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Paralleluniversum FedCon

Harald Zaun 08.07.2007

Ein Tag auf der FedCon 2007 in Bonn, Europas größter Star-Trek- und Science-Fiction-Convention

Die FedCon hat sich als ein wahres Mekka für Fans der verschiedenen Star-Trek-, Science Fiction- und Fantasy-Serien etabliert. Auch der diesjährigen größten Star-Trek- und Science-Fiction-Convention in Europa wohnten vom 8. bis 10. Juni wieder Tausende von Fans bei. 1992 ins Leben gerufen, feierte die FedCon GmbH ihren 16. Event, streng genommen aber erst den 15., da mit Rücksicht auf die traditionell abergläubigen amerikanischen Schauspieler die Nr. 13 elegant übergangen wurde. Angesichts der Tatsache, dass dieses Jahr "Raumschiff Enterprise", besser gesagt "The Old Series" (TOE) seinen 40. und "Star Trek: The Next Generation" (TNG) seinen 20. Geburtstag feiert, ist es für mich als moderatem Star-Trek-Liebhaber fast schon Chronistenpflicht, dem Event erstmals meine Aufwartung zu machen, um dabei ein besonderes Auge auf Enterprise und Co. zu werfen.

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Wir schreiben den 8. Juni 2007. Erdzeit (MEZ) 10.45 Uhr. Koordinaten unbekannt. Ort des Geschehens: Maritim Hotel Bonn. Die vierte Dimension ist wieder einmal nicht mein Verbündeter. Ich hinke der Zeit um 15 Minuten hinterher. Eigentlich wollte ich mich schon längst um 10.30 Uhr in der heiligen Räumlichkeit eingefunden haben, in der zum Auftakt der 16. [extern] FedCon eine Pressekonferenz der besonderen Art zelebriert werden soll. Mehr als 200 Anwesende, darunter einige Lokal- und Fachjournalisten, größtenteils aber Star-Trek- und Star-Wars-Fans, die für diverse Online-Fan-Magazine oder Special-Print-Magazine die Feder schwingen oder für das SF-Radio arbeiten sowie TV-Spartenkanäle bedienen, sitzen oder stehen dicht an dicht und nehmen von mir gottlob keine Notiz, als ich den Raum betrete und mit etwas Glück einen halbwegs exponierten Sitzplatz ergattere.

Ich bin nicht der Einzige, der dem Strom der Zeit Tribut zollen musste. Auch die 14 angekündigten Science-Fiction-Darsteller lassen auf sich warten. Zumindest zeugt die Phalanx leerer Stühle davon, dass sich die Pressekonferenz selbst "verspätet" hat. Ich bin beeindruckt: Gleich 14 Schauspieler über den großen Teich zu locken, bedarf nicht nur guter Kontakte, sondern auch eines gewissen finanziellen Spielraums und ausgeprägter Organisationsgabe.

Dass die FedCon als Europas größte Star-Trek- und Science-Fiction-Convention bereits zum 16. Mal ihre Pforten öffnet und als letzte große SF-Convention dem nagenden Zahn der Zeit bis heute erfolgreich trotzt, ist vor allem dem unermüdlichen Einsatz von Dirk Bartholomä zu verdanken, der seit mehr als 30 Jahren Star-Trek- und Science-Fiction-Fan ist, und bei dem seit der ersten FedCon alle Fäden zusammenlaufen. Was 1992 im Augsburger Turmhotel als kleine Convention mit ein paar Hundert Besuchern und [extern] Walter Koenig (The Original Series/TOS) als einzigem Stargast begann, expandierte stetig. Auch dieses Mal erwarten die Macher der FedCon im "Maritim-Hotel" zirka 5000 Gäste.

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Die Spannung steigt. Mein Blick wandert von links nach rechts, nach hinten und nach vorn. Tatsächlich. Was ich nicht erwartet hatte, bestätigt sich. Der Raum ist dem Event in puncto Größe zwar durchaus angemessen, dennoch hoffnungslos überfüllt – zum Leidwesen vieler. Denn als Folge des schwülen Wetters und der daraus resultierenden stickigen Luft und hohen Temperatur im Innenraum perlen bei vielen Anwesenden Schweißtropfen von der Stirn. Aus einem unerfindlichen Grund hat das "Maritim-Hotel" im gesamten Konferenzbereich die Klimaanlagen ausgeschaltet. Fernsehkameras, Camcorder und zahlreiche Digitalkameras visieren schon seit Minuten eine Tür an, hinter der Aktivität zu spüren ist.

