Regierungen unter Druck: Mehrzahl der Menschen fordert Maßnahmen zum Klimaschutz
Florian Rötzer 25.09.2007
Nach einer internationalen Umfrage in 21 Ländern führen 79 Prozent die Klimaerwärmung auf menschliche Aktivitäten zurück und sind 90 Prozent dafür, dass etwas dagegen getan werden muss
Bundeskanzlerin Merkel mahnte: "Der Klimawandel ist vom Menschen verursacht. Er wird zu dramatischen Schäden führen, wenn wir nicht entschlossen handeln." Der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon warnte: "Wenn wir nicht jetzt handeln, werden die Folgen des Klimawandels verheerend sein." Der Klimaschutz scheint allmählich in der Politik zu einem Thema zu werden, das einerseits mit hohem moralischen Druck verbunden ist, weil man jetzt handeln müsse, und mit dem andererseits demonstriert werden soll und kann, dass die Regierungen der Welt in der Lage sind, gemeinsam zu handeln, auch wenn sonst Gräben und Konflikte groß sind. Und die Menschen scheinen überwiegend hinter einer forcierten Klimapolitik zu stehen.
Während sich, so UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, alle teilnehmenden Staaten auf der UN-Konferenz über die Klimapolitik im Vorlauf für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll
einig gezeigt hätten, dass man im Rahmen der UN handeln müsse, bevor es zu spät ist, bleibt weiterhin unklar, was das Ergebnis der von US-Präsident Bush organisierten Konferenz sein wird. Bislang hat sich Bush mit einer Koalition von Willigen dafür eingesetzt, verbindliche Ziele für die Klimapolitik zu verhindern.
Nach einer internationalen
Umfrage im Auftrag der BBC, für die über 22.000 Menschen in 21 Ländern zwischen Mai und Juli befragt wurden, wird auf der politischen Bühne verhandelt, was tatsächlich Mehrheitsmeinung ist. 79 Prozent aller Befragten sagen, dass die Klimaerwärmung eine Folge von menschlichen Aktivitäten sei. 90 Prozent stimmen zu, dass Handeln notwendig sei, zwei Drittel sind der Überzeugung, dass schnell und umfassend gehandelt werden müsse ("It is necessary to take major steps starting very soon"). In keinem der Länder sprach sich eine Mehrheit dafür aus, dass Handeln nicht erforderlich sei. Ingesamt 6 Prozent sehen keine Veranlassung, etwas gegen die Klimaerwärmung zu tun, für ein Viertel würden auch weniger große Programme ausreichen.
Ob die einbezogenen Länder für die Weltmeinung repräsentativ sind, ist allerdings eine andere Frage, zumal in acht Ländern nur Bewohner von Städten befragt wurden. Durchgeführt wurde die
Umfrage vom Meinungsforschungsinstitut Globescan und dem Program on International Policy Attitudes (Pipa) in Australien, Brasilien, Kanada, Chile, China, Ägypten, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Kenia, Mexiko, Nigeria, Philippinen, Russland, Südkorea, Spanien, Türkei und den USA. Dabei sind 14 der 16 Länder, die von Bush zu einem Klimagipfel eingeladen wurden, an dem es nicht nur um die Verbindlichkeit von Klimazielen geht, sondern auch darum, ob die Entwicklungs- und vor allem Schwellenländer einbezogen werden sollen.
73 Prozent aller Befragten sprechen sich auch für eine Begrenzung der Treibhausgasemissionen von Entwicklungsländern aus, wenn sie dafür finanzielle Unterstützung und Technologie von den Industrieländern erhalten. In den reichen Industrieländern ist die überwiegende Mehrheit dafür, den Entwicklungsländern finanziell und mit Technologie zu unterstützen, um die Emissionen zu reduzieren, in den USA sagen dies immerhin 70 Prozent, in Deutschland 75 Prozent, in Frankreich 78 Prozent oder in Kanada und Australien 84 Prozent.
59 Prozent und die Mehrheit in 18 Ländern sind für eine Begrenzung der Treibhausgasemissionen in Entwicklungsländern. Deren Politiker argumentieren allerdings eher, dass dies vordringlich Aufgabe der Industrieländer als Hauptverursacher sei. Eine Mehrheit der Befragten in Ägypten, Nigeria und Italien wandte sich allerdings gegen die Forderung, dass auch Entwicklungsländer die Treibhausgasemissionen begrenzen sollten. Selbst in Mexiko (75%), China (68%), Kenia (64%) und Brasilien (63%) sprechen sich die Menschen für Begrenzungen in allen Ländern aus. Größere Zustimmung als Ablehnung findet diese Meinung auch in Indien (33%), den Philippinen (49%) und in der Türkei (41%).
Besonders dringlich sehen die Menschen in europäischen Mittelmeerländern die Klimaerwärmung. 91 Prozent der Befragten in Spanien, 86 Prozent in Italien und 85 Prozent in Frankreich fordern umfassende Maßnahmen, aber auch in Mexiko (83%), Chile (78%) und Brasilien (76%) vertreten viele diese Meinung. In Deutschland ist die Hälfte für große, 47 Prozent glauben, auch bescheidenere Maßnahmen würden reichen. Bei den Russen sind 44 Prozent dieser Haltung, 43 Prozent wollen entschiedener die Klimaerwärmung bekämpfen.
In Russland
scheinen Politik und Medien allerdings kaum über Klimafragen zu berichten. So sagen 55 Prozent der Russen, sie hätten noch nicht so viel, 9 Prozent sogar, sie hätten noch nichts über Klimaveränderung gehört. Auch 38 Prozent der Nigerianer, 33 Prozent der Inder und 24 Prozent der Chinesen haben wenig davon gehört. Mit einer anderen Informationspolitik und Diskussion könnten sich hier klimapolitisch noch größere Veränderungen ergeben und der Druck auf die Regierungen entsprechend wachsen. Auch Mehrheiten in Indonesien und Kenia haben wenig oder nichts über die Klimaveränderung erfahren.