Erweiterte Suche
Home
Politik
Wissenschaft
-[Weltraum]
-Technik
-Bio-Technik
-Intelligente Systeme
-Bildung
-übermensch
Energie & Klima
Kultur
Medien
Magazin
Anzeige
__magazin__

Warum eine Matrix bauen?

Und warum Sie sich in einer befinden könnten
__umfrage__

Klimamüdigkeit

Wird die angekündigte Klimaerwärmung mit ihren Folgen mittlerweile zu wenig ernst genommen?

Regelwerk für den muslimischen Astronauten

Florian Rötzer 12.10.2007

Der erste Astronaut aus Malaysia hat detaillierte Anweisungen erhalten, wie er im Weltraum dem Beten und anderen religiösen Pflichten nachkommen soll

Scheich Muszaphar Shukor ist keineswegs der erste Moslem, der in den Weltraum fliegt. Der junge Arzt an einer Universitätsklinik in Malaysia setzt aber mit seinem kurzen Besuch auf der Weltraumstation neue Maßstäbe, denn streng will er die religiösen Regeln einhalten, schließlich findet die Reise am Ende des Fastenmonats Ramadan statt. Malaysia will auch unter Premierminister Abdullah Badawi das Ziel erreichen, bis 2020 das erste, wirtschaftlich, technisch und wissenschaftlich avancierte muslimische Land zu werden. Dazu wird auch in Weltraumforschung investiert. Nach dem ersten Astronauten soll 2020 der erste Malaysier auf dem Mond landen. Letztes Jahr wurde das erste Weltraumzentrum eröffnet.

download   

Schukor hat die teure Reise mit der russischen Sojus, die Weltraumtouristen normalerweise 20 Millionen US-Dollar kostet, in einem Wettbewerb des malaysischen Staates gewonnen, für den sich 12.000 Interessenten gemeldet hatten. Der wiederum soll sich die Möglichkeit, einen Weltraumtouristen mitzuschicken, durch einen großen Waffendeal von fast einer Milliarde Dollar gesichert haben. Dass allerdings war für die Muslems in Malaysia kein Problem, während man sich große Sorgen machte, wie man die alten Regeln der Religion aus dem Wüstenland in den Weltraum retten oder vielmehr: an den Aufenthalt in diesem anpassen kann.

Letztes Jahr haben die Weltraumbehörde [extern] ANGKASA und das Ministerium für den islamischen Fortschritt in Malaysia ([extern] JAKIM) eine Konferenz abgehalten, wie sich ein gläubiger Muslim im Weltraum verhalten muss ([local] Wie soll ein Muslim im Weltraum beten?). Dabei geht es nicht nur um Verhaltensvorschriften für direkt religiöse Handlungen, sondern etwa auch darum, wie man sich nach dem Stuhlgang oder dem Urinieren richtig reinigt (istinj). Dazu soll man mindestens drei feste Toilettenpapiere verwenden, bevor sich etwas verbreitet oder antrocknet. Benutzt werden soll reines, stabiles und trockenes, aber nicht geheiligtes Material. Die Körperreinigung soll man, wenn es sich um kleine Verunreinigungen handelt, trocken abwischen, indem man beispielsweise beide Handflächen auf einer sauberen Fläche wie einem Spiegel oder einer Wand abschlägt.

Je genauer Vorschriften sind, desto eher muss man sich über Einzelheiten pragmatisch hinwegsetzen. Das ist im Islam nicht anders. Die Pflichten müssen nach der Meinung zumindest der nicht ganz strengen Lehre, in der auch Allah nachsichtiger ist, so gut wie möglich die Pflichten erfüllen. Bei dem fünf Mal am Tag zu verrichtendem Gebet soll sich er Gläubige nach Mekka zur Kaaba ausrichten. Das ist in der Weltraumstation schwierig, zumal sie alle 90 Minuten, also 16 Mal am Tag, die Erde umkreist. Wenn der Gläubige dann 80 Mal beten müsste, wäre zu kaum mehr etwas Zeit. Allein schon für die Ausrichtung reichen Näherungen an. Wenn man sich nicht in Richtung der Kaaba ausrichten kann, dann reicht auch Mekka. Wenn dies nicht möglich ist, dann tut es auch die Erde. Und insgesamt ist es besser, überhaupt in irgendeiner Richtung zu beten als gar nicht.