Nach ein paar einführenden Worten der FedCon-Pressesprecherin, Frau B. Scherr, betreten die [extern] vermeintlichen Stars feierlich den Konferenzraum. Erst zwei Klingonen-Darsteller, deren irdische Gesichtszüge nur ausgemachte Liebhaber kennen, dann bekanntere Schauspieler, von denen die meisten im Star-Trek-Kosmos zu Hause sind, andere im "Star-Wars"-, "Babylon-5-", "Andromeda-", "Firefly"- "Stargate Atlantis"-Universum. Ich wundere mich nicht allzu sehr, dass ich von den Protagonisten auf dem Podium bestenfalls eine Handvoll aus dem TV kenne, da ich ausschließlich auf Star Trek fixiert bin. Und dennoch bin ich alles andere als ein echter Trekkie, allenfalls ein moderater Anhänger von TOS und TNG und dem [extern] vierten sowie siebten und achten Star-Trek-Kinofilm. Von den "Babylon"- und "Stargate"-Akteuren u.v.a. kenne ich keinen einzigen, weil ich derlei Serien nicht (fern)sehe. Immerhin sind mir die wahren Stargäste der Konferenz ein Begriff: [extern] Kate Mulgrew alias Captain Janeway ("Voyager"), [extern] Jonathan Frakes alias Commander William T. Riker ("The Next Generation") und [extern] Avery Brooks alias Captain [extern] Benjamin Sisko ("Deep Space 9").

Abschlussfoto – Pressekonferenz (Alle Bilder: Harald Zaun)

Ungewöhnlich warmherziger Applaus von Seiten der Journalisten kommt auf, flankiert von begeisterten Pfiffen einiger Fans. Mir geht durch den Kopf, wie gering wohl der Beifall ausgefallen wäre, stünden hier Politiker oder Wirtschaftsfunktionäre bzw. Manager anstelle der SF-Protagonisten auf dem Podium. Keine Frage, die Darsteller genießen sichtlich den Applaus, sonnen sich in dem Blitzlichtgewitter, scherzen und lachen und stellen sich gut gelaunt den Fragen des Publikums. Obwohl Frakes & Co. tausende Kilometer von der Heimat entfernt sind, haben sie ein Heimspiel. Kritische Fragen bleiben aus.

Die Pressekonferenz gerät mehr zu einer fachspezifischen Fragestunde, in der sich vornehmlich Star-Trek-Fans zu Wort melden. Wie geht es denn jetzt, nach der Entscheidung von Paramount, die letzte "Enterprise"-Staffel abzusetzen, weiter?, lautet eine der vielleicht noch konstruktiveren Fragen. Bedeutet dies für Star Trek wirklich das definitive Ende? Alles sei noch offen, nichts sei endgültig verloren, so die Schauspieler. Der neue Star-Trek-Kinofilm hingegen sei immerhin in der Pre-Pre-Produktionsphase. Was noch fehle, sei ein fertiges Drehbuch; was noch anstehe, sei der Aufbau des Sets und das Casting der Schauspieler.

Nachdem am Ende der 60-minütigen Pressekonferenz alle Darsteller für die Fotografen nochmals in Reih und Glied posieren, treibt mich die Neugierde zu den Veranstaltungsräumen, Händlerbörsen und Ständen der Fans, dem eigentlichen Zentrum der FedCon, wo Merchandising- und Marketingprodukte fast schon sinnbildlich dafür stehen, dass die FedCon natürlich auch im Sternzeichen Pecunia steht. Dennoch präsentieren auf der FedCon viele Liebhaber Eigenkreationen: Grafiken, Modelle oder bunte Kostüme. Das Faszinierendste sind aber die Fans selbst, die das bunte Treiben mit fantasievollen Kostümen bereichern und selbst bisweilen an den Ständen entlangflanieren, um zu sehen und gesehen zu werden. Zwei davon sind Alicia und Nina Fernandes, die einmal im Jahr extra aus der Schweiz anreisen, um auf der FedCon ihrem SF-Hobby zu frönen. "Wir tragen unser Kostüm eigentlich nur auf der FedCon. Es gibt ja in Deutschland nicht mehr so viele Veranstaltungen", sagt Alicia, die sich in der klassischen Montur der alten Enterprise-Staffel am wohlsten zu fühlen scheint, während sich ihre Schwester Nina den bauchfreien Overall der jüngsten Enterprise-Serie übergestreift hat.

