Erweiterte Suche
Home
[Politik]
-Stasi 2.0
-Meinung
-Copyright
-Ökonomie
-USA
-Lateinamerika
-Orient
-Irak
-Politik & Wirtschaft
Wissenschaft
Energie & Klima
Kultur
Medien
Magazin
Anzeige
__topforum__

Vom Verschwinden des Lohnabstands

Die ALGII-Regelsätze reichen nicht für ein menschenwürdiges Leben!(Update)

"Waterboarding" als Erziehungsinstrument für Vorschulkind

Kirche und sexueller Missbrauch

Berechnungssätze verfassungswidrig

Drei Viertel aller Abhörmaßnahmen entsprechen nicht den gesetzlichen Anforderungen

__umfrage__

Hehlerei oder notwendige Verfolgung von Kriminalität?

Die Bundesregierung kann Daten von 1500 reichen deutschen Steuerhinterziehern kaufen. Darf und soll sie das?

"Keiner wird zur Verantwortung gezogen"

Florian Rötzer 17.12.2006

Der erst jetzt veröffentlichte Bericht eines britischen Diplomaten an der UN-Vertretung über die Kriegsvorbereitungen ist Anlass, über die Verantwortung für das Desaster im Irak nachzudenken

Niemand in der britischen Regierung habe an eine von Hussein ausgehende Bedrohung geglaubt. Zudem habe man die US-Regierung vor dem zu erwartenden Chaos nach einem militärischen Sturz des Regimes gewarnt. Das hatte Carne Ross in seiner [extern] schriftlichen Aussage für den vom britischen Premierminister Blair 2004 eingesetzten Untersuchungsausschuss unter Leitung von Lord Butler of Brockwell geschrieben. Bis jetzt blieb der Bericht von Ross, der in der entscheidenden Phase vor dem Irak-Krieg an der britischen UN-Vertretung arbeitete, geheim und wurde nun vom Ausschuss für Auswärtige Politik des britischen Parlaments erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wirklich Neues findet man zwar nicht darin, aber es ist ein Anlass, wenigstens einmal kurz auf die Verantwortlichkeit von Politikern hinzuweisen, wenn sie wider besseren Wissens und mit fast schon krimineller Energie durch Betrügen ein Desaster anrichten, ohne vermutlich dafür jemals zur Rechenschaft gezogen zu werden.

download   

Um den kurz nach den Anschlägen vom 11.9. geplanten Sturz des Saddam-Regimes mit militärischen Mitteln nach dem Intermezzo des Afghanistan-Krieges auch durchsetzen zu können, haben US-Präsident Bush und sein stets williger Helfershelfer Blair bekanntlich Beweise manipuliert und ihre Parlamente, die Bürger ihre Länder und die gesamte Weltöffentlichkeit vorsätzlich belogen. Obgleich schon vor dem Krieg das Lügengespinst in sich zusammen gefallen und vor den Folgen einer nicht gut vorbereiteten militärischen Intervention hinreichend – auch von den eigenen Geheimdiensten - gewarnt worden war, konnten die beiden Regierungen ihre Interessen auch deswegen so dreist durchsetzen, weil sich viele Regierungen und Politiker im In- und Ausland weggeduckt hatten und das Theater geschehen ließen.

Ross, der von 1998 bis 2002 an der britischen UN-Vertretung für den Nahen Osten und Sanktionen zuständig war, hatte Einsicht in die britischen und amerikanischen Geheimdienstberichte und stand in engem Kontakt mit den UN-Waffeninspektoren. Vor seiner Berufung hieß es bereits 1997, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen habe. Auch danach gab es dafür ebenso wenig Hinweise oder gar neue Beweise wie für die angebliche Verbindung mit al-Qaida. Darüber habe man bei internen Besprechungen auch kein einziges Mal gesprochen. Zudem hatte der Irak keine Luftwaffe mehr, die Armee sei nur noch ein kläglicher Schatten gewesen. Bis auf Israel habe keiner der Nachbarstaaten Ängste vor dem Irak geäußert. Eine Bedrohung der USA oder Großbritannien sei auch nicht vorhanden gewesen.

Nach seinem Wissen habe die britische Regierung keine Überlegungen über Alternativen zu einem Krieg angestellt. Man habe den Sicherheitsrat angelogen und mit dem Einmarsch nach den verhandelten Resolutionen illegal gehandelt. Das habe, zusammen mit den Verletzungen der internationaler Abkommen und der Menschenrechte im "Krieg gegen den Terrorismus, dem Ansehen Großbritanniens geschadet und die Vereinten Nationen geschwächt. Man habe nach der Maxime "Macht setzt Recht" gehandelt. So habe Großbritannien für die Resolution 1441 gerade dadurch geworden, dass sie keine Berechtigung zum Krieg enthalte und den Inspektoren mehr Zeit einräume. Selbst wenn die Resolution eine Autorisierung zum militärischen Eingreifen enthalten würde, müsste der Sicherheitsrat dies beschließen, was nicht geschehen ist. Daher sei die Invasion rechtswidrig erfolgt.

