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Ernst Corinth 16.02.2006

Kunstprojekt zeigt die verbotenen Zonen dieser Welt

Es gibt weltweit Tausende von verbotenen Zonen. Orte, die man nicht betreten und nicht fotografieren darf, weil sie der militärischen oder nachrichtendienstlichen Geheimhaltung unterliegen. Mit diesen Orten beschäftigen sich seit fünf Jahren die in Berlin lebenden Schweizer Künstler Matthias Jud und Christoph Wachter. Sie haben Informationen, Bilder und Kartenmaterial über diese verbotenen Zonen gesammelt. Und das Ergebnis ihrer Arbeit kann man nun auf der Webseite [extern] Zone interdite im wahrsten Sinne des Wortes besichtigen.

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Auf einer Weltkarte sind etwa 1.200 dieser verbotenen Zonen mit grünen Punkten gekennzeichnet. Klickt man nun auf diese Punkte, erhält man eine kurze Beschreibung des jeweiligen Ortes. Ergänzt wird dies mit weiterführenden Links. Und wer zusätzliche Infos hat, kann diese dann den beiden Betreibern zumailen.

Dieses recht ungewöhnliche Vorhaben verstehen die zwei als Kunstprojekt, "das als Versuchsanordnung dient und für eigene Entdeckungen und Erforschungen offen steht". Unsere Wahrnehmung der Welt sei lückenhaft, heißt es dazu auf ihrer Netzseite. "Unsere Betrachtung folgt Spielregeln, die wir nicht selbst aufgestellt haben und deren Wirkungsweise wir kaum kennen. Immer wieder geraten wir an Schranken und stehen vor verbotenen Zonen. Ganze Inseln, Landstriche und Städte verschwinden als abgegrenzte Bollwerke der Macht in schwarzen Löchern."

Diese schwarzen Löcher wollen sie mit "Zone-Interdite" wieder mit Bildern, mit der Vorstellungskraft, der Spekulation und der kritischen Befragung auffüllen. "Die tabuisierte Zone", heißt es, "wird nun zum Terrain unseres Sehens und Denkens. Zone-Interdite erlaubt uns, eine kollektive Vorstellung, eine etablierte Gesellschaftsordnung und unser eigenes Verhalten bei der Betrachtung individuell und selbstkritisch zu reflektieren."

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Ein Kunstprojekt, das vermutlich in Militär- und Geheimdienstkreisen nicht auf Begeisterung stößt, schließlich unterliegen zuweilen sogar die Koordinaten der genannten Zonen der Geheimhaltung. Dennoch haben die zwei keine kunstsinnige Spionage betrieben, sondern einfach frei zugängliches Material – meist aus dem Internet – zusammengetragen. Darunter beispielsweise einen Link, der zu einer Seite führt, auf der ein amerikanischer Veteran des US-Stützpunktes Guantánamo nostalgisch von seiner Zeit dort schwärmt. Und der auf seiner [extern] Webseite pikanterweise ein Luftbild von Windmill Beach, dem Strandbereich des US-Stützpunkts auf Kuba, veröffentlicht hat.

Während die Informationen auf dem so genannten Level 1 von Zone-Interdite noch betont sachlich und knapp gehalten sind, hat die noch im Aufbau befindliche Zone 2 schon jetzt mehr zu bieten. Dort werden nämlich 3D-Rundgänge durch das Terrain von Guantánamo Bay und durch ein islamisches Ausbildungslager im Sudan angeboten, die man sich auf seinen PC herunterladen kann. Zusätzlich werden die Lager dort ausführlich beschrieben. Und in Zukunft wollen Matthias Jud und Christoph Wachter noch weitere virtuelle Rundgänge durch die verbotenen Zonen dieser Welt anbieten.

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Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22056/1.html

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Kommentare lesen
US-Unternehmen bezahlen für Reklameseiten eingebettet in TP-Artikel... (immerdagegen 17.2.2006 15:47)
iss klar! (travis_bickle 17.2.2006 12:35)
wo ist die original Ü? (bob_ross 16.2.2006 22:13)
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