Alicia (links) und Nina (rechts) aus der Schweiz

Am liebsten sehen sich die beiden Baslerinnen aber in der Rolle der Prinzessin Leia. "Wir sind eigentlich Star Wars Fans. Mit [extern] Star Wars hat bei uns in der Kindheit alles angefangen. Erst als wir ,The Next Generation' sahen, sind wir auf den Geschmack gekommen und besuchten die ersten Conventions", gesteht Nina, die im "normalen" Leben als Restauratorin archäologischer Fundstücke eher vergangenheitsorientiert ist – genau wie ihre Schwester, die sich dem Studienfach Geschichte verschrieben hat.

Mich interessiert, ob ihnen irgendwann einmal ein Dualismus zwischen den beiden größten Fangruppen, sprich den Star-Trek- und Star-Wars-Anhängern, aufgefallen ist. Beide verneinen, wobei Alicia bemerkt: "Man kann beide Genres eigentlich nicht vergleichen. Star Trek ist klassisches TV-Science-Fiction, wohingegen Star Wars eher Fantasy ist, in der klassische, mythologische Geschichten auf fantastische Art und Weise dargestellt werden."

Auf der FedCon waren alle Uniformtypen aus den verschiedenen Star-Trek-Epochen vertreten

Wenige Minuten später stoße ich auf einen von Klingonen okkupierten Stand, den gut ein Dutzend kriegerische Artgenossen beiderlei Geschlechts vor unliebsamen Angriffen zu schützen scheinen. Aber dieser Eindruck trügt. Im Gegensatz zu vielen ihrer TV-Vorbilder geben sie sich ausgesprochen menschenfreundlich. So auch die junge Klingonin, die dem Stand schräg gegenüber sitzt und mit einem nicht minder irdisch aussehenden Stammesbruder diskutiert.

Im realen Leben hört sie, wie sich kurz danach herausstellt, auf den Namen Susi Fohringer. Sie ist Mitglied des Klingonen-Fanclubs [extern] Khemorex Klinzhai und arbeitet als Goldschmiedin in Memmingen in der Nähe von Kaufbeuren (bayerischer Regierungsbezirk Schwaben). Mindestens einmal im Monat entflieht sie für ein Wochenende der Gegenwart, schlüpft in eine außerirdische Rolle und mimt mitunter sogar eine völlig andere Star-Trek-Rasse. "Normalerweise bin ich dann [extern] Cardassianerin", erklärt die 27-Jährige, während ein Klingonen-Darsteller mir von hinten lautstark ins Ohr rülpst.

Susi Fohringer

Berührungsängste mit anderen Genres habe sie nicht, verdeutlicht Susi. Einen Antagonismus zwischen Star Trek und Star Wars sehe sie ebenfalls nicht. "Ich bin offen für alles. Ich bin beispielsweise selbst auch ein ‚Herr der Ringe'-Fan." Zu den Klingonen sei sie durch einen Freund gekommen. Der Klingonen-Club, dem sie angehöre, sei deutschlandweit organisiert, man habe sogar Mitglieder in England. "Wir treffen uns zweimal im Jahr und natürlich auch jährlich auf der FedCon."

Ich wende mich anderen Verkaufsständen und Händlerbörsen zu, auf denen vom TNG-Sticker über Modell-Raumschiffe, Postern in Lebensgröße, Sammelfiguren, DVDs, Cartoons, Bildern mitsamt Autogrammen bis hin zu Büchern, Zeitschriften, Uniformen, Trading-Cards usw. so ziemlich alles an SF-Utensilien und -Devotionalien angeboten wird, was das Fanherz höher schlagen lässt oder auch nicht. Mal begegne ich Kitsch, mal Kommerz, manchmal aber auch Informativem oder sogar künstlerisch Beeindruckendem mit Sammlerwert.