Man hat such darauf geeinigt, dass innerhalb von 24 Stunden fünf Mal gebetet werden muss, wobei der Astronaut sich nach der Zeitzone des Ortes ausrichten soll, wo er gestartet ist, also vom Weltraumhafen Baikonur in Kasachstan. Die Zeitzone sei auch maßgeblich für die Einhaltung der Fastenzeiten. Immerhin darf der Astronaut, wenn es kein reines Essen (halal) gibt, auch dieses zu sich nehmen, um nicht zu verhungern.

In der Schwerelosigkeit kann es schwierig werden, zwischen den Gebetshaltungen (Stehen, Sich-Beugen, Knien) zu wechseln. Wenn aufrecht stehen nicht möglich ist, dann halt irgendwie stehen, heißt es. Aber man darf je nach den Bedingungen etwa auch liegen, für das Beugen und Knien könne auch eine Kopfneigung oder die Bewegung des Augenlids verwendet werden. Und wenn gar nichts geht, dann soll sich der Betende einfach die Bewegungen vorstellen.

Der Pragmatismus scheint Zeugnis von einer gewissen Offenheit abzulegen, aber anscheinend gewährt der Islam den Gläubigen keine Pause im religiösen Alltag, der streng durchorganisiert ist. Absurd für den Außenstehenden ist vor allem, dass sich religiöse Experten versammeln müssen, um ein Regelwerk für eine Ausnahme zu erstellen, das dann bei allem Pragmatismus aber Freiheit kaum zu ertragen scheint. Die Wächter der Religion hätten auch allgemein empfehlen können, dass der Astronaut seinen religiösen Pflichten nachkommen soll, wenn die Umstände es erlauben. Das ginge aber offenbar zu weit. So werden jeweils Regeln in Stufen festgelegt, was der Gläubige machen muss, wenn diese oder jede Bedingung erfüllt oder dies oder jenes nicht möglich ist.

Auch auf der Weltraumstation müssen die Körperbereiche bedeckt bleiben, die andere aus religiösen Gründen nicht sehen dürfen. Frauen müssen vollständig verhüllt bleiben, nur Kopf und Hände dürfen sichtbar sein. Beim Mann der Bereich vom Bauchnabel bis zu den Knien. Nichts steht im Regelwerk allerdings, wie sich der muslimische Gläubige gegenüber einer Frau verhalten soll, die nichts muslimisch ist. Darf Shukor beispielsweise der Kommandeurin Peggy Whitson die Hand reichen? Ausdrücklich bestätigt wird, dass Muslime in den Weltraum reisen dürfen, wenn sie moralische Prinzipien einhalten, nämlich die Beziehung zu Gott aufrecht zu erhalten, den Frieden mit anderen Lebewesen zu wahren und im Weltraum auf "Nachhaltigkeit" zu achten.

Social Bookmarks: Mister Wong Yigg Oneview Folkd Delicious Digg

Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26390/1.html

artikel drucken artikel versenden
 
__aktuell__

"Alles tun für einen festen Job"

Wenn der Taser kommt

Tekken Fünfkommafünf

Falsch geschnitten: Wie Chirurgenfehler passieren

__topforum__

In Bayern tobt der Kampf ums Rauchverbot

WHO: Alle Impfstoffe gegen Schweinegrippe sind sicher

Die drei Reiter der akademischen Apokalypse

Jeder siebte US-Amerikaner hungert zeitweise

Die Persönlichkeit von Männern soll konsistenter als die von Frauen sein

Kreditkartenskandal erfasst ganz Europa (Update)

 
Kommentare lesen
Mekka ist dann überall (Martin, HH 14.12.2007 12:52)
Bedeutungslosigkeit (Martin, HH 14.12.2007 12:21)
Wer im Glashaus sitzt... n/t (tom_neo 8.12.2007 9:14)
mehr...
 
   
 Copyright © Heise Zeitschriften Verlag Datenschutzhinweis Mediadaten Impressum Kontakt