Anzeige

Ebenso bedenklich seien die schon länger vor der Invasion – und der Resolution – in zunehmendem Maße erfolgten Luftangriffe auf irakische Stellungen gewesen. Sie hätten bereits der Vorbereitung zum Krieg gedient. Gerechtfertigt wurden sie mit dem Schutz der Flugverbotszonen, die auch nicht vom Sicherheitsrat beschlossen, sondern eigenmächtig von Großbritannien und der USA eingerichtet wurden. Hingegen habe man keine Anstrengungen unternommen, die Löcher in den Sanktionen und dem Öl-für-Lebensmittel-Programm zu schließen, obwohl man wusste, dass damit das Hussein-Regime Gelder zur Stabilisierung seiner Macht erhielt. Die Unterbindung illegaler Exporte und die Verfolgung des Vermögens von Saddam wäre für Ross eine wirkliche Alternative zum Krieg gewesen, die man aber nie ausprobiert hätte. Vor dem Ausschuss [extern] bedauerte Ross, dass wohl für die in den letzten Jahren begangenen Fehler in der Außenpolitik und die Unterminierung der Menschenrechte niemand zur Verantwortung gezogen werde.


The last few years have been disastrous for British foreign policy, and no one is held to account. The edifice of human rights law and norms, which took half a century of careful work to construct, has been undermined by those who claim to defend it. Maybe 500,000 people have died in Iraq and the rage that fuels terrorism against us has been amply stoked. Meanwhile, the US/UK invasion of Afghanistan, which was legitimate under Article 51 of the UN charter (self-defence), is now risking failure, because too few troops were deployed in the first place. This was very evident from the beginning. When I served in Kabul immediately after the Taliban feel, I was told then by British officers that forces were being held back for Iraq—this was in April 2002. If this adventure fails too, our security will be endangered further. But perhaps worse is that we will have failed the inhabitants of both countries to whom we have both a legal duty—under the Geneva conventions—and moral obligation.

Der Sturz von diktatorischen und grausamen Regimen und der Aufbau von gerechteren, demokratischen Gesellschaften sind, wie auch Ross sagt, an sich begrüßenswert. Die "Befreier" haben aber eine moralische Verantwortung für die Folgen, zumal wenn sie – eigene Interessen und Verletzungen des Völkerrechts oder internationaler Abkommen einmal ganz beiseite gestellt - von außen militärisch eingreifen und das Land mit Krieg überziehen, unter dem auch die Zivilbevölkerung leidet. Sowohl in Afghanistan als auch im Irak haben die Kriege für die Menschen im Land bislang nicht zu einer Verbesserung ihres Lebens geführt.

Die Gründe dafür liegen auch in der mangelnden Kenntnis der Angreifer über die Länder, in die sie einmarschiert sind, und in der vorneweg verleugneten Verantwortung, weil man von dem naiven Glauben ausging, dass nach dem militärisch schnellen und relativ billigen Sturz der Regime alles von selbst in Ordnung käme, der Irak zudem aufgrund seiner Ölressourcen nicht nur die Mittel haben würde, den Wiederaufbau aus eigener Tasche zu zahlen, sondern er auch der Wirtschaft der Angreifer gute Geschäfte versprechen könne. Jetzt sterben im Irak Tag für Tag 100 Menschen und mehr, ist das Land in ein blutiges Chaos versunken und haben sich auch mit brutaler Gewalt durchgesetzte Machtstrukturen und Einflusszonen herausgebildet, die nicht so schnell einfach wieder verschwinden werden, während der Wiederaufbau stecken geblieben ist und viele Menschen in Armut und Angst leben, wenn sie nicht aus dem Land flüchten können. Blair und Bush haben derart fanatisch und mit verschlossenen Ohren für jede Kritik ihre aggressive Politik durchgesetzt. Eigentlich müssten sie für die Folgen auch persönlich geradestehen und sie nicht allein ihren Nachfolgern und den Bürgern ihrer Länder sowie der Weltgemeinschaft hinterlassen.

Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24241/1.html

Social Bookmarks: Mister Wong Yigg Oneview Folkd Delicious Digg

Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24241/1.html

artikel drucken artikel versenden
 
__tophits__

Vom Verschwinden des Lohnabstands

Deadly Weapons

Drei Viertel aller Abhörmaßnahmen entsprechen nicht den gesetzlichen Anforderungen

Der Chef der Vatikanbank kennt die Ursache der Finanzkrise

Dem Phantom Bin Laden auf der Spur

__feature__

Aufstieg und Fall der schweizerischen Banken

Unter Bankstern - Teil 3
 
Kommentare lesen
Die Verbrecher sind immer die anderen (Mr.Mustard 20.12.2006 21:30)
Der Link zu dem Video hat nur 1 Tag funktioniert. (Goesser 20.12.2006 7:06)
nicht zuletzt weil die USA das so herbeiführten (Otho 19.12.2006 21:37)
mehr...
 
   
 Copyright © Heise Zeitschriften Verlag Datenschutzhinweis Mediadaten Impressum Kontakt