Leichte Ähnlichkeit mit Geordi La Forge (TNG)

Fortwährend sehe ich dabei Figuren und uniformierte Gestalten aus dem Alien-reichen Star-Trek-Kosmos, in dem sich mehr als 550 verschiedene außerirdische Spezies tummeln sollen. Hinzu kommen jene, die dem Star-Wars-Universum entsprungen sind, teilweise aber auch Gestalten aus anderen Serien. Keiner ihrer Träger wirkt auch nur im Ansatz lächerlich; vielen gelingt es sogar, ihre Rolle mit einer gewissen Würde auszufüllen und mit einer Portion Selbstironie zu spielen.

Hierin weiß auch Juliana Zwirner zu überzeugen, die zu jener Minderheit zählt, die zumindest äußerlich jenseits von Star Trek und Star Wars wandelt. "Ich repräsentiere einen Charakter von ‚Babylon-5', auch wenn meine Uniform nicht ungedingt exakt ‚Babylon-5'-like ist", gesteht die Anglistikstudentin. "Für mich hat ‚Babylon-5' absoluten Kultstatus, obgleich meine Serie eigentlich [extern] Deep-Space-9 ist".

Hier und da mischen sich einige "Stargate"-Anhänger unter das Publikum, wohl wissend, dass sie – wie ihre Kollegen aus "Babylon-5" – hoffnungslos in der Unterzahl sind. Aber derlei Quantitäten spielen auf der FedCon eine untergeordnete Rolle. Was vielmehr auffällt, ist, dass diese im Gegensatz zu ihren cineastischen und im TV meist streitenden Vorbildern absolut friedlich miteinander umgehen und sich gegenseitig tolerieren. Von Serien- oder Kostümneid keine Spur. Ich kann mich den Eindrucks nicht erwehren, dass sich hier eine große Familie selbst feiert, deren Väter Gene Roddenberry und [extern] George Lucas heißen. "Friedlich in jedem Fall. Es ist alles vertreten. Man kann sich super mit den Leuten unterhalten", bestätigt Juliane. "Das Niveau der Veranstaltung ist super. Es sind nicht nur Stars vertreten, sondern es werden auch Vorträge bzw. Intellectuals angeboten – wie etwa ein Vortrag über Altägyptisch."

Juliana Zwirner

Genau zu einem solchen führt mich meine nächste Station. In dem größten Saal des Hotels, dem Hauptsaal des Kongresszentrums, den die kreativen Macher der FedCon kurzfristig in Mainbridge umgetauft haben, referiert [extern] Hubert Zitt über die Wissenschaft und Technik von Star Trek. In der Szene ist der promovierte Elektrotechniker, der im Fachbereich Informatik und Mikrosystemtechnik an der Fachhochschule Kaiserslautern lehrt und forscht, kein Unbekannter.

In seinem lebendigen, mit aufheiternden Kurzfilmen garnierten Vortrag fokussiert sich der bekennende Star-Trek- und Star-Wars-Fan auf bekannte und unbekannte Aspekte des technischen Equipments der alten "Enterprise"-Staffel und "Next-Generation"-Crew. Anhand des Communicators und anderer fiktiver Erfindungen von [extern] Gene Roddenberry und anderen Autoren führt Zitt plastisch vor Augen, dass die heutige Technik viele der damals noch unvorstellbaren High-Tech-Fantasiegebilde längst überholt hat, verweist aber zugleich darauf, dass die Star-Trek-Drehbuchautoren – anders als Futurologen mit wissenschaftlichem Hintergrund – viele Entwicklungen auf geniale Weise antizipiert haben.

Auffallend an der FedCon ist das ausgewogene Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Fans. Wer erwartet hätte, das Science-Fiction-Genre sei eine klassische Männerdomäne, wird hier eines Besseren belehrt. Dass dieser Umstand den abendlichen FedCon-Parties eher zum Vorteil gereicht, belegt allein die Tatsache, dass auf FedCons sogar der Grundstein für Ehen gelegt worden sein soll. Wer lediglich Freunde und Bekannte, Gleichgesinnte mit gleichen Vorlieben treffen oder neue Bekanntschaften und Freundschaften knüpfen will, ist hier noch besser aufgehoben. Diesen Eindruck bestätigt auch Diava Seeth. "Was ich toll finde, ist, dass man mit allen Fans schnell ins Gespräch kommen kann." Die ausgebildete Lehrerin in dem "Enterprise"-Overall besucht bereits ihre dritte Convention und ist von dem Event angetan. "Das Niveau der Veranstaltung ist wirklich sehr gut."

