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Das Ende der Mobilnetzbetreiber

Olaf Deininger 27.04.2006

WLAN, Wimax, gepushte E-Mails und Internet-Telefonie kratzen am klassischen Geschäftsmodell der Mobilnetzbetreiber. Das Ende einer Ära ist angebrochen

Das Ende der Mobilnetzbetreiber ist in Lennestadt zu besichtigen. Die Kleinstadt im nordrhein-westfälischen Kreis Olpe wird seit Sommer letztes Jahres nicht nur per Kabel mit Internet versorgt, sondern auch über ein drahtloses Netz. Die Heidelberger Firma [extern] DBD Deutsche Breitband Dienste bietet Internet und Telefon über den so genannten Wimax-Standard an. Viele Kunden gibt es dort noch nicht. Trotzdem dürfte die Quote der Mobilnetzkunden in der Kleinstadt demnächst unter den bundesdeutschen Durchschnitt fallen.

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Denn spätestens wenn Nokia und Motorola wie angekündigt zum Weihnachtsgeschäft die ersten Wimax-fähigen Handys auf den Markt bringen, wird kaum einer der Kids mehr über T-Mobile, Vodafone, O2 oder E-Plus telefonieren, sondern praktisch kostenlos übers Internet. Und zwar mit der ebenfalls kostenlosen Software Skype.

Hinter Wimax (Worldwide Interoperability for Microwave Access) verbirgt sich ein mobiles Übertragungsverfahren, das es erlaubt, mit einer Station einen Radius von 30 Kilometern mit Daten zu versorgen. Zwischen 10.000 und 60.000 Dollar kostet eine Wimax-Antenne im Schnitt. Das liegt wesentlich unter dem Preis für UMTS-Antennen. Die neue Technologie könnte sich als weiterer Sargnagel der Mobilnetzbetreiber erweisen. Doch nicht nur Wimax könnte sich als harter weil kostengünstigerer Konkurrenz erweisen. Denn die Mobilfunker stehen – immer neuen Technologien sei Dank – seit kurzem mächtig unter Druck.

Drahtlose Netze, so genannte WLANs, versorgen heute schon die Innenstädte praktisch jeder Großstadt mit kostenlosem Internetzugang. Handys mit entsprechender WLAN-Karte und dem Telefonprogramm Skype telefonieren übers Internet kostenlos. Und das stundenlang. In den USA bestreichen die öffentlichen WLAN-Netze mittlerweile zusammengenommen eine Fläche der Größe von Mexico. Anfang Februar stiegen Google, Skype sowie die Risikokapitalgeber Sequoia Capital und Index Ventures in das Unternehmen [extern] FON ein. Zusammen 18 Millionen Euro legten sie in die Kriegskasse des spanischen Start-Ups. Es will das größte WLAN-Hotspot-Netzwerk der Welt aufbauen. Als deutsche Chefin heuerte man die ehemalige Klosterschülerin, Ex-MTV-Chefin und 9Live-Gründerin Christiane Salm Prinzessin zu Salm-Salm. Eine Dame, die sich bislang in jedem Job konsequent durchgesetzt und reüssiert hatte.

Etliche Großunternehmen wie etwa Boing (156.000 Mitarbeiter) oder Behörden wie die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen (145 Dienststellen) lassen ihre Mitarbeiter mittlerweile übers Internet telefonieren. Bereits eineinhalb Millionen Haushalte telefonieren hierzulande bereits kostenlos übers Internet.

Content- und Technologie-Flop

Doch es gibt noch weitere Bedrohungen für die Mobilfunker: Gepushte E-Mails könnten in Kürze etwa der Cashcow SMS zu Leibe rücken. Der kleine GPRS-fähige Organizer Blackberry tut das heute schon und hat dafür gesorgt, dass sich SMS im Geschäftsleben nicht ganz so ungestört ausbreiten konnte. Jetzt hat auch Microsoft angekündigt in Kürze eine Technologie zum Pushen von E-Mails auf den Markt zu bringen. Wer schickt dann noch teure SMS? Vor allem, wenn die Mobiltelefone und Smartphones, die Handhelds und Organizer dann ohnehin internet-, wLAN-, wimax-fähig sind und auf ihren Festplatten oder Flash-Speichern beliebige Programme installieren lassen.

Auch die Hoffnungsträger der Mobilnetzbetreiber – wie etwa MMS – haben sich bislang nicht in der gewünschten Größenordnung durchgesetzt. Die Ausrüstung der Handys mit Kameras hat nicht etwa dafür gesorgt, dass nun wie wild Bilder über die Funknetze geschickt werden. Stattdessen stiegen die Investitionen in Kamera-Optik und Bildverarbeitung. Handys müssen es heute mit ausgewachsenen Digital-Kameras aufnehmen können. Das treibt die Preise der Hersteller, die wiederum von den Mobilnetzbetreibern bezahlt werden müssen. Denn die Geräte werden für Neuverträge immer noch subventioniert.

