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Hubert Erb 22.03.2007

Zur Ästhetik von MySpace-Seiten

Im Zeitalter des interaktiven Graswurzel-Internets 2.0 mit einem weltweit ständig wachsendem Anteil von Breitband-Flatline- Usern scheint auf den Cyberspace eine [extern] Umweltkatastrophe bisher ungeahnten Ausmaßes zuzurollen. Die ästhetische Ordnung des digitalen Mietrechts muss wohl dringend verschärft werden und MySpace hat ja anscheinend bereits auch [local] leicht übereifrig damit begonnen.

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Die Idee des Credos "Anyone can do it" fasziniert kulturbeflissene und basisdemokratisch-progressiv denkende Zeitgenossen spätestens seit der mythischen Punkrock-Explosion von 1976/77. Da aber aus "Anyone can do it" im Internet-Zeitalter ein "Anyone must view it" geworden ist, sieht man sich heutzutage auch einer rapide wachsenden Zahl zweifelhafter [local] digitaler Genüsse ausgesetzt. "Mehrheit ist der Unsinn", wusste schon der alte Libertär Friedrich Schiller kritisch anzumerken.

Gerade die Homepage-Sammelstelle [extern] MySpace stellt heute im Second Life vieler Internet-User neben Chat-Räumen und Foren einen zentralen Bezugspunkt dar. Auch klassische Medien zollen dem Phänomen ihren Tribut. In der Juni-2006-Ausgabe des US-Playboy gab es bereits fleischgewordene [extern] "Women of MySpace" zu bestaunen und auch ein Film namens [extern] "MySpace The Movie" wurde abgedreht.

Was darin zu sehen ist erfreut das Auge jedoch zweifellos mehr als die digitalen EinRaum-Wohnungen vieler Erdenbürger. Gemäß dem alten Motto "Lieber zuviel als zuwenig" des legendären Indie- Labels ZickZack versuchen ambitionierte UserInnen zum Teil ihre ganze Welt in Bildern auf eine Seite zu packen. Und befeuert durch diverse Spezialseiten wie [extern] Pimp MySpace oder [extern] Bigoo.ws mit Tools für MySpace- Amateure gelingt es ihnen meist nicht über eine krude Messie- Mischung aus Poesiealbum und chaotischem Jugendzimmer hinauszukommen. Selbst gestandene 45-jährige Frauen erweisen sich manchmal auch im Cyberspace als [extern] allzu junggebliebene Gänseblümchen-Zupfer und Konkurrentinnen pubertierender Töchter.

Es geht auch anders: Diese reife glamouröse MySpace-Matrone zeigt dem geneigten Besucher[extern]  in aller Ausführlichkeit wo die Melonen wachsen. Wer es noch etwas reifer mag bzw. sich für Gruftie-Schwarzkittel interessiert, die offensichtlich jahrzehntelang gut konserviert in Grüften verbracht haben (man vergleiche Alter und Foto), der begeistert sich für [extern] solch skurrile Seiten. Eine andere dunkle Lady überträgt ihre Lebenseinstellung bei der Gestaltung der [extern] MySpace-Seite fast zu sehr true to herself. Wenn man nur etwas sehen könnte....

Aber auch Männer haben so ihre Schwierigkeiten mit finsteren Neigungen. Manche zeigen sich – vermutlich nach dem Genuss von viel zuviel albanischem Gangster-Rap – unverblümt als spinnerte [extern] Waffennarren erster Güte und stellen eine imposante Galerie von der Größe mittlerer UCK-Arsenale ins Netz. Da bleibt ("I hate readin´") fürs Lesen der Waffenscheine natürlich keine Zeit mehr. Ähnlich abseitigen Missbrauch von MySpace-Webspace findet man bei diesem [extern] morbiden Liebhaber von Frauenfüßen. Da gibt es doch bestimmt ansprechender aufgemachte und strukturierte Spezialseiten für mittelalterliche Barfußdoktoren!

Mehr sleazy Chaos verbreitet diese Liebhaberin von japanischen [extern] Hentai-Porno-Comics bei der sogar ein hardcoriges Bildchen bisher ungestraft durchgeht. Noch mehr Hardcore, aka HipHop-Obszönitäten, pflastern die Seite [extern] juveniler Deliquentinnen zu. Da geben sich [extern] gereifte 45-jährige Oldschool-Flygirls schon deutlich seriöser. Mit dieser betont schlampigen Zeitgenossin scheint dagegen der [extern] Pulp-Fiction- Maniac schon gehörig durchgegangen zu sein.

Einen der Höhepunkte des kreativen MySpace-Chaos dürfte jedoch die Seite dieser [extern] Anhängerin der ostdeutschen Geisterbahn-Rocker Rammstein darstellen. Man könnte sich auch vor einen Turm aus Marshall-Verstärkern und Monitoren stellen. Ahnungslos im Internet surfende Senioren und sonstige physisch labile Personen sollten tunlichst den Ton am PC herunterdrehen! Sonst droht unweigerlich Shock and Awe.

Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24815/1.html

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Kommentare lesen
asdfsdfsdf (xICEWINDx 24.4.2007 11:57)
asdfsdfsdf (xICEWINDx 24.4.2007 11:55)
DANKE!! (Blindtext-Autor 3.4.2007 15:27)
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