Diava Seeth

Kurz darauf sticht mir ein Offizier der TNG-Serie ins Auge, der eine bestechende Ähnlichkeit mit dem englischen Schauspieler Patrick Stewart alias Captian Jean-Luc Picard hat. Das schnittige Gesicht, die distinguierte Glatze, das prägnante Timbre seiner Stimme erinnern in der Tat frappierend an Stewart, auch wenn dieser bekanntlich in natura älter und in puncto Körpergröße kleiner ist. Wie sich später herausstellt, handelt es sich beim dem Picard-Double um [extern] Giles Aston, ein 40-jähriger Engländer aus London, der zwar das erste Mal in Deutschland auf der FedCon gastiert, dafür aber schon in Las Vegas und anderen Städten aufgetreten ist – hin und wieder auch gegen Entgelt. Ich bitte ihn für ein Bild zu posieren und versuche ihn in ein Gespräch zu involvieren. "Sorry, got no time. I'm going to a panel. Maybe later?"

Gilen Aston

Fan-Panels sind von Star-Trek-Fans veranstaltete und moderierte Diskussionsrunden, in denen beispielsweise über anstehende Filme, die Vergangenheit oder Zukunft von Star Trek diskutiert wird. Die Frage nach der Zukunft von Star Trek schwebt eigentlich wie ein Damoklesschwert über der gesamten Veranstaltung – zumindest über den Häuptern der Trekkies. Quo vadis, Star Trek?

Noch weiß keiner so recht, ob die [extern] Star-Trek-Saga jemals eine Fortsetzung erfährt und wann der elfte Kinofilm endlich über die Leinwände flimmert. Viele Gerüchte kursieren – konkrete Antworten fehlen. Auch auf den so genannten klassischen Panels, bei denen jeweils ein Star-Trek-Star auf der Bühne steht, monologisiert, bisweilen in einen Dialog mit dem Publikum tritt, deren Fragen beantwortet und dabei sein tänzerisches, gesangliches, schauspielerisches Können in die Waagschale wirft, wissen die Ex-Schauspieler zur Zukunft von Star Trek wenig Neues zu vermelden.

Jonathan Frakes bringt das Dilemma während seiner knapp einstündigen energiegeladenen Show mit sichtlicher Verärgerung auf den Punkt. Als er während seines Panels hektisch von der Bühne steigt, steuert er die erste Reihe an, zeigt auf einen Stuhl und hebt ein dort placiertes Schild hoch, auf dem das viel sagende Wort Paramount zu sehen ist. Frakes Frage "Where is that guy?" wird mit allgemeinem Gelächter quittiert, obwohl Trekkies in Bezug auf Paramount schon seit geraumer Zeit wenig zu lachen haben.

Dass die Macht bis dato immer mit Paramount war, dass das große US-Filmimperium stets in rigoroser Manier bloß die Quoten im Blick hatte und für SF in der Vergangenheit oft nur eine untergewickelte Sensibilität aufbrachte, haben die Wenigsten dem Filmgiganten verziehen. Seit die letzte Serie "Star Trek: Enterprise" bereits nach vier Seasons wegen Zuschauerschwund eingestellt wurde, schwimmen die Fans dank der endlosen Wiederholungen der Star-Trek-Serien auf Kabel Eins und [extern] SciFi nur noch auf einer Nostalgiewelle. Große Bereiche des Merchandisings sind längst weggebrochen, viele Händler auf ihren Fanartikeln sitzen geblieben.

Live long and prosper!

Die Blütezeit der großen Star-Trek-Conventions, die Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts das Herz der Fandom zum Pulsieren brachten, ist vorbei. Machtkämpfe innerhalb diverser Star-Trek-Clubs, das Aufkommen von Konkurrenzsendungen aus dem Mystery- und Fantasy-Bereich ("Akte X", "Farscape", "Xena", "Stargate" u.a.), nicht zuletzt aber die Verlagerung vieler Fan-Aktivitäten ins Internet, besiegelten das Schicksal vieler kleinerer Conventions, allen voran das von Meridian und [extern] Nexus. Das [extern] Fandom manifestiert sich am stärksten im virtuellen Internet-Kosmos und zeigt sich nach der Insolvenz der [extern] Galileo 7-Con jetzt nur noch auf der FedCon.

