptet, die Wissenschaft selbst liefere unwiderlegbare Beweise gegen Darwins Evolutionstheorie. Dies zielt ganz klar auf ein leicht zu beeindruckendes Laienpublikum, welches von der Naturwissenschaft vor allem einfache Ja-Nein-Wahrheiten erwartet.
Da die wirkliche Wissenschaft aber nicht so einfach gestrickt ist, kann von den Evolutionsgegnern leicht der Eindruck erweckt werden, als bildeten die Anhänger der Darwinschen Evolutionstheorie einen die wahren naturwissenschaftlichen Aussagen ignorierenden und unterdrückenden Geheimbund orthodox-dogmatischer Gralshüter. Davon wird im zweiten Teil dieser Serie noch die Rede sein müssen. In Wirklichkeit sind es jedoch die selektiv vorgehenden Gegner der Evolutionstheorie, die die Wissenschaft durch tendenzielle Sichtweisen missbrauchen.
Der Kardinal von Wien, Christoph Schönborn, verwehrte im letzten Jahr in einem Gastkommentar in der "New York Times" der Darwinistischen Evolutionstheorie gleich ganz den Status einer Wissenschaft. Er
schrieb:
Jedes Denksystem, das die überwältigende Evidenz für einen Plan in der Biologie leugnet oder wegzuerklären versucht, ist Ideologie, nicht Wissenschaft.
Aber was Wissenschaft ist und was nicht, das definiert die Wissenschaft selbst, niemand sonst. Schon gar nicht ein Kardinal von Gottes Gnaden.
Der zweite Teil trägt den Titel: " Auf dem Holzweg. Erklärte Anhänger der Evolution können so falsch liegen, wie Kreationisten"
 |
Grundlagenliteratur:
Charles Darwin: "The Origin of Species", 1st published 1859, reprinted by Penguin Books Ltd.
Hoimar von Ditfurth: "Wir sind nicht nur von dieser Welt", Hoffmann und Campe, 1981
Ernst Mayr: "What Evolution is", Basic Books, 2001
Philip Kitcher: "Abusing Science. The Case Against Creationism", MIT Press, 1982
|
 |
 |
 |