Auch die Investitionen in sicher geglaubte Content-Plattformen wie etwa iMode von E-Plus sind bislang jedenfalls nicht rückfinanziert und dümpeln weit vom Massengeschäft entfernt als Nischenanwendung vor sich hin. Eine Studie des Bundesverband Digitale Wirtschaft stellte kürzlich fest, dass für viele Datendienste kaum Bedarf bestehe.

Auch Mobil-TV, durch die WM zur großen Vision hochgejazzt, leidet noch an etlichen Kinderkrankheiten: Mal wieder sind die Standards nicht klar. Bedeutet für die Telkos: Gefahr von Fehlinvestitionen. Wer jetzt die falsche Technologie erwischt, etwa jene, die sich später doch nicht durchsetzt, hat bis er das merkt sehr viel Geld in den Sand gesetzt. Hinzukommt, dass sich das Normalfernsehen, wie es für 30er bis 90er Bildröhren, für Flatscreen und Beamer hergestellt wird, nicht fürs Handy eignet. Die Mini-Screens schlucken zu viele Bildinformationen, Fußballübertragungen wirken wie Kicken ohne Ball, denn man sieht das Leder nicht. Also raten Experten: Spezielles TV fürs Handy herstellen. Und das bedeutet wieder neue Investitionen. Und zwar solche, bei denen nicht klar ist, ob sie von diesem mobilen Mäusekino jemals wieder eingespielt werden. Die Prognosen sehen düster aus, finden auch etliche Studien.

Zum Content-Flop kommt ein Technologie-Flop: UMTS war ein alter Hut bevor die ersten Testnetze standen, schlicht von anderen Technologien abgehängt. Jetzt stellte sich auch noch heraus, dass UMTS für Handy-TV nicht geeignet ist und ein neuer Standard etabliert werden müsse. Sollte sich dabei DVB-H (Digital Video Broadcast Handheld) durchsetzen, ist man dabei ziemlich "nah am klassischen Fernsehen und das wollen wir über diesen Kanal auch weitestgehend ausstrahlen", meint Bernd Curanz, Geschäftsführer der Newmedia-Agentur Neva Media in Berlin. Als weiteren Umsatz-Dämpfer könnte sich die Tatsache erweisen, dass ab 2007 TV-Handy dann gebührenpflichtig sind und GEZ-Fahnder auch nach diesen Geräten schauen.

Auch das Marketing kommt nicht so recht in Gang: Einst als der Kanal gepriesen, mit dem man endlich wieder die Jugend erreichen kann, kommen nun erste Rückschläge: "Handy-Werbung hat es nicht leicht" titelte kürzlich das Neuen gegenüber stets aufgeschlossene Marketing- und Medienfachblatt Horizont. Nur eine Minderheit würde mobile Werbebotschaften akzeptieren.

Zusammengefasst: Die Tarife bröckeln, die Margen werden kleiner, das Volumengeschäft schmilzt ab. "Unser Kerngeschäft verreckt", erklärte kürzlich ein Vodafone-Mitarbeiter. Neue Erlösquellen sind weit und breit nicht in Sicht: Zukunftsweisende Produkte brauchen mitunter noch Jahre um profitabel zu werden, wenn sie denn jemals sein werden. Hinzukommen neue Wettbewerber wie Google oder Skype, die nicht nur jung, hungrig und aggressiv sind, sondern auch mit einer vollen Kriegskasse ausgestattet.

Vielen Mobilnetzbetreiber könnten sich so schnell im drögen Provider-Business wieder finden. Doch hier sind die Gewinnspannen klein, der Wettbewerb groß und der Markt durch unzählige Technologien stark fragmentiert. Als öde Datenspediteure sieht der Spiegel die Zukunft der Mobilnetzbetreiber. Die spannende Zeit ist vorbei, jammern viele T-Mobile-Mitarbeiter. Zu viel Schwarzmalerei? Kein Grund für einen Abgesang, kann man einwenden. Doch wie auch immer die Zukunft der Mobilnetzbetreiber aussieht, fest steht: Ihre Ära geht langsam zu Ende.

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Was sind die, was wollen die und was bekommt man? Eine Beteiligung wäre gerecht! (Tobias Claren 14.5.2006 0:19)
Was sind die und was wollen die und was bekommt man? Beteiligung wäre gerecht! (Tobias Claren 14.5.2006 0:16)
Das Ende der Mobilfunkanbieter liegt noch nicht an aber das Ende des unglaublich (democrat 30.4.2006 14:47)
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