Obwohl auf der FedCon auch fachspezifische Bücher und Magazine zuhauf angeboten werden, spielt hier das Literarische, besser gesagt das geschriebene Wort, eine absolut untergeordnete Rolle. Bestätigung erfährt dieser Eindruck durch einen kleinen Stand der erfolgreichsten deutschen SF-Romanserie [extern] Perry Rhodan. Auf ihm sehe ich weder einen Vertreter noch sonst irgendwelche Aktivitäten. Nein, auf der FedCon dominiert das gesprochene Wort, dominieren die Bilder und gezeigten Filmsequenzen, die Panels, selbstredend die Fans, das bunte Allerlei und nicht zuletzt die Stars in persona das Geschehen.

Wer letztere für einen Moment aus nächster Nähe erleben will, muss Geduld und Zeit aufbringen, sich während der zahlreichen Autogrammstunden in lange Warteschlangen einreihen und vorab im Schnitt 25 bis 30 Euro pro Autogramm zahlen. Ich wundere mich nur für einen kurzen Moment über den stolzen Preis, bevor mir klar wird, dass diese Autogrammstunden für die Schauspieler die Haupteinnahmequelle sind. Mag sein, dass diese honorarmäßig nicht in der Liga von Julia Roberts oder Tom Cruise mitspielen. Dafür sind sie vermeintlichen Superstars wie Roberts und Cruise schauspielerisch und intellektuell aber um einige Längen voraus. Wenn ich jemandem an diesem schönen Tag ein gutes Honorar gönne, dann diesen werten Damen und Herren, die trotz Jetlag den Kontakt zum Publikum suchen.

Jonathan Frakes beim Signieren

Mir springt eine junge Frau ins Auge, die in dem klassischen Gewand der Kirk-Ära eine gute Figur macht. Ihr Lächeln interpretiere ich als Einladung zu einem Interview. "Angefangen hat es vor zwanzig Jahren. Da war ich fünf, und da habe ich zusammen mit meinem Vater die Classics angeschaut, der selbst schon seit den 70er Jahren Star-Trek-Fan ist. Von daher waren die Classics das erste, was ich mitbekommen habe." Andrea Böeli, so der Name meiner Gesprächspartnerin, kommt aus der Schweiz und ist angehende Anwältin. "Die Veranstaltung ist gut. Mich überrascht nur, dass nur so wenige Fans verkleidet sind." Was ihr besser gefalle – Star Wars oder Star Trek, frage ich. "Mir gefällt beides."

Andrea aus der Schweiz

Ich sehe Andrea auf der abendlichen offiziellen FedCon-Eröffnungsveranstaltung wieder. Der große Hauptsaal im "Maritim-Hotel" ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Mehr als 2000 Zuschauer jubeln unter dem Kommando des Einpeitschers und Zeremonienmeisters [extern] Marc B. Lee allen 14 Stargästen zu. Jeder der einzeln vorgestellten Schauspieler erhält seinen obligaten Sonderapplaus – der "Maskenmann" [extern] Armin Shimerman, der als Quark in "Deep-Space 9" zu glänzen wusste, sichtlich den stärksten. Warum genießen eigentlich nichtmenschliche Figuren à la Spock, Data und Quark, frage ich mich, im Star-Trek-Kosmos einen solchen Sonderstatus? Spiegelt sich darin irgendeine Sehnsucht wider?

Egal – der Tag nähert sich dem Ende. Was noch als Programmpunkt jenseits der Chronistenpflicht ansteht, ist der Besuch der ersten kleineren offiziellen FedCon-Party in der Maritim-Bar. Ich gehe mit Freuden hin, weil mich die offene, nonchalante und tolerante Art der intelligenten FedCon-Fans restlos beeindruckt hat. Das Paralleluniverum FedCon wird noch zwei Tage lang seine Gäste von der Realität da draußen abschirmen, während ich wieder in das heimische Universum eintauche und mich auf den Heimweg mache.

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Kommentare lesen
Hmm (zwodrei 5.8.2007 14:57)
Season = Staffel (Dirk Bartholomae 11.7.2007 8:19)
Nix G8 (Dirk Bartholomae 11.7.2007 8:16)
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